Gurtmuffel leben gefährlich

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(verpd) Nach Angaben der EU-Kommission sind für 70 Prozent der Verkehrsunfälle mit Todesopfern vier Ursachen verantwortlich: das Fahren unter Alkohol- beziehungsweise Drogeneinfluss, die Missachtung roter Ampeln, zu schnelles Fahren und das Nichtanlegen des Sicherheitsgurts.

Allein 2011 war jeder fünfte getötete Autoinsasse zum Zeitpunkt des Unfalls nicht angeschnallt, so der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR).

Eine Studie der Sachverständigen-Organisation Dekra e.V. zeigt auf, dass immer noch viele Autofahrer und Kfz-Insassen keinen Sicherheitsgurt anlegen. Und das, obwohl schon seit 38 Jahren die Gurtanlegepflicht auf den Vordersitzen und seit 30 Jahren auf allen Sitzen eines Pkws besteht. Auch die Insassen von Lkws müssen seit 22 Jahren und die von Reisebussen seit 15 Jahren einen Sicherheitsgurt während der Fahrt anlegen.

Insgesamt kam die Studie, die 2012 die Sicherung von Erwachsenen und Kinder in rund 20.000 Fahrzeugen untersuchte, zu dem Ergebnis, dass in älteren Pkws und auch innerorts die Gurtanlagepflicht mehr vernachlässigt wird als in jüngeren Pkws sowie auf Landstraßen und Autobahnen. Auch bei der Sicherung von Kindern im Auto gibt es häufig noch Verbesserungsbedarf.

Fast jedes zehnte Kind ist nicht richtig im Auto gesichert

Konkret legten bei Pkws der Baujahre 1995 bis 1999 nur 93,3 Prozent der Fahrer und Insassen einen Gurt an. Im Gegensatz dazu waren es bei Autos, die nach 2009 hergestellt wurden, 99,2 Prozent. Innerorts lag die Anschnallquote bei 96,4 Prozent, auf der Landstraße bei 97,5 Prozent und auf der Autobahn bei 98,3 Prozent.

Die Studie ergab zudem, dass neun Prozent der Kinder nicht oder nicht mit einem geeigneten Rückhaltesystem gesichert waren. Außerdem waren 19 Prozent der Kinder, die sich auf dem Beifahrersitz befanden, nicht ausreichend gesichert. Doch auch auf dem Rücksitz waren sechs Prozent der Kinder unzureichend gesichert.

Nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) sind Lkw-Fahrer beim Anlegen des Gurtes ebenfalls nachlässig. Zwar legten im Jahre 201293 Prozent der Fahrer von Lkws bis 3,5 Tonnen einen Gurt an, doch bei den schwereren Lastwagen über 3,5 Tonnen waren es nur noch 83 Prozent.

Wie ein Sturz aus vier Meter Höhe

Crashtests belegen, dass es ohne Gurt bei einem Unfall mit einer Geschwindigkeit von nur 30 km/h bereits zu schwersten Verletzungen kommt und der Aufprall in etwa einem Sturz aus vier Metern Höhe im freien Fall entspricht. Mit Gurt ist das Verletzungsrisiko jedoch sehr gering. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) gibt zudem zu bedenken, dass ungesicherte Kinder im Auto ein siebenmal höheres Risiko haben, schwer verletzt oder getötet zu werden.

Doch „selbst der schönste Sitz bringt nichts, wenn er falsch installiert wird“, wie ein Fachmann des DVR anmerkt. Insbesondere mangelnde Sorgfalt kann zu Fehlern führen und damit den Schutz für die kleinen Passagiere verringern. Experten raten daher, einen auf das Alter, Gewicht und die Größe des Kindes abgestimmten Kindersitz zu kaufen und sich zeigen zu lassen, wie dieser in das jeweilige Auto richtig eingebaut und das Kind darin gesichert wird.

Gurtmuffel riskieren nicht nur ihr Leben, sondern auch ein Bußgeld von 30 €. Wer ein Kind ohne ausreichende Sicherung in seinem Pkw mitnimmt, muss seit Mai 2014 dafür mit einem Bußgeld ab 60 € und einem Punkt im Flensburger Verkehrszentralregister rechnen.

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