Von der Rente zur Rendite: Wann sich Riester-Rente und gesetzliche Rente wirklich lohnen

 - 

Sie lohnt sich, sie lohnt sich nicht, sie lohnt sich doch... Die Rede ist von der Riester-Rente.

Je nachdem, wer eine entsprechende Studie in Auftrag gibt und welche Berechnungsmethode die Autoren der Studie anwenden, fallen die Studienergebnisse völlig unterschiedlich aus. Ähnliches gilt auch für die Frage, ob und für wen sich die gesetzliche Rente lohnt.

Netto-Riester-Renditen laut Studie der Deutschen Rentenversicherung

Zwei Forscher der Deutschen Rentenversicherung (DRV) – Versicherungsmathematiker Maik Wels und Ökonom Christian Riekhoff – haben die Riester-Rente in einer aktuellen Studie mit dem plakativen Titel Bringt's noch was? Die Netto-Rendite einer Riester-Rentenversicherung aus Anlegersicht endlich aus mathematisch-ökonomischer Sicht auf den richtigen Prüfstand gestellt und erstmals Renditen unter Berücksichtigung der Riester-Zulagen und evtl. zusätzlichen Steuerersparnisse in der Beitragsphase sowie der Steuerzahlungen in der Rentenphase berechnet.

Die bisher ermittelten niedrigen Bruttorenditen für die Beitrags- und Rentenphase in einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung und in der Zeitschrift Ökotest bemängeln Wels/Rieckhoff ebenso wie die viel zu hohen Bruttorenditen laut ITA (Institut für Transparenz), Zeitschrift Guter Rat und Internetplattform Finanztip, die sich nur auf das Ende der Ansparphase beziehen und die Rentenphase völlig außer acht lassen.

Mit echten Renditen für Riester-Renten hat das aber nichts zu tun (siehe Die Mär von den hohen Riester-Renditen in Geldtipps vom 8.12.2014).

Auch die jüngste Studie des DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung), wonach vor allem Besserverdiener von der Riester-Rente profitieren, geht nur auf die Ansparphase ein.

Letztlich kommt es für die künftigen Riester-Rentner darauf an, was netto unter der Berücksichtigung der Lebenserwartung laut Statistischem Bundesamt herauskommt. Für alleinstehende Durchschnittsverdiener ohne Kinder liegt die garantierte Netto-Riester-Rendite laut DRV-Studie nur bei durchschnittlich 0,9 % für Männer und wegen der längeren Lebenserwartung bei 1,5 % für Frauen, sofern der Neuabschluss einer Riester-Versicherung ab 2015 mit einem Garantiezins von 1,25 % erfolgt.

Die mögliche Netto-Riester-Rendite für Durchschnittsverdiener (alleinstehend, ohne Kind) steigt bei Annahme einer laufenden Verzinsung von 3,25 % bei Männern auf 2,7 % und bei Frauen auf 3,2 %. Bei allen Berechnungen der DRV für ein Eintrittsalter von 20, 30, 40 oder 50 Jahren wurden der Rentenbeginn mit 67 Jahren, die niedrige Kostenstruktur eines führenden deutschen Direktversicherers (einmalige Abschlusskosten 1 % der Eigenbeiträge sowie laufende Verwaltungskosten von 2,1 % auf die Eigenbeiträge, 6 % auf die Zulagen und 1,5 % auf die Renten) sowie die Generationensterbetafeln des Statistischen Bundesamts zugrunde gelegt.

Die Netto-Riester-Renditen für Frauen, Familien mit Kindern und Geringverdiener liegen höher. Beispielsweise kommt eine Frau mit drei Kindern und einem Eintrittsalter von 30 Jahren auf eine garantierte Rendite von 2,6 % und eine mögliche Rendite von sogar 4,5 % netto, sofern sie Durchschnittsverdienerin ist. Für Familien mit drei Kindern und geringem Einkommen liegen die Netto-Riester-Renditen noch höher. Die Gründe für diese deutlich höheren Renditen liegen auf der Hand: Höhere Lebenserwartung für Frauen, zusätzliche Kinderzulagen für Familien mit Kindern und Mindesteigenbeitrag von nur 60 € im Jahr für Geringverdiener.

Rendite ist aber nicht alles. Die DRV-Forscher weisen ausdrücklich darauf hin, dass hohe Renditen mit einer so niedrigen Rentenhöhe einhergehen können, so dass sich eine magere Riester-Rente von unter 100 € bei einem hohen Eintrittsalter von 50 Jahren gar nicht lohnt. Für Geringverdiener mit Kindern bringt eine relativ hohe Riester-Rendite in Prozent gar nichts, falls die Riester-Rente auf die Grundsicherung angerechnet wird.

