Ausrutscher nach Auffahrunfall

 - 

(verpd) Kommt ein schuldlos in einen Unfall verwickelter Verkehrsteilnehmer auf einer eisglatten Fahrbahn zu Schaden, weil er wegen des Unfalls aus seinem Fahrzeug ausgestiegen ist, um sich über die Unfallfolgen zu informieren, so hat der Haftpflichtversicherer des Unfallverursachers für die Verletzungsfolgen einzustehen.

Das geht aus einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) hervor (Az. VI ZR 116/12).

Ein Mann war auf das vor ihm haltende Fahrzeug aufgefahren. Dabei verhakte sich die Stoßstange seines Personenkraftwagens mit der Anhängerkupplung des klägerischen Fahrzeugs. Als der Vordermann aus seinem Fahrzeug ausstieg, um das Malheur in Augenschein zu nehmen, rutschte er auf der zu diesem Zeitpunkt eisglatten Fahrbahn aus und kam zu Fall. Dabei zog er sich eine Fraktur seines rechten Schultergelenks zu.

Seine gegen den Kfz-Haftpflichtversicherer des Unfallverursachers geltend gemachte Schmerzensgeld-Forderung wurde von diesem zurückgewiesen. Das Argument: Der Sturz des Klägers sei keine dem Auffahrunfall zuzurechnende Folge. Denn bei dem Zwischenfall habe sich eine Gefahr verwirklicht, der andere Verkehrsteilnehmer ebenso ausgesetzt gewesen seien. Der Vorfall sei daher Teil des allgemeinen Lebensrisikos, für welches der Unfallverursacher nicht einzustehen habe.

Erfolg in letzter Instanz

Mit seiner gegen den Versicherer eingereichte Klage hatte der Verletzte erst nach mehreren Instanzen beim Bundesgerichtshof (BGH) Erfolg. Nach Meinung der BGH-Richter war der Kläger nach dem Auffahrunfall nur deswegen zu Schaden gekommen, weil er aus seinem Fahrzeug ausgestiegen und über die eisglatte Fahrbahn gegangen war, um sich über die möglichen Folgen des Unfalls zu informieren. Dahinter tritt zurück, dass zum Unfallzeitpunkt aufgrund der winterlichen Straßenverhältnisse die allgemeine Gefahr bestand, dass Fußgänger ins Rutschen geraten und stürzen konnten

„In dem Sturz des Klägers realisierte sich mithin die besondere Gefahrenlage für die an einem Unfall beteiligten Fahrzeugführer, die zur Aufnahme der erforderlichen Feststellungen für eine gegebenenfalls notwendige Schadensabwicklung aus dem Fahrzeug aussteigen und sich auf der Fahrbahn bewegen müssen. Der haftungsrechtliche Zurechnungszusammenhang mit dem von dem Beklagten verschuldeten Unfall kann danach nicht verneint werden“, heißt es dazu in der Urteilsbegründung.

Haftung, obwohl kein Verschulden vorliegt

Der Beklagte haftet nach Ansicht des Bundesgerichtshofs aber nicht nur aus Verschulden, sondern auch aus der Betriebsgefahr seines Fahrzeugs. Denn der Kläger wurde erst durch den Betrieb des Fahrzeugs des Unfallverursachers dazu veranlasst, aus seinem Pkw auszusteigen und über die eisglatte Fahrbahn zu gehen, um sich über die Unfallfolgen zu informieren.

Ein Schaden ist nach Auffassung der Richter aber bereits dann dem Betrieb eines Kraftfahrzeugs zuzurechnen, wenn sich in ihm die von dem Fahrzeug ausgehenden Gefahren verwirklicht haben und das Schadengeschehen von dem Kraftfahrzeug zumindest mitgeprägt wurde.

Weitere News zum Thema

  • Sicherheit für Schiffe und Freizeitkapitäne

    [] (verpd) Ein Schiff, egal ob Motor- oder Segelboot, kostet in der Regel einiges in der Anschaffung. Auch notwendige Reparaturen nach einem selbst verschuldeten Unfall oder infolge einer Schädigung durch einen Unbekannten können teuer sein. Wer als Bootsführer oder -inhaber einen Unfall verursacht, bei dem ein anderer geschädigt wird, muss unter Umständen sogar um seine finanzielle Existenz bangen. Es gibt jedoch Wassersport-Versicherungen, die vor diesen Kostenrisiken schützen. mehr

  • Autounfall: Wann man auch als Unschuldiger haften muss

    [] (verpd) Blockiert ein Pkw beim Ausfahren aus einem Grundstück fast vollständig einen Radweg, ohne dass gegen Verkehrsregeln verstoßen wird, kann der Kfz-Halter im Fall eines Unfalls mit einem Radfahrer trotzdem aus der Betriebsgefahr seines Autos zur Verantwortung gezogen werden. Das hat das Landgericht Oldenburg mit einem aktuellen Urteil entschieden (Az. 16 S 516/16). mehr

  • Notrufsysteme für Pkws vom Kfz-Versicherer

    [] (verpd) Die deutsche Versicherungswirtschaft hat vor rund einem Jahr ein automatisches Notrufsystem auf den Markt gebracht, das in fast allen Neu- und Gebrauchtwagen eingesetzt werden kann und bei einem Unfall automatisch eine Notrufzentrale informiert. Seitdem sind rund 85.000 dieser sogenannten Unfallmeldedienst-Systeme (UMD) an Autofahrer ausgegeben worden. Einige Versicherer bieten aber auch Telematikboxen an, die als Notrufsystem nutzbar sind. Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. mehr

  • So sind Motorrad und Mensch fit die Saison

    [] (verpd) Viele Biker warten sehnsüchtig auf die ersten Sonnenstrahlen im Frühjahr, um wieder ihrem Hobby zu frönen. Damit die ersten Touren und die gesamte Saison unfallfrei verlaufen, sollte der Fahrer sich, aber auch seine Maschine und die Sicherheitsausrüstung auf Vordermann bringen. mehr

  • Für eine einfache Verständigung bei einem Auslandsunfall

    [] (verpd) Jährlich ereignen sich mehrere Zehntausend Unfälle, bei denen ein in Deutschland zugelassenes Auto in einen Unfall im Ausland beteiligt ist. Für die Betroffenen gilt es im Falle des Falles, nicht nur die Ruhe zu bewahren, sondern oft auch Sprachbarrieren zu überwinden und die wichtigsten Daten für eine reibungslose Schadensregulierung zu dokumentieren. Ein mehrsprachiger Unfallbericht hilft dabei. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.