Der wichtigste Lebensretter im Auto

 - 

(verpd) Bereits seit fast 40 Jahren besteht in Deutschland im Pkw eine Anschnallpflicht. Dennoch sterben jährlich immer noch zahlreiche Kfz-Insassen, weil sie nicht angeschnallt sind.

Seit 1976 müssen der Fahrer und der Beifahrer sowie seit 1984 auch die Pkw-Insassen auf den hinteren Sitzen beim Autofahren angeschnallt sein. Bei Zuwiderhandlungen droht ein Bußgeld ab 30 €. Wer ein Kind ohne Sicherung in seinem Pkw mitnimmt, muss mit einem Bußgeld ab 60 € und einem Punkt im Flensburger Verkehrszentralregister rechnen.

Nach aktuellen Angaben des Automobilclubs ADAC ist dennoch jeder fünfte bei einem Verkehrsunfall getötete Pkw-Insasse nicht angeschnallt gewesen. Auch eine andere Statistik belegt die hohe Unfallgefahr: Laut dem Verkehrssicherheits-Report der Sachverständigen-Organisation Dekra e.V. von vor zwei Jahren wurden 60 Prozent der Pkw-Insassen, die nicht angeschnallt waren und auf einer Landstraße einen Unfall mit Personenschaden hatten, entweder schwer oder tödlich verletzt.

Tödliche Verletzungen ab 30 km/h

Besonders auf Kurzstrecken und innerorts sowie auf den Rücksitzen wird der Gurt, meist aus Bequemlichkeit, häufig nicht angelegt, wie Studien ergaben. Immer noch glauben anscheinend viele Kfz-Fahrer und -Insassen, dass ihnen bei einem Unfall mit einer geringeren Geschwindigkeit auch ohne Gurt nicht viel passiert.

Ein fataler Irrtum, wie Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) erklärt: „Tests zeigen, dass man bei einem Frontalaufprall bereits ab einem Tempo von nur 10 km/h nicht mehr in der Lage ist, sich festzuhalten. Bei solch einem Unfall werden einfach Kräfte frei, die von vielen komplett unterschätzt werden. Denn schon bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h können tödliche Verletzungen drohen, wenn man nicht angeschnallt ist.“ Auch viele Kinder werden nicht oder nicht ausreichend als Pkw-Insassen gesichert.

So waren letztes Jahr nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen 21 Prozent der im Auto mitfahrenden Kinder ab sechs Jahren innerorts nur mit einem Erwachsenengurt und damit nicht vorschriftsmäßig gesichert. Grundsätzlich ist für eine ausreichende Sicherung ein auf das Alter, Gewicht und die Größe des Kindes abgestimmter Kindersitz oder ein Kinderrückhaltesystem notwendig. Dieses muss entsprechend den Herstellerangaben in das jeweilige Auto eingebaut und das Kind gemäß der Anleitung angeschnallt werden.

Ohne Sicherheitsgurt schützt auch der Airbag nicht optimal

Übrigens, auch viele andere Sicherheitssysteme im Auto funktionieren nur optimal im Zusammenspiel mit dem Sicherheitsgurt. Laut Dekra können beispielsweise Airbags nur dann richtig wirken, wenn die Insassen angeschnallt sind. Denn nur so wird sichergestellt, dass die Airbags die Insassen an der richtigen Position treffen und zum Beispiel nicht daran vorbei oder darüberhinwegrutschen.

Bente vom DVR betont: „Experten sind sich einig: Der Sicherheitsgurt gehört zu den zehn wichtigsten Erfindungen rund um das Auto. Er ist immer noch Lebensretter Nummer eins – noch vor dem Airbag – und das Wichtigste, was man im Auto überhaupt haben kann.“

Die Anschnallpflicht gilt nicht nur für Pkw-Insassen. Auch die Fahrer und Mitfahrer von Lkws müssen seit 1992 und die Insassen von Reisebussen seit 1999 einen Sicherheitsgurt anlegen.

Weitere News zum Thema

  • Autounfall: Wann man auch als Unschuldiger haften muss

    [] (verpd) Blockiert ein Pkw beim Ausfahren aus einem Grundstück fast vollständig einen Radweg, ohne dass gegen Verkehrsregeln verstoßen wird, kann der Kfz-Halter im Fall eines Unfalls mit einem Radfahrer trotzdem aus der Betriebsgefahr seines Autos zur Verantwortung gezogen werden. Das hat das Landgericht Oldenburg mit einem aktuellen Urteil entschieden (Az. 16 S 516/16). mehr

  • Notrufsysteme für Pkws vom Kfz-Versicherer

    [] (verpd) Die deutsche Versicherungswirtschaft hat vor rund einem Jahr ein automatisches Notrufsystem auf den Markt gebracht, das in fast allen Neu- und Gebrauchtwagen eingesetzt werden kann und bei einem Unfall automatisch eine Notrufzentrale informiert. Seitdem sind rund 85.000 dieser sogenannten Unfallmeldedienst-Systeme (UMD) an Autofahrer ausgegeben worden. Einige Versicherer bieten aber auch Telematikboxen an, die als Notrufsystem nutzbar sind. Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. mehr

  • So sind Motorrad und Mensch fit die Saison

    [] (verpd) Viele Biker warten sehnsüchtig auf die ersten Sonnenstrahlen im Frühjahr, um wieder ihrem Hobby zu frönen. Damit die ersten Touren und die gesamte Saison unfallfrei verlaufen, sollte der Fahrer sich, aber auch seine Maschine und die Sicherheitsausrüstung auf Vordermann bringen. mehr

  • Für eine einfache Verständigung bei einem Auslandsunfall

    [] (verpd) Jährlich ereignen sich mehrere Zehntausend Unfälle, bei denen ein in Deutschland zugelassenes Auto in einen Unfall im Ausland beteiligt ist. Für die Betroffenen gilt es im Falle des Falles, nicht nur die Ruhe zu bewahren, sondern oft auch Sprachbarrieren zu überwinden und die wichtigsten Daten für eine reibungslose Schadensregulierung zu dokumentieren. Ein mehrsprachiger Unfallbericht hilft dabei. mehr

  • Die wichtigsten Maßnahmen nach einem Autounfall

    [] (verpd) Wer an einem Unfall beteiligt ist oder als Erster an eine Unfallstelle kommt, muss auch aufgrund gesetzlicher Regelungen bestimmte Verhaltensregeln einhalten, um beispielsweise weitere Schäden zu verhindern und Verletzten zu helfen. Zudem erleichtert eine richtige Vor-Ort-Dokumentierung des Unfalles die Schadenregulierung durch den oder die Kfz-Versicherer. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.