Daher sind die von der DRV angegebenen Netto-Riester-Renditen für Durchschnittsverdiener ohne Kinder für einen Vergleich mit Netto-Renditen bei der gesetzlichen Rente oder anderen kapitalgedeckten Renten (Rürup-Rente oder Privatrente aus der privaten Rentenversicherung) besser geeignet

Netto-Renditen der gesetzlichen Rente aus Pflichtbeiträgen bei 2 bis 3 Prozent

Axel Reimann, Präsident der Deutschen Rentenversicherung (DRV), gibt die Rendite der gesetzlichen Rente gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung mit 2 bis 3 % an. Damit kann nur die Nettorendite aus Pflichtbeiträgen gemeint sein, da die DRV in ihrer aktuellen Broschüre zur Rendite der gesetzlichen Rente je nach Geburtsjahrgang noch Bruttorenditen zwischen 3 bis 3,2 % für alleinstehenden Männern und 3,4 bis 3,8 % bei Frauen angibt.

Die Stiftung Warentest hatte bereits 2006 beispielsweise für den Jahrgang 1965 Bruttorenditen von lediglich 1,7 % für Männer und 2,2 % für Frauen errechnet und dabei wie die DRV 80 % des Gesamtbeitrags zugrunde gelegt. Die restlichen 20 % des Gesamtbeitrags entfallen laut DRV erfahrungsgemäß nicht auf die Finanzierung der Altersrenten, sondern der Hinterbliebenen- und Erwerbsminderungsrenten sowie Rehabilitationsleistungen. Im Jahr 2006 rechnete die Stiftung Warentest darüber hinaus mit aus heutiger Sicht sehr vorsichtigen Annahmen hinsichtlich der Lohnsteigerungen von nur 1,5 % pro Jahr ab 2010 sowie Rentensteigerungen von 0,5 % in 2015 und 2016 und jährlich 1 % ab 2017.

Die Nettorendite auf den Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung (50 % des Gesamtbeitrags) für den Jahrgang 1965 lag laut Stiftung Warentest trotz Annahme von moderaten Lohn- und Rentensteigerungen bei noch relativ hohen 3,1 % für Männer und 3,6 % für Frauen. Dabei wurde unterstellt, dass der Grenzsteuersatz von 30 % in der aktiven Berufsphase auf 20 % in der Rentenphase sinken würde.

Nach Veröffentlichung der DRV-Studie über die Netto-Riester-Rendite wäre es wünschenswert, wenn die Deutsche Rentenversicherung oder die Stiftung Warentest demnächst auch aktualisierte Berechnungen zur Nettorendite der gesetzlichen Rente aus Pflichtbeiträgen vorlegen würden.

Netto-Renditen der gesetzlichen Rente aus freiwilligen Beiträgen

Völlig anders stellt sich die Nettorendite aus freiwilligen Beiträgen dar. Seit einer Gesetzesänderung im August 2010 können sich alle nicht pflichtversicherten Beamten, Freiberufler und Selbstständige in der gesetzlichen Rentenversicherung freiwillig versichern. Sofern sie bei Erreichen der Regelaltersgrenze privat krankenversichert sind, erhalten sie noch einen Zuschlag zu ihrer privaten Krankenversicherung in Höhe von 7,3 % der gesetzlichen Rente. Dies hebt die Rendite von freiwilligen Beiträgen insbesondere für die Jahrgänge bis 1965 spürbar an. Freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rente sind somit insbesondere für privat krankenversicherte Beamte, Freiberufler und Selbstständige aus der Gruppe 50plus geeignet.

Nach Werner Siepe, Versorgungsberater im öffentlichen Dienst, können heute 50-jährige ledige Beamte ab 2032 mit einer garantierten gesetzlichen Rente von monatlich 454 € einschließlich 7,3 % Zuschuss zu ihrer privaten Krankenversicherung rechnen, wenn sie 17 Jahre lang freiwillige Beiträge von 7.000 € pro Jahr in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.

Ihre garantierte Netto-Rendite aus freiwilligen Beiträgen zur gesetzlichen Rente liegt bei 1,1 % pro Jahr, sofern sie ein zu versteuerndes Einkommen von 50.000 € in der Beitragsphase und von 33.000 € in der Pensionsphase haben. Dabei wird angenommen, dass sie nach Erreichen der Regelaltersgrenze von 67 Jahren noch eine mittlere Pensions- und Rentenlaufzeit von 20 Jahren erleben. Die mögliche Netto-Rendite bei Annahme einer jährlichen Rentensteigerung von 2,5 % steigt auf ansehnliche 3 %.

Sogar Netto-Renditen von garantierten 1,4 % und möglichen 3,2 % können heute 56-jährige Beamte bei 10 freiwilligen Jahresbeiträgen von 6.000 € erzielen. Ihre garantierte gesetzliche Rente vor Steuern liegt bei 278 € und die mögliche bei 314 €.

Mit Netto-Renditen zwischen über 1 % bei der garantierten und über 3 % bei der möglichen gesetzlichen Rente können pensionsnahe Beamte sowohl die Riester-Rente als auch eine vergleichbare Rürup-Rente schlagen. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass in der gesetzlichen Rente im Gegensatz zur Riester-Rente und Rürup-Rente noch ein Anspruch auf Hinterbliebenenrente enthalten ist.

