Rürup-Rente oder gesetzliche Rente – was ist rentabler?

 - 

Die gesetzliche Rente schneidet in mindestens dreierlei Hinsicht besser ab als die Rürup-Rente.

Mit knapp 2 Mio. Verträgen liegt die Rürup-Rente ganz weit hinter den rund 16 Mio. Riester-Verträgen. Ende 2012 waren es noch 1,7 Mio. mit einem Zuwachs um 178.000 gegenüber 2011. Inzwischen dürfte die Anzahl von Rürup-Verträgen die Zwei-Millionen-Grenze erreicht haben.

Der reine Zahlenvergleich zwischen Rürup-Rente und Riester-Rente ist aber nicht fair. Die Riester-Rente soll den rund 30 Mio. sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern und knapp 2 Mio. Beamten sowie den mittelbar förderberechtigten Familienmitgliedern einen teilweisen Ausgleich für das ab 2002 sinkende Rentenniveau in der gesetzlichen Rentenversicherung bieten, was angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase immer schwerer wird (siehe Geldtipps Riester-Renten in der Zinsfalle vom 20.1.2015).

Die erst mit Inkrafttreten des Alterseinkünftegesetzes ab Anfang 2005 mögliche Basisrente (wegen ihres Erfinders meist Rürup-Rente genannt) soll sich insbesondere an die Selbstständigen richten, die nicht riestern dürfen und meist auch nur geringe Ansprüche auf eine gesetzliche Rente infolge einer vorhergehenden Tätigkeit als Arbeitnehmer haben. Allerdings steht die Rürup-Rente allen offen und kann auch von Arbeitnehmern und Beamten abgeschlossen werden. Riestern können nur Arbeitnehmer und Beamte, Rürupen kann aber jeder.

Ein paar Gemeinsamkeiten von Rürup-Rente und gesetzlicher Rente

Tatsächlich hat die Rürup-Rente schon von der Entstehungsgeschichte her mit der gesetzlichen Rente mehr gemeinsam als mit der Riester-Rente. Sie gehört wie die gesetzliche Rente zur Basisversorgung in der ersten Schicht der Altersvorsorge. Für die Basis- bzw. Rürup-Rente gelten die exakt gleichen Steuerregeln wie für die gesetzliche Rente, also der seit 1.1.2015 auf 22.172 bzw. 44.344 € heraufgesetzte Höchstbeitrag bei Altersvorsorgeaufwendungen für Ledige bzw. Verheiratete nach § 10 Abs. 3 EStG abzüglich des Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteils zur Sozialversicherung (maximal 13.576,20 € jährlich nach Erreichen der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung von 72.600 € im Westen).

Steuerlich abzugsfähig sind zurzeit 80 % der im Jahr 2015 geleisteten Beiträge, wobei der steuerlich abzugsfähige Anteil jährlich um zwei Prozentpunkte steigt bis auf 100 % für alle ab 2025 geleisteten Beiträge zur Rürup-Rente oder gesetzlichen Rente. Andererseits steigt der steuerpflichtige Anteil der Renten je nach Rentenbeginn von 70 % im Jahr 2015 bis auf 80 % im Jahr 2020 und dann jeweils um einen Prozentpunkt bis auf 100 % für alle Rürup-Renten und gesetzlichen Renten mit Rentenbeginn ab 2040.

Bei der Rürup-Rente gibt es wie in der gesetzlichen Rentenversicherung kein Kapitalwahlrecht. Zudem kann sie wie die gesetzliche Rente nicht vererbt, nicht verkauft, nicht übertragen und nicht beliehen werden. Eine Kündigung mit Rückkaufswert wie bei der Kapital-Lebensversicherung oder privaten Rentenversicherung ist ebenfalls nicht möglich.

Wichtige Unterschiede zwischen Rürup-Rente und gesetzlicher Rente

In der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversicherte Arbeitnehmer haben im Gegensatz zu nicht pflichtversicherten Beamten, Freiberuflern und Selbstständigen nicht die frei Wahl zwischen gesetzlicher Rente und Rürup-Rente. Sie können nur zusätzlich zur gesetzlichen Rente noch einen Vertrag über die Rürup-Rente abschließen.

Wer aber zur Gruppe der Beamten, Freiberufler und Selbstständigen gehört und nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert ist, hat die Qual der Wahl zwischen freiwilligen Beiträgen zur Rürup-Rente oder zur gesetzlichen Rente. Was besser ist, hängt von mehreren Überlegungen ab.

Die klassische Rürup-Rente ist kapitalgedeckt, ihre Höhe hängt vom Zinsniveau am Kapitalmarkt ab. Bei der aktuellen Niedrigzinsphase und einem für Neuabschlüsse ab 1.1.2015 auf 1,25 % gesunkenen Garantiezins sind die garantierten Rürup-Renten recht bescheiden. Bei heute 50-Jährigen liegt die umlagefinanzierte und von der Lohnentwicklung am Arbeitsmarkt abhängige gesetzliche Rente im Vergleich dazu bereits höher, sofern die bis Jahrgang 1965 geborenen Beamten, Freiberufler oder Selbstständigen privat krankenversichert sind.

Im 1. Musterfall (geboren 1.2.1965, Jahresbeitrag 6.000 € über 17 Jahre bis zum Rentenbeginn mit 67 ab 1.2.2032) macht die garantierte Rürup-Rente bei den kostengünstigen Direktversicherern Hannoversche Leben, Cosmos und HUK 24 zwischen 386 € und 399 € pro Monat aus. Die garantierte gesetzliche Rente liegt aber bereits bei 415 € monatlich brutto, sofern man den Zuschuss zur privaten Krankenversicherung in Höhe von 7,3 % der Bruttorente noch gar nicht berücksichtigt. Schon ohne diesen Zuschuss wäre die gesetzliche Rente der Rürup-Rente überlegen.

