Kaskoversicherung: Ungewolltes Zusammentreffen mit Bambi und Co.

Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zahlten die Kfz-Kaskoversicherer mit 520 Millionen Euro letztes Jahr eine Rekordsumme für Wildschäden. Doch nur wer richtig versichert ist, erhält nach einem Unfall mit einem Reh oder Wildschwein die notwendigen Reparaturkosten für das beschädigte Auto ersetzt.

Wie der GDV mitteilte, bearbeiteten die deutschen Kfz-Versicherer in 2010 rund 243.000 Wildschäden – das sind 666 entsprechende Verkehrsunfälle am Tag.

Eine aktuelle Statistik der Kfz-Kaskoversicherer zeigt zudem, dass die Wildunfälle hinsichtlich der Leistungshöhe und der Anzahl der Fälle damit Platz zwei aller in einer Teilkasko-Versicherung abgedeckten Risiken belegen. Rang eins nehmen die Glasschäden und auf Platz drei die Schäden durch Marderbisse ein.

Absicherung von Wildschäden

Nur wer für seinen Pkw einen Teilkasko-Schutz hat, bekommt einen Unfallschaden am eigenen Auto ersetzt, wenn das Fahrzeug mit einem Haarwild zusammengestoßen ist. Zum Haarwild zählen entsprechend Paragraf 1 BJagdG (Bundesjagdgesetz) beispielsweise Rehe, Hasen, Füchse und Wildschweine. Ein Unfall mit anderen Tieren, wie Rinder, Pferde oder Vögel, wäre demnach nicht versichert. Es gibt jedoch zahlreiche Versicherer, die eine entsprechende Erweiterung der Teilkasko-Versicherung anbieten.

Außer bei Wildschäden leistet eine Teilkasko-Versicherung auch bei Glasbruch und wenn das Fahrzeug bei Diebstahl, Brand, Hagel, Sturm oder Überschwemmung beschädigt wird. Selbst Schäden durch Marderbisse sind oftmals schon im Versicherungsschutz enthalten oder können optional mitversichert werden. Übrigens: Wer sein Auto vollkaskoversichert, um die eigenen Kfz-Schäden abzudecken, die bei einem fahrlässig selbst verschuldeten Unfall oder durch einen unbekannten Dritten verursacht wurden, hat automatisch einen Teilkasko-Schutz.

Tierische Gefahr

Da Wildtiere unberechenbar sind, können sie an den verschiedensten Stellen und zu unterschiedlichsten Tages- und Nachtzeiten plötzlich auf die Straße laufen. „In Deutschland warnen rund 30.000 Verkehrsschilder vor Wildwechsel“, sagt Bernhard Gause, Mitglied der Hauptgeschäftsführung beim GDV. „Doch die wenigsten Autofahrer passen ihr Fahrverhalten der Gefahrenstelle an.“

Verkehrsexperten raten den Autofahrern besonders am Rand von Wiesen, Feldern und Wäldern bremsbereit zu sein sowie aufmerksam und langsamer zu fahren. Sollte ein Tier trotz aller Vorsicht plötzlich vor das Auto laufen, sind Ausweichmanöver unbedingt zu vermeiden. „Der Zusammenprall mit einem anderen Auto oder einem Baum ist in der Regel verheerender als die Kollision mit einem Tier“, so Gause.

Wenn ein Unfall passiert ist

Wie auch bei anderen Verkehrsunfällen sollte jeder, der in einen Wildunfall verwickelt ist, die Unfallstelle absichern, indem er das Warnblinklicht einschaltet und ein Warndreieck aufstellt. Der GDV rät zudem, die Polizei zu informieren und sich am Unfallort vom zuständigen Förster oder Jagdpächter eine Wildbescheinigung ausstellen zu lassen. Wegen einer möglichen Tollwutgefahr ist es nicht ratsam, ein angefahrenes Wild anzufassen. Um das verletzte oder getötete Tier kümmert sich in der Regel der Förster oder Jagdpächter.

Nach dem Unfall sollten zeitnah Fotos von der Unfallstelle gemacht werden. Das kann unter Umständen die Schadenregulierung beschleunigen. Gause betont: „Für eine schnelle Schadenbearbeitung ist es immer hilfreich, Fotos von Unfallort, Tier und Fahrzeug zu machen.“ Bevor man eine Reparatur des beschädigten Pkws in Auftrag gibt, sollte grundsätzlich der Kfz-Kaskoversicherer zumindest telefonisch informiert werden.

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