Mehr Sicherheit von Unfallopfern von Massenkarambolagen

 - 

(verpd) Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) muss sich aufgrund einer neuen Vereinbarung keiner mehr Sorgen um die Regulierung seiner Schäden machen, wenn er in eine Massenkarambolage verwickelt wird. Bisher war das nicht immer so.

Immer wieder kommt es durch Nebel, Glätte oder Schnee zu Massenkarambolagen. Nicht selten kann bei solchen Unfällen der Unfallverursacher nicht eindeutig ermittelt werden. „Nach einem Massenunfall ist die Situation oft chaotisch und unübersichtlich. Wer den Unfall verursacht hat und wer wie viel Schuld am Unfallgeschehen trägt, ist häufig nicht zu ermitteln“, so Tibor Pataki, Leiter der Abteilung Kraftfahrt-Versicherung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). Häufig haben Geschädigte daher Probleme, ihre Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

Daher gab es bereits eine Regelung, wie Schäden bei einem Massenunfall zu ersetzen sind, wenn kein Unfallverursacher ermittelt werden kann. Allerdings mussten manche Geschädigte auch mit Nachteilen rechnen, selbst wenn sie keine Schuld am Unfall traf, da ihnen unter Umständen nicht der komplette Schaden ersetzt wurde. Die deutschen Kraftfahrtversicherer, die im GDV zusammengeschlossen sind, haben nun ihre Vereinbarung zur Schadenregulierung nach Massenunfällen zugunsten der Unfallbeteiligten geändert.

Alte Regelung

Nach der alten Regelung, die 1983 eingeführt wurde, übernahmen die Kfz-Versicherer, die im GDV organisiert sind, bei einer Massenkarambolage nur bei einem reinen Heckschaden alle entstandenen Schadenskosten. Wurde ein Pkw jedoch hinten und vorne beschädigt oder führte ein Massenunfall zu einem Totalschaden, wurden laut GDV nur 66 Prozent und bei einem reinen Frontschaden sogar nur 25 Prozent ersetzt. Für die Schadenregulierung selbst war oft nicht der eigene Kfz-Haftpflichtversicherer, sondern andere beauftragte Versicherungs-Unternehmen zuständig.

Diese Regelung galt, wenn mindestens 50 Kraftfahrzeuge am Unfall beteiligt waren und der Unfallschuldige nicht ermittelt werden konnte, oder auch bei einem Unfall mit 20 Pkws, wenn der Unfallhergang nicht mehr nachzuvollziehen war.

Insgesamt haben die deutschen Kfz-Versicherer nach Angaben des GDV 17 Massenunfälle nach der bisherigen Vereinbarung reguliert und dabei etwa sieben Millionen Euro an Schadenersatzleistungen aufgewendet. Der letzte entsprechende Massenunfall wurde im April 2011 auf der A19 bei Rostock von einem Sandsturm ausgelöst. Insgesamt kollidierten hier 83 Fahrzeuge, dabei starben acht Menschen und mehr als 100 wurden verletzt.

100-prozentiger Schadenersatz

Seit Kurzem erhalten aufgrund einer neuen Vereinbarung der Kfz-Versicherer alle Unfallbeteiligten bei einer Massenkarambolage generell 100 Prozent des entstandenen Schadens, wenn die Polizei den genauen Unfallverursacher nicht feststellen kann. Dies gilt, wenn mindestens 40 Fahrzeuge am Unfall beteiligt sind. Sollte der Unfallhergang nur schwer nachvollziehbar sein, greift die Regelung auch für Unfälle mit mindestens 20 Fahrzeugen. Des Weiteren muss das gesamte Unfallgeschehen in einem engen zeitlichen und räumlichen Zusammenhang stattgefunden haben.

Der Ansprechpartner für den Geschädigten ist ab sofort bei derartigen Massenunfällen der eigene Kfz-Haftpflichtversicherer, der auch den Schaden zu 100 Prozent ersetzt – egal ob eine Vollkaskoversicherung besteht oder nicht. Zudem wird eine derartige Schadensleistung des eigenen Kfz-Versicherers bei einer solchen Massenkarambolage nicht auf den Schadenfreiheitsrabatt angerechnet, das heißt, es erfolgt keine Schlechterstellung.

„Die neuen Regeln geben den Unfallopfern mehr Sicherheit: Die Schäden werden grundsätzlich in voller Höhe von den Kfz-Haftpflichtversicherern der beteiligten Fahrzeuge übernommen“, wie Pataki betont.

Weitere News zum Thema

  • Wenn Verkehrsschilder vom Schnee verdeckt werden

    [] (verpd) Während die Bedeutung einiger Verkehrsschilder schon alleine durch deren Form klar ist, ist dies bei anderen nicht so. Gerade diese Tatsache spielt eine große Rolle bei der Frage, wie sich ein Verkehrsteilnehmer zu verhalten hat, wenn er an ein Verkehrszeichen kommt, das von Schnee ganz oder zum überwiegenden Teil bedeckt ist. mehr

  • Kein Recht auf eisfreie Straßen

    [] (verpd) Auf öffentlichen Kreisstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften muss der Verkehrssicherungs-Pflichtige nur an besonders gefährlichen Stellen streuen, um der Gefahr einer Glatteisbildung vorzubeugen. Das hat das Oberlandesgericht Hamm mit einem veröffentlichten Urteil entschieden (Az. 11 U 121/15). mehr

  • Versicherungsprämien durch Selbstbehalt senken

    [] (verpd) Es gibt zahlreiche Versicherungsarten, bei denen die Versicherer dem Versicherungskunden eine Selbstbeteiligung beziehungsweise einen Selbstbehalt anbieten. Vereinbart der Kunde einen derartigen Selbstbehalt, trägt er im Schadenfall einen festgelegten und im Vergleich zum möglichen Risiko in der Regel niedrigen Betrag am Schaden selbst. Dafür jedoch ist die Versicherungsprämie um einiges niedriger als ohne einen vereinbarten Selbstbehalt. mehr

  • Keine höhere Kfz-Versicherungsprämie wegen Bagatellschäden

    [] (verpd) Ein selbst verschuldeter Autounfall ist doppelt ärgerlich. Zum einen muss man für den eigenen Schaden am Pkw ohne vorhandene Vollkaskoversicherung selbst aufkommen. Zum anderen steigt die Kfz-Prämie im nächsten Jahr, wenn die Kfz-Versicherung den Schaden des Unfallgegners begleichen musste und sich die Schadenfreiheitsklasse deswegen verschlechterte. Doch bei Bagatellschäden kann man Letzteres unter Umständen verhindern. mehr

  • Vorsicht beim Rückwärtsfahren auf Parkplätzen

    [] (verpd) Kommt es beim Rückwärtsausparken zweier Fahrzeuge auf einem Parkplatz zu einem Unfall, so trifft denjenigen, dessen Fahrzeug zum Zeitpunkt des Zusammenpralls gestanden hat, in der Regel ein nur geringes Verschulden. Das geht aus einem Urteil des Amtsgerichts Dortmund hervor (Az. 425 C 434/16). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.