Rürup-Rente pro und contra

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Die Basisrentenversicherung stellt für Selbstständige eine der wenigen Steuersparmöglichkeiten bei der Altersvorsorge dar. Doch lohnt sie sich auch wirklich? Und ist sie auch für hochbesteuerte Arbeitnehmer und Beamte geeignet?

Lebenslange Rente mit hohen Steuervorteilen. Rürup-Rente: Altersvorsorge jetzt regeln – ab 2015 gibt es schlechtere Verträge heißt es unter www.1a-altersabsicherung.de. Das von Seguras Media betriebene Internetportal weist auf die aktuelle Finanztest-Ausgabe hin, wonach man jetzt aktiv werden müsse. Schließlich sinke der Garantiezins bei Neuabschlüssen ab 2015 von 1,75 % auf 1,25 %.

Rürup-Police der Europa liegt bei Finanztest vorn

Beim Vergleich von klassischen Rürup-Rentenversicherungen in Finanztest 12/2014 steht die Basis-Rentenversicherung (Rürup) der Europa mit der höchsten garantierte Rürup-Rente und dem Qualitätsurteil Gut (1,7) auf Platz 1.

Im Modellfall eines heute 40-Jährigen, der 27 Jahre lang einen jährlichen Riester-Beitrag von 6.000 € zahlt, liegt die garantierte Rürup-Rente bei monatlich 758 € ab dem Jahr 2041. Knapp 18 Jahre später hätte der dann fast 85-jährige Rürup-Rentner seine gezahlten Beiträge von insgesamt 162.000 € zumindest wieder heraus. Die Europa Versicherung wirbt auf ihrer Homepage: Vertrauen Sie auf den aktuellen Testsieger bei Stiftung Warentest. Noch bis zum 20.12.2014 abschließen und bis zu 31.200 € steuerlich absetzen.

Förderhöchstgrenze soll um gut 10 % steigen

Zwei Tage vorher, am 18.12.2014, wird der Bundesrat entscheiden, ob der bisherige Höchstbetrag für Altersvorsorgeaufwendungen von jährlich 20.000/40.000 € (Alleinstehende/Verheiratete) wie vom Bundestag vorgeschlagen auf 22.172 bzw. 44.344 € steigen soll. Diese Anhebung der Förderhöchstgrenze soll die Rürup-Rente attraktiver machen. Bei Arbeitnehmern und Beamten wird der Höchstbetrag jedoch um den tatsächlichen bzw. fiktiven Gesamtbeitrag zu gesetzlichen Rentenversicherung gekürzt, maximal um 18,9 % der Beitragsbemessungsgrenze (Ost) von 60.000 € in 2014, also um höchstens 11.340 €. Danach wäre noch Luft für Rürup-Beiträge in Höhe von 8.660/28.660 € im Jahr 2014.

Schnellen Abschluss ohne nähere Prüfung vermeiden

Bis zum 20.12.2014 ist es nur noch eine gute Woche. Das Jahresendgeschäft mit Rürup-Versicherungen und anderen Renten- oder Lebensversicherungen läuft auf vollen Touren. Man sollte sich jedoch nicht von diesem Dezemberfieber anstecken lassen und ohne nähere Prüfung überhastet noch ganz schnell eine Rürup-Police abschließen.

Was für die Rürup-Rente spricht

Die Rürup-Rente bietet in der Ansparphase insbesondere für hochbesteuerte Anleger attraktive Steuerersparnisse. Im Jahr 2014 sind 78 % des Rürup-Beitrags steuerlich abzugsfähig, im nächsten Jahr 80 %. Gezahlte Beiträge ab 2025 können zu 100 % im Rahmen der Höchstbetragsregelung abgezogen werden. Bei einem Grenzsteuersatz von 40 % macht die Steuerersparnis beispielweise im nächsten Jahr 32 % des Rürup-Beitrags aus, 36 % im Jahr 2020 und 40 % ab 2025.

Wer die Rürup-Rente ab Anfang 2030 bezieht, muss davon zwar 90 % versteuern. In den Jahren 2015 bis 2029 hat er aber im Durchschnitt auch fast 93 % der Rürup-Beiträge steuerlich absetzen können. Hinzu kommt, dass der Grenzsteuersatz im Ruhestand typischerweise deutlich niedriger liegt als in der Beitragsphase.

