Inwieweit Rollerfahrer eine Schutzkleidung tragen müssen

 - 

(verpd) Dem Fahrer eines Motorrollers kann kein Mitverschulden angelastet werden, wenn er bei einem innerörtlichen Unfall eine Beinverletzung erleidet, weil er keine Schutzkleidung getragen hat. Das hat das Landgericht in einem Urteil entschieden (Az. 2 O 203/13).

Ein Motorrollerfahrer erlitt bei einem innerörtlichen Unfall, der durch einen Autofahrer verursacht worden war, erhebliche Beinverletzungen. Die Krankenversicherungs-Gesellschaft, bei der der Verunfallte versichert ist, zahlte die entsprechenden Kosten für die Heilbehandlung. Sie nahm jedoch den Kfz-Haftpflichtversicherer, bei dem das Auto des Unfallverursachers versichert war, in Regress und verlangte von dem Unternehmen die Erstattung dieser angefallenen Heilkosten.

Der Kfz-Haftpflichtversicherer räumte zwar ein, dass der Unfall ausschließlich durch den Fahrer des versicherten Pkw verursacht wurde. Der Kfz-Versicherer wollte sich an den Aufwendungen des Krankenversicherers dennoch nur zum Teil beteiligen.

Nur das Tragen eines Schutzhelms ist Pflicht

Nach Meinung des Kfz-Versicherers wären die Verletzungen des Motorrollerfahrers nämlich zu vermeiden gewesen, wenn dieser zum Zeitpunkt des Unfalls mit Protektoren ausgestattete Motorradschutzkleidung getragen hätte. Der Fahrer des Zweirades habe nach Ansicht des Kfz-Versicherers seine Verletzungen daher mitverschuldet.

Diesem Einwand wollten sich die Richter des Heidelberger Landgerichts nicht anschließen. Sie gaben der Klage des Krankenversicherers auf den vollständigen Ersatz seiner Aufwendungen statt.

Nach Ansicht des Gerichts trifft den Fahrer eines Leichtkraftrades, zu dessen Gattung auch der Motorroller des Geschädigten gehört, generell keine Obliegenheit, Motorradschutzkleidung zu tragen. Denn gesetzlich besteht nur eine Verpflichtung, während der Fahrt einen Schutzhelm aufzusetzen.

Vergleich mit Fahrradfahrern

Die Richter stellten zwar nicht in Abrede, dass Motorradschutzkleidung gegebenenfalls auch das Verletzungsrisiko von Motorrollerfahrern verringern kann. Würde man jedoch fordern, dass die Fahrer von Kleinkrafträdern, die bauartbedingt eine Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern erreichen, generell Schutzkleidung zu tragen hätten, so müsste man das auch von sportlichen Fahrradfahrern fordern, die durchaus entsprechende Geschwindigkeiten erreichen können.

„Für Rennradfahrer ist jedoch, soweit ersichtlich, noch niemand auf die Idee gekommen, eine Obliegenheit anzunehmen, Protektoren-Schutzkleidung zu tragen. Selbst eine allgemeine Obliegenheit, einen Fahrradhelm zu tragen, lehnen die Obergerichte überwiegend ab und dies, obgleich Helme unter Fahrradfahrern mittlerweile weit verbreitet sind“, so das Gericht.

Die Richter halten es auch noch aus einem anderen Grund für unzumutbar, einem Leichtkraftradfahrer die Obliegenheit aufzuerlegen, innerorts eine Schutzkombi zu tragen, um sich im Fall einer nicht selbst verschuldeten Verletzung kein Mitverschulden anrechnen lassen zu müssen.

Weitere News zum Thema

  • Crash mit zugeschneitem Felsblock

    [] Der Betreiber eines Parkplatzes ist nicht dazu verpflichtet, große Steine oder Felsblöcke, die sich auf einer Grünanlage neben einer Parkbucht befinden, von Schnee zu räumen, damit sie von den Nutzern des Platzes besser wahrgenommen werden können. Das hat das Amtsgericht München mit einem veröffentlichten Urteil entschieden (Az. 161 C 22917/15). mehr

  • Kfz-Unfall: Video kontra Lügner

    [] (verpd) Aufzeichnungen von Kameras, die in Fahrtrichtung fest auf dem Armaturenbrett eines Autos installiert sind – sogenannte Dashcams – dürfen in der Regel in einem Zivilprozess verwertet werden. Das hat das Oberlandesgericht Nürnberg mit einem Hinweisbeschluss entschieden und damit ein Urteil des Landgerichts Regensburg bestätigt (Az. 13 U 851/17). mehr

  • Fahrerflucht: Hilfe für die Opfer

    [] (verpd) Wer bei einem Verkehrsunfall einen Schaden erlitten hat und diesen nicht beim Unfallverursacher geltend machen kann, weil dieser unerkannt geflüchtet ist oder keinen Versicherungsschutz hat, kann unter Umständen trotzdem eine Entschädigung erhalten. Ansprechpartner ist in solchen Fällen der Verein Verkehrsopferhilfe e.V. (VOH). Dies gilt auch, wenn ein Kfz-Fahrer vorsätzlich mit seinem Fahrzeug Personen- oder Sachschäden herbeiführt. mehr

  • Welche Autos am häufigsten gestohlen werden

    [] (verpd) Letztes Jahr wurden fast 30.000 kaskoversicherte Autos, die in Deutschland zugelassen waren, gestohlen. Die meisten gestohlenen Autos einer Automarke kommen von Volkswagen. Anteilig, also pro 1.000 kaskoversicherte Autos der gleichen Marke, führt Toyota die Beliebtheitsskala der Kfz-Diebe an. Dies geht aus einer kürzlich vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) vorgestellten Statistik hervor. mehr

  • Vorsicht, Wildwechsel!

    [] (verpd) Jedes Jahr passieren 230.000 bis 265.000 Verkehrsunfälle mit Wildtieren in Deutschland, welche Sach- und zum Teil auch Personenschäden zur Folge haben. Besonders ab Oktober ist wieder mit einem erhöhten Wildwechsel auf Deutschlands Straßen zu rechnen, daher sollten Kfz-Fahrer besonders vorsichtig sein und wissen, wie sie sich zu verhalten haben, wenn sie ein Tier auf der Straße oder am Straßenrand erblicken. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.