Riestern lohnt sich lediglich für Familien

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Ein Riester-Vertrag erzielt zwar immer eine Förderquote von mindestens 7 % der eingezahlten Beiträge, doch am Ende lauert der Fiskus. Deshalb sollte man ihn beitragsfreistellen, wenn keine Kinderzulagen mehr fließen.

Bei einem Riester-Vertrag geht es um vergleichsweise niedrige Beiträge und geringe Rentenauszahlungen. Doch, wie der Volksmund weiß: Auch "Kleinvieh macht Mist" und der ist Dank staatlicher Förderung gar nicht zu verachten – aber nur dann, solange man auch mindestens eine Kinderzulage erhält.

Nehmen wir als Beispiel einen jungen Angestellten, der monatlich 4.375 € verdient. Das ergibt im Jahr einen rentenversicherungspflichtigen Bruttoverdienst von 52.500 €. Um in den Genuss der Riester-Förderung von 154 € zu kommen, muss er pro Jahr 1.946 € einzahlen. Zusammen sind das 2.100 €. Die Förderquote in Bezug auf den Eigenbeitrag liegt bei 7,9 %.

Bei einem hohen Steuersatz kann sich zusätzlich eine Steuerersparnis ergeben. Dazu ist Anlage R auszufüllen.

Lernt dieser junge Mann seine Frau fürs Leben kennen und gibt diese ihren Beruf vorübergehend auf, weil sie sich um die werdende Familie kümmern will, erhält sie für 60 € Eigenanteil einen Anspruch auf weitere 154 € Förderung. Damit steigt die Förderquote auf 16,6 % (308 € Förderung für 1.852 € Eigenbeitrag).

Für jedes Kind, das die junge Familie bekommt, steigt die Zulage um 300 €. Da der einzuzahlende Eigenbeitrag jeweils um 300 € sinkt, steigt die Förderquote beim ersten Kind auf 39,2 %, beim zweiten auf 72,5 %, beim dritten auf 127 % und beim vierten auf 231 %.

Gesamtbeitrag

Eigenbeitrag

Zulage

Förderquote

Single

2.100 €

1.946 €

154 €

7,9 %

Ehepaar

2.160 €

1.852 €

308 €

16,6 %

Ehepaar, 1 Kind

2.160 €

1.552 €

608 €

39,2 %

Ehepaar, 2 Kinder

2.160 €

1.252 €

908 €

72,5 %

Ehepaar, 3 Kinder

2.160 €

952 €

1.208 €

127 %

Ehepaar, 4 Kinder

2.160 €

652 €

1.508 €

231 %

Nimmt die junge Mutter ihre Berufstätigkeit wieder auf, wenn die Kinder ins Kindergartenalter kommen, und verdient sie mehr als 18.000 € im Jahr, muss sie entsprechend ihrem jeweiligen Vorjahresbruttogehalt einen höheren Eigenbeitrag einzahlen, und zwar 4 % bis maximal 2.100 € abzüglich Zulagen. Dadurch sinkt die Förderquote.

Die 300 € Kinderzulage für jedes Kind entfallen, sobald kein Anspruch mehr auf Kindergeld besteht. Dann ist der Eigenbeitrag um 300 € zu erhöhen. Wurde einmal vergessen, den Eigenbeitrag der Gehaltsentwicklung bzw. dem Wegfall von Kinderzulagen anzupassen, kann der fehlende Eigenbeitrag im folgenden Jahr nachgezahlt werden.

Sobald keine Kinderzulage mehr gezahlt wird, also ein Jahr nach Wegfall des letzten Kindergelds, ist es ratsam, den Riester-Vertrag beitragsfrei zu stellen.

Steuerbelastung gering halten

Doch freuen Sie sich nicht zu früh: Sie müssen die Auszahlungen mit dem Fiskus teilen.

Deshalb empfiehlt es sich, die Auszahlung erst dann beginnen zu lassen, wenn die steuerpflichtigen Einkünfte durch Eintritt in den Ruhestand gesunken sind. Auch mögliche Kapitalentnahmen sind wegen der Steuerprogression zu vermeiden.

Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung fallen i.d.R. nicht an. Eine Ausnahme gilt für Rentner, die freiwillig gesetzlich krankenversichert sind. Sie müssen auf alle Einkünfte Beiträge zahlen – auch für die Riester-Rente.

Auszahlung hängt von Art des Riester-Produkts ab

Bei klassischen Riester-Rentenverträgen steht die Höhe der Auszahlung teilweise schon vorzeitig fest, da ein Garantiezins besteht. Nur die Überschüsse sind ungewiss.

Auch beim Banksparplan lässt sich die Höhe der Auszahlung annähernd vorab berechnen. Bei Banksparplänen hat der Kunde die Wahl zwischen einem Entnahmeplan und einer Sofortrente. Der Entnahmeplan bietet eine Besonderheit: Stirbt der Rentner vor Erreichen des 85. Lebensjahrs, steht das Restguthaben den Erben zur Verfügung.

Beim Fondssparplan und der fondsgebundenen Lebensversicherung ist die Höhe der Rente wesentlich schwieriger vorherzusagen. Bei Fondssparplänen gilt das "Prinzip Hoffnung". Die Höhe der Auszahlung hängt von den erzielten Erträgen ab. Nur die eingezahlten Eigenbeiträge und die staatlichen Zulagen sind garantiert. Die Auszahlungen werden über einen Fonds-Entnahmeplan geregelt.

Auch bei Fondspolicen weiß der Sparer nicht, wie hoch die Auszahlung ausfallen wird. Erst am Ende der Sparphase werden die Fondsanteile verkauft. Das Vermögen wird in sichere Anlagen umgeschichtet. Der Kunde erhält danach eine klassische Rente aus einer Einmalzahlung.

Gemeinsam ist allen Riester-Produkten: Ab dem 85. Lebensjahr laufen sämtliche Auszahlungen ausschließlich über eine Rentenversicherung. Banken und Fondsgesellschaften zweigen zu Beginn der Auszahlphase 10-20 % des Kapitals für eine Rentenversicherung ab. Das Geld wird für die lebenslange Absicherung verwendet, wenn der Sparer 85 Jahre alt geworden ist.

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