Über 70 Prozent der Riester-Verträge in der Zinsfalle

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Noch in der Finanztest-Ausgabe 11/2013 wurden Riester-Banksparpläne als heimliche Favoriten vor allem für ältere Sparer genannt, die nur noch 10 bis 15 Jahre bis zur Rente vor sich haben. Gestern meldete Finanztest jedoch: Riester-Rente: Minizinsen belasten Sparer.

Der Grund liegt in der auf nur noch 0,35 % gesunkenen Umlaufrendite, also der durchschnittlichen Rendite aller umlaufenden Bundesanleihen. Die von Volks- und Raiffeisenbanken angebotenen Riester-Banksparpläne gehen meist von der Zins-Messlatte Umlaufrendite minus ein halber Prozentpunkt aus. Vor einem Jahr lagen diese Umlaufrendite noch bei 1,5 % und der Zins nach Abzug von einem halben Prozentpunkt immerhin noch bei 1 %.

Riester-Banksparpläne: Minizins von 0,5 % oder gar Negativzinsen

Doch diese Zeiten sind angesichts der rasant sinkenden Zinsen vorbei. Wenn man von der aktuellen Umlaufrendite von 0,35 % noch den vereinbarten halben Prozentpunkt abzieht, landet man bereits bei einem Negativzins von 0,15 %. Riester-Sparer mit einem Banksparplan bei der Volksbank Gronau-Ahaus können sich noch glücklich schätzen, da diese Bank zumindest einen – positiven – Mindestzins von 0,5 % garantiert. Bei einer Vertragsdauer von 10 Jahren und dem höchstmöglichen Jahresbeitrag von 2.100 € inklusive Zulagen kämen so allerdings auch nur insgesamt rund 530 € an Zinsen zusammen, sofern der tatsächliche Zinssatz über die gesamte Laufzeit diesen Minizins von 0,5 % nicht überschreitet.

Wer 15 Jahre lang 2.100 € inklusive Zulagen investiert, kann bei einem gleichbleibenden Zinssatz von 0,5 % noch mit rund 1.200 € an Zinsen rechnen. Ein Neuabschluss ist aber auch dann kaum noch zu empfehlen. Der Vertragsbestand für Riester-Banksparpläne geht bereits seit Mitte 2014 zurück auf nur noch rund 800.000 Verträge Ende September 2014. Nur 5 % aller Riester-Verträge sind Banksparpläne.

Riester-Versicherungen: Garantiezins nur noch bei 1,25 % ab 2015

Der Bestand an Riester-Versicherungen liegt zwar noch bei knapp 11 Mio. und somit bei rund zwei Drittel aller insgesamt 16 Mio. Riester-Verträge, er geht aber bereits seit 2013 kontinuierlich zurück.

Neuabschlüsse von Riester-Versicherungen ab 2015 machen bei einem auf 1,25 % gesunkenen Garantiezins wenig Sinn, da die Garantiezinsen von den Abschluss- und Verwaltungskosten vollständig aufgezehrt werden und am Ende der Laufzeit nur noch ein garantiertes Riester-Kapital in Höhe der Beitragssumme übrigbleibt.

Beispiel: Wer als heute 55-Jähriger bei der Allianz eine klassische Riester-Rentenversicherung abschließt und bis zum 65. Lebensjahr jährlich 2.100 € inklusive Zulagen einzahlt, muss mit dem Riester-Garantiekapital von 21.000 € vorlieb nehmen. Die Garantiezinsen in Höhe von 1.360 € gehen vollständig für die Abschluss- und Verwaltungskosten drauf.

Einige Versicherer haben ab 2015 auch das Höchsteintrittsalter bei klassischen Riester-Rentenversicherungen gesenkt auf beispielsweise 52 Jahre wie Ergo Leben oder gar auf 50 Jahre wie Cosmos Direkt. Je kürzer die Beitragsdauer bis zum frühestmöglichen Rentenbeginn mit 62 Jahren, desto weniger kommt der Zinseszinseffekt zum Zuge. Daher wird es für einige Versicherer immer schwerer, auch bei kurzen Beitragslaufzeiten von nur sieben bis zwölf Jahren noch das garantierte Riester-Kapital aus Beiträgen und Zulagen sicherzustellen.

