Für Fahrer gilt: Lieber Kinderpunsch als Glühwein

 - 

(verpd) Jetzt haben die Weihnachtsmärkte wieder Hochsaison. Neben verführerischen Lebkuchen und leckeren Plätzchen locken hier auch allerlei Alkoholika. Wer Glühwein und Co. nicht widerstehen kann, sollte unbedingt zu Fuß, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder per Taxi den Heimweg antreten. Denn auch wenn man keinen Unfall baut, kann eine Alkoholfahrt sehr teuer werden.

Den meisten Autofahrern ist die sogenannte 0,5-Promille-Grenze bekannt. Bei einer höheren Blutalkohol-Konzentration (BAK) droht eine Geldstrafe von 500 € und ein Fahrverbot von vier Wochen – und das bereits beim ersten Mal. „Kaum jemand weiß aber, dass bei einer Verkehrsgefährdung, also etwa bei einem Unfall, schon bei 0,3 Promille ein Straftatbestand bestehen kann“, betont der Verkehrspsychologe Wilhelm Petersen des Kfz-Überwachungsvereins Dekra e.V.

Er fährt fort: „Das gilt im Übrigen auch für Radfahrer.“ Deshalb empfiehlt er, am besten gar nicht erst mit dem Auto zur Feier fahren, wenn man Alkohol trinken möchte. Stattdessen sollte im Vorfeld die Hin- und Heimfahrt ohne Verwendung des eigenen Fahrzeugs geplant werden. Für Kfz-Fahrer unter 21 Jahren gelten im Übrigen sogar noch strengere Regeln. Sie müssen sich beim Fahren an ein absolutes Alkoholverbot, also an eine Null-Promille-Grenze halten.

Bereits ein Becher Glühwein ist zu viel

Alkohol hat bereits in geringen Mengen deutliche Auswirkungen aus die Fahrsicherheit, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Bereits ab einem Alkoholspiegel von lediglich 0,1 Promille werden Entfernungen nicht mehr korrekt eingeschätzt.

Ab 0,3 Promille BAK vermindern sich die Sehleistung, die Konzentration und das Reaktionsvermögen, während gleichzeitig die Risikobereitschaft steigt – eine in vielen Fällen verhängnisvolle Kombination.

Übrigens reicht bereits ein Becher Glühwein in Abhängigkeit vom Gewicht der Person aus, damit diese Grenzen überschritten werden. Hinzu kommt, dass der menschliche Körper mit 0,1 bis 0,15 Promille BAK in der Stunde Alkohol relativ langsam abbaut. Wenn es abends feucht-fröhlich war und spät wurde, ist morgens der Alkohol womöglich noch nicht so weit abgebaut, dass man wieder fahren kann, warnt auch Wilhelm Petersen.

Drastische Strafen

Die Strafen, wenn man alkoholisiert fährt, sind empfindlich. Fahranfängern droht bereits bei einer geringen Menge Alkohol im Blut eine Geldstrafe von 250 €. Hinzu kommt ein Punkt im Fahreignungsregister (FAER).

Hat man den Führerschein noch auf Probe, muss ein teures Aufbauseminar besucht werden und es verlängert sich die Probezeit um weitere zwei Jahre.

Ab einer Blutalkohol-Konzentration von 0,5 Promille und mehr drohen allen Kfz-Fahrern ein Bußgeld von mindestens 500 € Bußgeld, zwei Punkte im FAER und ein Fahrverbot von bis zu drei Monaten – und das auch nur, sofern der betroffene Fahrer keine Fahrunsicherheiten aufweist. Kommen Fahrunsicherheiten hinzu, kann der Führerschein auch dauerhaft eingezogen werden und es werden hohe Geld- bis hin zu Haftstrafen verhängt.

Alkohol am Steuer – Folgen für den Versicherungsschutz

Die Kfz-Haftpflichtversicherung übernimmt die Schäden beim Unfallgegner zwar auch dann, wenn der Unfallverursacher alkoholisiert war. Sie kann allerdings den Versicherungsnehmer beziehungsweise den Unfallverursacher in Regress nehmen und zwar bis zu einem Betrag von 5.000 €.