Wer bereits über 65 Jahre alt ist und seit Anfang 2015 eine Beamtenpension oder als Freiberufler eine Rente aus dem berufsständischen Versorgungswerk (zum Beispiel Apothekerrente) bezieht, kann sogar eine gesetzliche Sofortrente gegen einen Nachzahlungsbetrag nach § 282 Absatz 2 SGB VI erhalten. Sofern dieser Neupensionär bzw. Neurentner vorher noch nie Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hatte, kann er nun nach Erreichen der für den Jahrgang 1949 geltenden Regelaltersgrenze von 65 Jahren und 3 Monaten freiwillige Beiträge für fünf Jahre auf einen Schlag einzahlen.

Bei einem Nachzahlungsbetrag von beispielsweise 30.000 € erhält er sofort eine garantierte gesetzliche Rente von monatlich 144 € einschließlich 7,3 % Zuschuss zur privaten Krankenversicherung. Schon die garantierte Bruttorendite dieser gesetzlichen Sofortrente liegt bei 1,5 %. Bei einer Rentensteigerung von 2,5 % pro Jahr ist nach einer 20-jährigen Rentendauer eine Bruttorendite von 3,3 % möglich.

Nachzahlungsbeträge für pensionierte Beamte und Freiberufler mit berufsständischer Rente sind allerdings nur noch für Jahrgänge bis 1950 möglich. Der entsprechende Antrag kann nur noch bis zum 31.12.2015 gestellt werden. Insofern handelt es sich bei dieser attraktiven gesetzlichen Sofortrente um ein Auslaufmodell.

Um den Nachzahlungsbetrag von 24.000 € gleich 80 % von 30.000 € im Jahr 2015 auch steuerlich voll auszuschöpfen zu können, muss der Pensionär zudem verheiratet sein und nach der Splittingtabelle für zusammenveranlagte Eheleute besteuert werden. Das zu versteuernde Einkommen vor Abzug der 24.000 € müsste bei mindestens 41.000 € liegen, so dass in diesem Fall die gesamte in 2015 gezahlte Einkommensteuer in Höhe von rund 5.800 € oder 24 % des Nachzahlungsbetrags von 24.000 € erstattet werden könnte.

Eine von der steuerlichen Seite her vergleichbare garantierte Rürup-Sofortrente des kostengünstigen Direktversicherers Europa würde nur brutto 107 € im Monat ausmachen. Die garantierte Bruttorendite wäre sogar negativ. Die dynamische Rürup-Sofortrente mit einer jährlichen Rentensteigerung von 3 % würde gerade einmal eine Bruttorendite von 1,4 % pro Jahr ermöglichen. Zumindest für den Vergleich der Sofortrenten gegen Nachzahlungs- bzw. Einmalbeitrag gilt also: gesetzliche Rente schlägt Rürup-Rente.

Zahlreiche geldwerte Tipps zu allen Möglichkeiten der Altersvorsorge enthält unser aktueller Finanzratgeber Ruhestandsplanung .

Weitere News zum Thema

  • Immer mehr schließen einen Riester-Vertrag ab

    [] (verpd) Wie aus den vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales vor Kurzem veröffentlichten Zahlen ersichtlich wird, ist der Bestand an Riester-Rentenverträgen seit Einführung im Jahre 2002 bis Ende 2016 ständig gestiegen. Aktuell haben über 16,5 Millionen Bürger einen bestehenden Riester-Vertrag. mehr

  • Riester-Rente auch für Studenten und Hausfrauen möglich

    [] Anspruch auf eine staatlich geförderte Altersvorsorge haben bei der Riester-Rente alle rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer und deren Ehepartner. Auch Studenten und Hausfrauen können in den Genuss dieser Förderung kommen, wenn sie einen Minijob ausüben und 3,7 Prozent Rentenbeitrag zahlen. Das lohnt sich insbesondere dann, wenn Kinderzulagen fließen. mehr

  • Jeder dritte Arbeitnehmer riestert

    [] (verpd) Dass man mit der gesetzlichen Rente alleine seinen Lebensstandard im Alter nicht halten kann, ist mittlerweile vielen bewusst. So setzt rund ein Drittel der in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversicherten Erwerbstätigen zwischen dem 25. bis unter 65. Lebensjahr auf eine staatlich geförderte Altersvorsorge in Form einer Riester-Rente. Das belegt eine jüngst veröffentlichte Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. mehr

  • Die Angst vor Altersarmut ist gestiegen

    [] (verpd) Eine repräsentative Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge zeigt, dass drei Viertel der Deutschen befürchten, ihren Lebensstil im Alter nicht fortführen zu können. Doch so manche haben bereits entsprechend vorgesorgt und sehen damit dem Rentenalter optimistisch entgegen. mehr

  • Seit 1.1.2017: Produktinformationen zur Riester-Rente

    [] Damit Kunden nun Angebote besser vergleichen können, erhalten sie ein Produktinformationsblatt. Es umfasst bis zu drei Seiten und ermöglicht einen Überblick über die Kosten, die Chance-Risiko-Klasse und eine prognostiziere Rendite-Entwicklung. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.