Drei Schweizer Versicherer – Swiss Life, Helvetia und Basler – haben sich inzwischen ganz aus dem für sie wenig lukrativen Geschäft mit Riester-Rentenversicherungen zurückgezogen.

Riester-Fondssparpläne: Ausweg mit Fragezeichen

Knapp 20 % aller Riester-Verträge sind Fondssparpläne. Von den rund 3 Mio. entfallen allein 60 % und damit 1,8 Mio. auf die Fondsgesellschaft Union Investment, die ihre Fondssparpläne UniProfiRente und UniProfiRenteSelect exklusiv über die Vertriebskanäle Raiffeisen- und Volksbanken, Spar- und Darlehenskassen, Bausparkasse Schwäbisch Hall, BBBank in Karlsruhe, dbb Vorsorgewerk des Deutschen Beamtenbundes und Das RentenPlus des Deutschen Gewerkschaftsbundes anbietet.

Doch insbesondere Riester-Fondssparpläne der UniProfiRente waren in der Vergangenheit oft nicht das Gelbe vom Ei (siehe Geldtipps vom 12.12.2014 Böses Erwachen: Riester-Fondssparpläne halten nicht, was sie versprechen, 15.12.2014 Fakten-Check zum Riester-Fondssparplan UniProfiRente und vom 17.12.2014 Riester-Bluff: Wie Union Investment ihre UniProfiRente schönrechnet ).

Wann und wie sich der aktuelle Kursanstieg an den Aktienbörsen bei den künftigen UniProfiRentnern bezahlt macht, ist eine zumindest offene Frage. Sofern sie bereits älter sind und ihre angelegten Gelder vollständig von Aktienfonds in Rentenfonds umgeschichtet wurden, haben sie nichts davon.

Wohn-Riester: Boom mit Ansage

Seit Anfang 2014 haben sich die Möglichkeiten für Wohn-Riester-Sparer nochmals ganz erheblich verbessert. Sie können nun einen bereits bestehenden Riester-Vertrag jederzeit für die Entschuldung ihres Eigenheims einsetzen, sofern das angesparte Riester-Kapital mindestens 3.000 € ausmacht.

Bei einer Anschlussfinanzierung kann der Selbstnutzer eines Einfamilienhauses oder einer Eigentumswohnung auf ein spezielles Riester-Darlehen umsteigen, bei dem die Tilgung quasi per jährlichem Riester-Beitrag von maximal 2.100 € oder gar 4.200 € bei einem Arbeitnehmer-Ehepaar erfolgt.

Wer den Traum vom Eigenheim erstmals in die Tat umsetzen will, kann das angesparte Riester-Guthaben als Eigenkapital für den Bau oder Kauf der eigenen vier Wände verwenden und zusätzlich noch ein zinsgünstiges Riester-Darlehen nutzen.

Daher nimmt es kein Wunder, dass die Anzahl der Wohn-Riester-Verträge deutlich steigt und mittlerweile bei über 1,3 Mio. bzw. über 8 % aller Verträge angekommen ist. Ein Ende des Booms mit Wohn-Riester ist angesichts der extrem niedrigen Hypothekenzinsen und der steigenden Eigenheim-Nachfrage von Bauherren und Käufern nicht in Sicht.

Nutzen Sie die vielfältigen Möglichkeiten des Wohn-Riester-Sparens. Wenn Sie bereits einen Riester-Vertrag haben und ein Eigenheim bauen oder kaufen wollen, nehmen Sie das angesparte Riester-Guthaben als Eigenkapital zur Finanzierung der eigenen vier Wände. Nehmen Sie zusätzlich ein Wohn-Riester-Darlehen auf, sofern der Baugeldzinssatz nicht höher ist als bei nicht geförderten Hypothekendarlehen. Bei einer Anschlussfinanzierung für ein bereits bestehendes Eigenheim können Sie Wohn-Riester für die schnellere Entschuldung einsetzen. In Höhe der ersparten Baugeldzinsen erwirtschaften Sie eine echte Tilgungsrendite. Sie erhalten zwar keine zusätzliche Riester-Geldrente, bewohnen aber ein miet- und schuldenfreies Eigenheim, und zwar bereits vor Ihrem Renteneintritt.

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