Riester-Versicherung: Kapitalauszahlung statt Rente?

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Ein Riester-Vertrag lässt sich notfalls kapitalisieren. Doch dann drohen erhebliche Einbußen.

Mehr drin als gedacht, titelt das Verbrauchermagazin Guter Rat und meint damit die Riester-Rente. Als Musterfall dient ein Riester-Sparer, der 12 Jahre lang von Anfang 2002 bis Ende 2013 immer so viel wie möglich an geförderten Beiträgen eingezahlt hat.

Bei einem Single ohne Kind liegt die Beitragssumme bei brutto 18.900 €. Davon geht die Grundzulage von insgesamt 1.386 € ab, sodass er nur einen Eigenbeitrag von insgesamt 17.514 € aufbringen musste.

Sofern der persönliche Grenzsteuersatz in den 12 Jahren bei 33,3 % lag (das gilt aktuell bei einem steuerpflichtigen Jahreseinkommen von 31.000 € von Ledigen) sinkt die Beitragssumme netto sogar auf 12.600 €. Bei dem Vertragswert per 31.12.2013, also dem Riester-Kapital brutto, liegt die CosmosDirekt laut Guter Rat mit 22.748 € auf dem ersten Platz unter acht Anbietern von klassischen Riester-Rentenversicherungen.

Frage: Lohnt es sich für den am 1.1.1952 geborenen Muster-Single, dessen Riester-Vertrag Ende 2013 ausläuft, eine Kapitalauszahlung statt der von CosmosDirekt garantierten Riester-Rente von monatlich 92,80 €? Um diese Frage zu beantworten, müssen gleich vier Fälle unterschieden werden.

1. Fall: Teilauszahlung von 30 % des Riester-Kapitals

Jeder Riester-Sparer kann sich bei Beginn der Auszahlungsphase (also frühestens mit 60 Jahren bzw. bei Abschluss nach dem 31.12.2011 mit 62 Jahren) bis zu 30 % des Riester-Kapitals auszahlen lassen. In obigem Musterbeispiel wären das also bis zu 30 % von 22.748 € gleich rund 6.824 € auf einen Schlag. Diese Teilauszahlung ist keine schädliche Verwendung und führt daher nicht zur Rückzahlung der Zulagen und evtl. Steuerersparnissen. Allerdings muss der Teilkapitalbetrag voll versteuert werden. Bei einem Grenzsteuersatz von beispielsweise 25 % blieben dann nur 5.118 € nach Steuern übrig.

2. Fall: Entnahme des Riester-Kapitals für das Eigenheim

Ab 1.1.2014 kann der Riester-Sparer das gesamte Riester-Kapital in Höhe von 22.748 € oder einem Teil davon (mindestens 3.000 € müssen dann aber im alten Riester-Vertrag verbleiben) für die Entschuldung seines bestehenden Eigenheims oder als Eigenkapital für die Finanzierung eines neuen Eigenheims entnehmen (Wohn-Riester). Auch diese Entnahme ist zulagenunschädlich. Das für Wohn-Riester entnommene Riester-Kapital wird fiktiv mit 2 % jährlich verzinst bis zum Ruhestandsbeginn und muss dann sofort zu 70 % voll versteuert werden oder laufend von Jahr zu Jahr bis zum 85. Lebensjahr.

3. Fall: Vollauszahlung bei Mini-Riester-Rente

Wenn die monatliche Riester-Rente monatlich 27,65 € (= 1 % der monatlichen Bezugsgröße von 2.765 € im Jahr 2014) nicht übersteigt, kann diese Kleinbetragsrente durch einen Einmalzahlung abgefunden werden. Eine solche Mini-Riester-Rente läge beispielsweise vor, wenn der Single in obigem Musterfall nur eine Beitragssumme von rund 5.600 € und demzufolge nur ein Riester-Kapital in Höhe von 6.740 € bis zum Ende des Vertrags gebildet hätte. Auch in diesem Fall wäre die Auszahlung zwar nicht zulagenschädlich. Sie müsste aber ebenfalls voll versteuert werden.

4. Fall: Vollauszahlung als schädliche Verwendung

Jede Vollauszahlung, die über einen der drei genannten Fälle hinausgeht, gilt als schädliche Verwendung. Das bedeutet zunächst einmal, dass sämtliche Zulagen und Steuerersparnisse zurückgezahlt werden müssen. In obigem Musterfall würde die Versicherung also insgesamt 6.300 € vom Vertragswert in Höhe von 22.748 € gleich einbehalten und der Zulagenstelle ZfA nur einen Rückzahlungsbetrag von 16.448 € überweisen. Bei einer Nettobeitragssumme von 12.600 € (siehe Musterfall) und einem Rückzahlungsbetrag von 16.448 € errechnet sich ein Überschuss von insgesamt 3.848 €. Dieser wird nach dem sog. Halbeinkünfteverfahren nur zur Hälfte besteuert, sofern der Riester-Sparer den Riester-Vertrag mindestens 12 Jahre gehalten und das 60. bzw. 62. Lebensjahr bereits vollendet hat. Ist eine dieser beiden Bedingungen nicht erfüllt, wird der Überschuss voll besteuert.

Diese Regelung gilt aber nur für ab 2005 abgeschlossene Riester-Verträge. Wenn der Vertrag wie im Musterfall schon in 2002 bei der CosmosDirekt abgeschlossen wurde, sind sämtliche Zinserträge (im Musterfall sind es 4.721 €) abgeltungsteuerpflichtig. Bei 26,375 % Abgeltungsteuer inklusive Soli sind somit Steuern in Höhe von 1.245 € fällig. Nach Steuern liegt der Überschuss dann nur noch bei 2.603 €. Spätestens in diesem Fall hat sich auch der Riester-Vertrag mit dem höchsten Riester-Kapital nach 12 Jahren kaum gelohnt. Die Kapitalrendite nach Steuern liegt unter 2 % und ist meilenwert von der bei Guter Rat angegebenen Kapitalrendite vor Steuern von 4,86 % auf den Eigenbeitrag entfernt.

Fazit: Von allen genannten Fällen schneidet der vierte Fall aus wirtschaftlicher und steuerlicher Sicht am schlechtesten ab. Letztlich wird dieser Vollauszahler so gestellt, als ob er eine private Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht abgeschlossen hätte.

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