Kreuzungsunfall – Rote Karte für Rechthaber

 - 

(verpd) Wer bei Grün in eine verstopfte Kreuzung einfährt, ohne dem Querverkehr zuvor die Möglichkeit gegeben zu haben, diese zu räumen, ist für einen dadurch entstehenden Verkehrsunfall in der Regel überwiegend alleine verantwortlich. Das geht aus einem Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe hervor (Az. 1 U 66/12).

Ein Pkw-Fahrer hatte bei starkem Verkehrsaufkommen zunächst bei rotem Ampellicht vor einer Kreuzung gehalten. Er ist dann, als die Ampel auf Grün umschaltete, in die Kreuzung eingefahren, obwohl quer in der Kreuzung ein großer Lastkraftwagen stand, der diese wegen eines Staus nicht mehr rechtzeitig hatte räumen können. Der Autofahrer fuhr danach in eine vor dem Lkw befindliche Lücke.

Er musste jedoch verkehrsbedingt unmittelbar vor dem Lastkraftwagen halten. Das bekam der Lkw-Fahrer zu spät mit und rammte, als er weiterfahren wollte, den Pkw. In dem sich anschließenden Rechtsstreit beschuldigten sich die Fahrer gegenseitig, allein für den Unfall verantwortlich zu sein. Doch dem wollten sich die Richter des Karlsruher Oberlandesgerichts nicht anschließen. Sie gingen davon aus, dass der Pkw-Fahrer den Unfall ganz überwiegend verschuldet hat. Der Halter des Lastkraftwagens haftet hingegen insbesondere aus der Betriebsgefahr seines Fahrzeugs.

Egoistische Gründe

Nach Ansicht des Gerichts muss ein Kraftfahrer, der bei Grünlicht in eine Kreuzung einfahren will, nach dem Grundsatz der gegenseitigen Rücksichtnahme zunächst dem in der Kreuzung „hängen gebliebenen“ Querverkehr die Möglichkeit geben, die Kreuzung zu verlassen. Das hat der Pkw-Fahrer jedoch nicht getan. Er ist vielmehr aus „egoistischen Gründen“ in die Kreuzung eingefahren und hat sich dabei quer vor den Lastkraftwagen gestellt.

Der Autofahrer konnte sich auch nicht mit Erfolg darauf berufen, dass der Lkw-Fahrer verbotswidrig die Kreuzung blockiert hat. Dazu hätte er nämlich nachweisen müssen, dass dieser in die Kreuzung eingefahren ist, obwohl er absehen konnte, dass er sie nicht rechtzeitig werde verlassen können. Ein solcher Nachweis ist ihm jedoch nicht gelungen.

Keine Revision zugelassen

Das Gericht wollte gleichwohl nicht ausschließen, dass auch den Fahrer des Lastkraftwagens ein Mitverschulden an dem Unfall trifft. Denn er hätte vor seiner Weiterfahrt den Pkw möglicherweise mithilfe des sogenannten „Rampenspiegels“ erkennen können.

Angesichts der Gesamtumstände hielten die Richter eine Haftungsverteilung von zwei Drittel zu einem Drittel zulasten des Pkw-Fahrers für gerechtfertigt. Denn nach Überzeugung der Richter hat dieser den Unfall durch sein rücksichtsloses Verhalten ganz überwiegend verschuldet. Gründe für die Zulassung einer Revision zum Bundesgerichtshof sah das Gericht nicht.

Weitere News zum Thema

  • Fahrerflucht: Hilfe für die Opfer

    [] (verpd) Wer bei einem Verkehrsunfall einen Schaden erlitten hat und diesen nicht beim Unfallverursacher geltend machen kann, weil dieser unerkannt geflüchtet ist oder keinen Versicherungsschutz hat, kann unter Umständen trotzdem eine Entschädigung erhalten. Ansprechpartner ist in solchen Fällen der Verein Verkehrsopferhilfe e.V. (VOH). Dies gilt auch, wenn ein Kfz-Fahrer vorsätzlich mit seinem Fahrzeug Personen- oder Sachschäden herbeiführt. mehr

  • Welche Autos am häufigsten gestohlen werden

    [] (verpd) Letztes Jahr wurden fast 30.000 kaskoversicherte Autos, die in Deutschland zugelassen waren, gestohlen. Die meisten gestohlenen Autos einer Automarke kommen von Volkswagen. Anteilig, also pro 1.000 kaskoversicherte Autos der gleichen Marke, führt Toyota die Beliebtheitsskala der Kfz-Diebe an. Dies geht aus einer kürzlich vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) vorgestellten Statistik hervor. mehr

  • Falls ein Ast auf das Auto fällt und es beschädigt

    [] (verpd) Richtet ein Baum beziehungsweise dessen Äste einen Schaden an, kann die Frage nach der Schadenshaftung unter anderem davon abhängen, wem der Baum gehört beziehungsweise wer für ihn verantwortlich ist. Befindet sich ein Baum in Privatbesitz, sind nämlich geringere Anforderungen an die Verkehrssicherungs-Pflicht zu stellen als bei Bäumen, die sich in öffentlichem Besitz befinden. Das geht aus einem veröffentlichten Hinweisbeschluss des Oberlandesgerichts Oldenburg hervor (Az. 2 U 7/17). mehr

  • Vorsicht, Wildwechsel!

    [] (verpd) Jedes Jahr passieren 230.000 bis 265.000 Verkehrsunfälle mit Wildtieren in Deutschland, welche Sach- und zum Teil auch Personenschäden zur Folge haben. Besonders ab Oktober ist wieder mit einem erhöhten Wildwechsel auf Deutschlands Straßen zu rechnen, daher sollten Kfz-Fahrer besonders vorsichtig sein und wissen, wie sie sich zu verhalten haben, wenn sie ein Tier auf der Straße oder am Straßenrand erblicken. mehr

  • Die häufigsten Fahrfehler junger Leute

    [] (verpd) Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben junge Erwachsene das höchste Unfallrisiko von allen Altersgruppen. So war letztes Jahr von allen bei Verkehrsunfällen Verletzten jeder sechste 18 bis 24 Jahre alt, während insgesamt nur jeder dreizehnte Verkehrsteilnehmer in diese Altersgruppe fiel. Einige Fahrfehler von jungen Pkw-Fahrern, die bei Verkehrsunfällen festgestellt wurde, traten besonders oft auf. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.