Bei andauernden Mini-Zinsen am Kapitalmarkt und ansehnlichen Lohnsteigerungen am Arbeitsmarkt werden auch die möglichen gesetzlichen Renten für die Jahrgänge bis 1965 höher ausfallen als die prognostizierten Rürup-Renten.

Für die gesetzliche Rente spricht zudem, dass sie neben der reinen Altersrente automatisch noch den Anspruch auf eine Hinterbliebenen- und Erwerbsunfähigkeitsrente enthält. Wer beim klassischen Rürup-Vertrag noch zusätzlich eine Hinterbliebenenabsicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einschließen will, zahlt einen höheren Beitrag oder erhält bei gleichem Beitrag eine entsprechend niedrigere Rente.

Je jünger der Versicherte, desto eher schlägt die Rürup-Rente jedoch die gesetzliche Rente. Dies liegt am Zinseszinseffekt, den es in der gesetzlichen Rentenversicherung naturgemäß gar nicht geben kann.

Im 2. Musterfall (geboren 1.2.1975, Jahresbeitrag über 27 Jahre bis zum Rentenbeginn mit 67 ab. 1.2.2042) machen die garantierten Rürup-Renten immerhin zwischen monatlich 624 € und 643 € bei den Direktversicherern Hannoversche Leben, Cosmos und HUK 24 aus. Die garantierte gesetzliche Rente in Höhe von rund 638 € hält da gerade noch mit.

Erst im 3. Musterfall (geboren 1.2.1985, Jahresbeitrag über 37 Jahre bis zum Rentenbeginn mit 67 ab 1.2.2052) hat die garantierte Rürup-Rente mit monatlich 870 € bis 894 € bei den drei genannten Direktversichern die Nase vorn, da die garantierte gesetzliche Rente bei nur rund 860 € liegt.

Fazit: Je älter (zum Beispiel 50 Jahre und mehr), desto besser ist die gesetzliche Rente aus freiwilligen Beiträgen für nicht pflichtversicherte Beamte, Freiberufler oder Selbstständige. Bei jüngeren Nicht-Pflichtversicherten im Alter von 40 Jahren und weniger schneidet die Rürup-Rente indes besser ab als die gesetzliche Rente. Bei den über 40-Jährigen und unter 50-Jährigen liegen die von kostengünstigen Direktversicherern garantierte Rürup-Rente und garantierte gesetzliche Rente in etwa auf gleicher Höhe.

Treffen Sie Ihre Entscheidung für freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rente oder Rürup-Rente grundsätzlich nicht nur unter steuerlichen Gesichtspunkten, da sich die allgemeinen und persönlichen Steuerverhältnisse im Laufe der Zeit ändern können. Entscheiden Sie sich, falls Sie die Wahl zwischen Rürup-Rente und gesetzlicher Rente haben und bereits 50 Jahre oder älter sind, für freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rente. Das gilt insbesondere für den Fall, dass Sie später im Ruhestand privat krankenversichert sind. Die gesetzliche Rente inkl. 7,3 % Zuschuss zur privaten Krankenversicherung ist der Rürup-Rente in diesem Fall (nicht pflichtversicherte Jahrgänge bis 1965 mit privater Krankenversicherung) haushoch überlegen und deutlich rentabler. Dies gilt ganz besonders für Sofortrenten aus Einmalbeiträgen (siehe Geldtipps Sofortrenten im freien Fall – doch es gibt lohnende Alternativen vom 14.1.2015).

Weitere News zum Thema

  • Seit 1.1.2017: Selbstständige sparen mehr Steuern mit der Altersvorsorge

    [] (verpd) Wer als Selbstständiger, Freiberufler, Arbeitnehmer oder Beamter eine staatlich geförderte Altersvorsorge in Form eines Basis- beziehungsweise Rürup-Rentenvertrags nutzt, kann die Prämien zu einem bestimmten Anteil steuerlich geltend machen und so Steuern sparen. Seit dem 1.1.2017 ist der steuerlich absetzbare Prämienanteil im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. mehr

  • Basis-Rente: Staatlich gesponserte Altersvorsorge für Selbstständige

    [] (verpd) Besonders Selbstständige und Freiberufler müssen sich selbst um ihre finanzielle Absicherung im Alter kümmern. Da die meisten der aktuell rund 4,3 Millionen selbstständig oder freiberuflich Tätigen weder gesetzlich rentenversicherungspflichtig sind noch freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, erhalten sie auch keine gesetzliche Altersrente. Und selbst bei denen, die einen Anspruch darauf haben, ist dies nur eine Teilabsicherung. Wer als Selbstständiger oder Freiberufler für das Alter vorsorgt, wird unter Umständen dabei vom Staat finanziell gefördert. mehr

  • Selbstständige: Bessere Altersvorsorge – weniger Steuern

    [] (verpd) Die meisten Selbstständigen oder Freiberufler sind nicht gesetzlich rentenversicherungspflichtig und haben deswegen keinen direkten Anspruch auf staatlich geförderte Altersvorsorge in Form eines Riester-Rentenvertrags. Allerdings gibt es für sie eine andere Form, mit staatlicher Hilfe für das Alter vorzusorgen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.