Was gegen die Rürup-Rente spricht

Eine bekannte Steuersparregel lautet: Nicht nur nach Steuern steuern. Wer eine Anlageentscheidung allein unter steuerlichen Gesichtspunkten trifft und die wirtschaftlichen sowie rechtlichen Knackpunkte vernachlässigt, kann leicht Schiffbruch erleiden. Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase ist eine Rürup-Rentenversicherung vor Steuern zurzeit wenig attraktiv. Da die Versicherer mit einer extrem langen Lebenserwartung kalkulieren, fallen die garantierten Rürup-Renten recht mager aus. Die möglichen Rürup-Renten unter Einrechnung der Überschussbeteiligung stehen nur auf dem Papier. Meist wird noch mit einem laufenden Zins von 3,25 % oder mehr gerechnet.

Dabei ist aber zu beachten, dass dieser laufende Zins in den letzten Jahren ständig gesunken ist und in Zukunft möglicherweise noch weiter sinken wird. Gegen die Rürup-Rente spricht auch der Verzicht auf eine Kapitalauszahlung. Wie bei der gesetzlichen Rente handelt es sich bei der privaten Rürup-Rente um eine lebenslange Rente, die weder vererbt noch übertragen, beliehen oder veräußert werden kann. Wer eine lange Rentengarantiezeit von beispielsweise 20 Jahren vereinbart oder seinen Ehegatten beispielsweise mit 60 % Witwen- bzw. Witwerrente im Fall seines Todes finanziell absichern will, muss bei gleichen Beiträgen mit einer geringeren Rürup-Rente vorlieb nehmen.

Gesetzliche Rente schlägt Rürup-Rente in bestimmten Fällen

In bestimmten Fällen schneidet die gesetzliche Rente sogar besser ab als die Rürup-Rente. Das gilt beispielsweise für die gesetzliche Sofortrente aus einem Einmalbeitrag zwecks Vermeidung eines Rentenabschlags bei Frührenten für langjährig Versicherte nach 35 Versicherungsjahren oder einer Rentenkürzung wegen eines Versorgungsausgleichs nach der Scheidung.

Pensionsnahe und privat krankenversicherte Beamte bis Jahrgang 1964, die also heute 50 Jahre oder älter sind, fahren mit der gesetzlichen Rente fast immer besser. Bei einem Jahresbeitrag von 6.000 € über 17 Jahre liegen garantierte gesetzliche Rente inkl. 7,3 % Zuschuss zur privaten Krankenversicherung und garantierte Rürup-Rente mit monatlich 450 € beim heute 50-jährigen Beamten bereits jetzt auf gleicher Höhe. Jeder noch ältere Beamte wird mit der gesetzlichen Rente ziemlich sicher besser abschneiden.

Wer das nicht glauben mag, kann Näheres dazu dem Positionspapier Rentenplus für pensionsnahe Beamte und Pensionäre entnehmen, das unter www.joerg-masuch.de/index.php/rentenplusrechner-2014 zusammen mit einem speziellen Rentenplusrechner für Beamte downloadbar ist.

Im Gegensatz zur Rürup-Rente bietet die gesetzliche Rente immer auch eine Hinterbliebenenabsicherung (Witwen- bzw. Witwerrente, Halb- bzw. Vollwaisenerente). Die Steuerregeln bei der gesetzlichen Rente hinsichtlich steuerlicher Abzugsfähigkeit in der Beitragsphase und steuerpflichtigem Anteil in der Rentenphase sind zudem die gleichen wie bei der Rürup-Rente. Aus steuerlicher Sicht bietet die Rürup-Rente gegenüber der gesetzlichen Rente somit keinerlei Vorteile.

Der Hinweis unter www.1a-altersabsicherung.de auf eine Meldung der Bild-Zeitung vom 22.5.2014 Wahnsinn bei der gesetzlichen Rentenversicherung: Junge zahlen 77.000 € mehr als sie im Alter bekommen ist jedenfalls an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Wer mit solchen Sprüchen die Trommel für die private kapitalgedeckte Rürup-Rente rührt und die gesetzliche umlagefinanzierte Rente ins Abseits stellen will, hat nur die eigenen Geschäftsinteressen im Sinn. An einem fairen Vergleich zwischen gesetzlicher Rente und Rürup-Rente besteht dann selbstverständlich nicht das geringste Interesse.

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