Zwölf Jahre Riester-Rente: keine Erfolgsgeschichte

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Die ersten Riester-Rentner sind enttäuscht. Vor allem die extrem hohen Abschluss- und Verwaltungskosten schmälern ihre Rente.

Nach gut 12 Jahren werden nun die ersten Riester-Renten tatsächlich ausgezahlt. 1,4 Millionen Bundesbürger hatten zu Beginn dieser staatlich geförderten Rente Anfang 2002 eine Riester-Rentenversicherung abgeschlossen. Bis Ende 2002 kamen rund drei Millionen dazu.

Wenn schätzungsweise 20 Prozent der Früheinsteiger erstmalig eine Riester-Rente im Jahr 2014 erhalten, werden die 280.000 Riester-Sparer der ersten Stunde über deren Höhe mehr oder minder ernüchtert sein. Die Bundesregierung schätzt die Riester-Rente im Jahr 2014 auf monatlich 61 € in ihren jährlichen Rentenversicherungsberichten.

Der aktuelle Rentenversicherungsbericht 2014 wird am Mittwoch, dem 17.11.2014, im Bundeskabinett beraten und bis spätestens Ende November veröffentlicht. Darin wird wie bisher vorausgesetzt, dass der Riester-Sparer von Anfang 2002 bis Ende 2013 immer vier Prozent seines Durchschnittsverdiensts abzüglich der Grundzulage von jährlich 154 € investiert hat.

Auf diese Weise hat er über zwölf Jahre insgesamt 9.600 € Eigenbeitrag aufgebracht. Zusammen mit den Zulagen von 1.386 € liegt das Riester-Kapital nach zwölf Jahren bei rund 11.000 €. Dieses Riester-Kapital einschließlich Zulagen soll auf rund 13.000 € steigen, wenn man die Annahmen der Bundesregierung (Verzinsung 4 Prozent des jeweils angesammelten Kapitals sowie Abschluss- und Verwaltungskosten von 10 Prozent der Beiträge) zugrunde legt.

Daraus soll dann lebenslang eine monatlich gleichbleibende Riester-Rente von brutto 61 € fließen, wobei die Dynamik über jährliche Rentensteigerungen bereits eingerechnet ist.

Zweifel an hoher Verzinsung und niedrigen Kosten

Der Sozialbeirat der Bundesregierung zweifelte aber bereits in seinem Gutachten zum Rentenversicherungsbericht 2012 die vergleichsweise hohe Grundverzinsung von vier Prozent und die relativ niedrigen Abschluss- und Verwaltungskosten von zehn Prozent der Beitragssumme an.

Bei Annahme einer geringeren Verzinsung von drei Prozent und auf 20 Prozent der Beiträge steigenden Kosten (siehe Ziffern 95 und 96 im Gutachten des Sozialbeirats von 2012) wird das Riester-Kapital nach 12 Jahren nur bei rund 12.300 € liegen.

Gerade einmal 12.400 € Riester-Kapital und eine monatliche Riester-Rente von monatlich 52 € brutto kommen heraus, wenn man den bei Abschluss des Riester-Vertrages Anfang 2002 geltenden Garantiezins von 3,25 % und Kosten von 20 % der Beiträge zugrunde legt.

Besteuerung der Riester-Rente

Bereits der vielzitierte Eckrentner, der nach 45 Jahren Durchschnittsverdienst im Jahr 2014 in Rente geht und dann eine monatliche gesetzliche Rente von 1.287 € brutto erhält, wächst erstmalig in die Rentenbesteuerung hinein und muss 56 € jährlich an Steuern zahlen.

Bei einer zusätzlichen Riester-Rente von optimistisch gerechneten 732 € brutto im Jahr (= 61 € x 12 Monate) zahlt er aber 113 € mehr an Steuern pro Jahr. Die Riester-Rente macht dann netto 619 € bzw. knapp 52 € aus.

Noch weniger wären es, wenn es sich um eine betriebliche Riester-Rente handeln würde oder wenn der Riester-Rentner nur freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert wäre. In diesem Falle müsste noch eine hohe Beitragsbelastung zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung von bis zu 17,8 Prozent von der Riester-Rente abgezogen werden.

Rendite der Riester-Rente

Die Rendite der Riester-Rente fällt auch vor Steuern und eventuellen Sozialabgaben nach zwölf Jahren recht bescheiden aus. Bei einer Rentenlaufzeit von 20 Jahren mit einer jährlich konstanten Riester-Rente von 732 € brutto kommen gerade einmal zwei Prozent jährliche Rendite vor Steuern auf die gezahlten Beiträge heraus.

Bei 15 Jahren Rente liegt die Rendite gar nur bei ein Prozent pro Jahr. Erst bei einer Rentendauer von 20 Jahren ist eine jährlichen Rendite von drei Prozent und mehr zu erwarten.

Riester-Rente erhöht nur wenig das Rentenniveau

Die im Jahr 2002 eingeführte Riester-Rente sollte die Senkung des Rentenniveaus in der gesetzlichen Rentenversicherung nahezu vollständig kompensieren. Dieses Ziel ist aber bereits nach zwölf Jahren Riester-Rente nicht mehr realisierbar.

Im Jahr 2002 lag das Bruttorentenniveau, also die Eck- bzw. Standardrente in Prozent des Durchschnittsverdiensts, noch bei 48,8 Prozent. Im Jahr 2014 werden es nur noch 44,3 Prozent sein. Also fehlen 4,5 Prozentpunkte.

Die auf 61 € brutto pro Monat geschätzte Riester-Rente bringt aber nur 2,1 Prozent des Durchschnittsverdiensts, sodass nur ein Versorgungsniveau für gesetzliche Rente und Riester-Rente von insgesamt 46,4 Prozent erreicht wird. Also fehlen immer noch 2,4 Prozentpunkte gegenüber den 48,8 Prozent im Jahr 2002.

Noch schlechter sieht es beim Nettorentenniveau nach Steuern, also bei der Nettorente nach Abgaben und Steuern in Prozent des letzten Nettogehalts, aus. Dieses mit Abstand am aussagekräftigsten Rentenniveau (nicht zu verwechseln mit dem sogenannten Sicherungsniveau bzw. Nettorentenniveau vor Steuern, das die Bundesregierung seit 2005 ermitteln lässt) lag vor Einführung der Riester-Rente noch bei rund 70 Prozent.

Im Jahr 2014 ist das Nettorentenniveau nach Steuern bei der gesetzlichen Rente aber bereits auf 63,2 Prozent gesunken. Auch unter Einrechnung der Riester-Rente steigt dieses Niveau nur auf 66 Prozent. Also hat sich das Versorgungsniveau gegenüber 2002 sogar um vier Prozentpunkte vermindert.

Die Riester-Rente hat sich somit schon heute nicht als die Erfolgsgeschichte erwiesen, wie sie vom ehemaligen Bundesarbeitsminister Walter Riester sowie den Professoren Bert Rürup und Bernd Raffelhüschen immer noch dargestellt wird.

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