Bei einem Kaskoschaden kann der Kfz-Versicherer bei Trunkenheit am Steuer seine Leistungen kürzen – und zwar wegen „grober Fahrlässigkeit“ in einem der Schwere des Verschuldens angemessenen Verhältnis.

Die Schutzklausel, die in mancher Kfz-Police vereinbart ist, dass die Versicherung auch bei „grober Fahrlässigkeit“ für den Schaden aufkommt, greift in diesem Fall nicht, denn alkohol- und drogenbedingte Schäden sind hiervon ausgenommen.

Lieber Bus und Bahn

Übrigens: Auch das Fahrrad ist keine Alternative, wenn man etwas getrunken hat. „Die wenigsten können einschätzen, ab welchem Blutalkoholwert sie nicht mehr sicher auf dem Fahrrad unterwegs sind. Die meisten überschätzen sich und bringen damit sich und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr“, warnt Professor Reinhard Hoffmann, stellvertretender Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU). Zudem gelten auch nicht motorisierte Fahrzeuglenker als vollwertige Verkehrsteilnehmer.

Das bedeutet wiederum, dass auch ein Radfahrer eine Trunkenheitsfahrt nach Paragraf 316 StGB (Strafgesetzbuch) begehen und deswegen mit Punkten im FEAR und sogar mit dem Entzug des Kfz-Führerscheins bestraft werden kann. Bereits ab 0,3 Promille droht also auch einem Radler eine Strafanzeige, wenn er Fahrunsicherheiten aufweist oder einen Unfall verursacht.

Ab 1,6 Promille gilt ein Radfahrer als absolut fahruntüchtig. Dann kann er nicht nur mit einem hohen Bußgeld und drei Punkten im FAER bestraft werden. Ihm droht auch die Auferlegung einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU). Wird diese nicht bestanden, kann die Kfz-Fahrerlaubnis entzogen werden. Informationen über die Wirkung und Risiken von Alkohol und zu den gesetzlichen Regelungen, zahlreiche Tipps und ein Selbsttest sowie ein Promille-Rechner finden sich übersichtlich zusammengestellt im Webportal des BZgA www.kenn-dein-limit.info.

Weitere News zum Thema

  • Zusammenstoß mit Autotür

    [] (verpd) Stößt ein vorbeifahrendes Fahrzeug gegen die Tür eines geparkten Autos, hat es zu einer Schadenteilung zu kommen, wenn nicht geklärt werden kann, wann die Tür geöffnet wurde. Das hat das Amtsgericht Frankenthal mit Urteil entschieden (Az. 3a C 176/16). mehr

  • Wie Biker bei der Kfz-Versicherung sparen können

    [] (verpd) Die Motorradsaison hat begonnen. Wer sich bereits vor der Anmeldung des Bikes entsprechende Gedanken macht, kann dafür sorgen, dass das eigene Motorrad gut, aber dennoch günstig versichert ist. mehr

  • Speziell für Schönwetter-Fahrzeuge

    [] (verpd) Kfz-Halter, die ihr Auto, ihr Motorrad oder auch ihr Wohnmobil nur in einem bestimmten Zeitraum des Jahres, beispielsweise von März bis Oktober fahren möchten, kommen mit einem Saisonkennzeichen in den Genuss diverser Vorteile. Denn sie sparen damit Kfz-Steuern und Versicherungsprämien, ohne das Fahrzeug ständig an- und abmelden zu müssen. mehr

  • Von den teuren Folgen einer Spritztour mit dem Dienstwagen

    [] (verpd) Ein Beschäftigter, der sein Dienstfahrzeug ohne Erlaubnis seines Arbeitgebers zu privaten Zwecken nutzt, kann für die Folgen eines dabei durch einen Wildunfall entstandenen Schadens in Anspruch genommen werden. Das geht aus einem aktuellen Urteil des Verwaltungsgerichts Koblenz hervor (Az. 5 K 684/16.KO). mehr

  • Parkhausunfall: Mitverschulden trotz Vorfahrt?

    [] (verpd) Wer in einem Parkhaus Opfer einer Vorfahrtsverletzung wird, muss sich wegen der dortigen Besonderheiten in der Regel trotz allem ein hälftiges Mitverschulden anrechnen lassen. Das geht aus einem veröffentlichten Urteil des Amtsgerichts München hervor (Az. 333 C 16463/13). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.