Riester-Fondssparer: Vorsicht Cash-Lock-Falle!

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Viele ältere Riester-Fondssparer sind enttäuscht von der Wertentwicklung ihres Depots. Sie wurden Opfer eines Sicherungsmechanismus', der eigentlich gut gemeint war.

Riester-Fondssparpläne versprechen höhere Erträge als andere Riester-Produkte. Insbesondere die UniProfiRente von Union Investment wurde im Jahr 2002u.a. von der Zeitschrift Finanztest deshalb wärmstens empfohlen, weil sie den höchsten Aktienanteil aufwies, nämlich 100 %. Persönliches Pech ist es allerdings, wenn die Börsen boomen und man dennoch nicht dabei ist, wie es älteren Riester-Fondssparern passierte, deren angespartes Vermögen Ende 2008 von Aktienfonds in Rentenfonds umgeschichtet wurde, weil die Stop-Loss-Schwelle gerissen war.

Das Konzept von Union Investment sah nämlich vor, dass in unruhigen Börsenphasen oder wenn die Rente naht, das bereits angesparte Kapital und die weiteren laufenden Einzahlungen in den schwankungsärmeren Rentenfonds UniEuroRenta umgeschichtet werden. Diese Umschichtung – neudeutsch: der Cash-Lock – wurde bisher bei rund 40 Prozent der Verträge umgesetzt. Doch bei vielen Kunden ist der Ärger groß (siehe Geldtipps-News vom 15.12.2014 Fakten-Check zum Riester-Fondssparplan UniProfiRente ), denn zu deren Überraschung verbleiben die derart gesicherten Einzahlungen für immer im Rentenfonds.

Aus einem in der genannten News zitierten Leserbrief an Geldtipps geht hervor, dass der Riester-Sparer Marius K. durch die Umschichtung seines Aktiendepots in Rentenfonds Ende 2008 rund 750 € Kapital einbüßte. Dieser Verlust konnte erst in den folgenden drei Jahren wieder ausgeglichen werden. Bei der Umschichtung Ende 2008 stand z.B. der Dax bei rund 4000 Punkten und stieg ab 9.3.2009 von unter 4000 auf über 10.000 Punkte im Jahr 2014. Der Riester-Aktienfonds von Marius K. hätte also in den sechs Jahren von 2009 bis 2014 durchschnittlich rund 25 % Zuwachs pro Jahr bringen können. In Wirklichkeit erzielte der Riester-Rentenfonds von Marius K. im gleichen Zeitraum lediglich rund 1,9 % p.a.

Doch eine Rückübertragung in den chancenreicheren Aktienfonds war nicht möglich – der Cash-Lock ist nämlich endgültig. Dass diese Endgültigkeit in den Anfangsjahren beim Verkauf der UniProfiRente oft unerwähnt blieb, ist für Betroffene besonders ärgerlich. Auch bei früheren Darstellungen durch Finanztest war vom Cash-Lock keine Rede.

Dazu erläutert Markus Temme von der Pressestelle bei Union Investment, dass es mittlerweile einen Riester-Fonds gebe, bei dem der Sparer über die Anlage seines Geldes mitentscheiden könne. Im Übrigen gebe es auch für ältere Riester-Sparer eine Rendite von 7 % im Jahr. Zitat aus der Pressemitteilung vom 31.7.2014: So kam ein Riester-Sparer der ersten Stunde bis Juni 2014 mit der UniProfiRente auf eine Rendite von jährlich 7 Prozent – und dies ohne Zulagen und nach Abzug der Kosten. Bei einem Vertragsabschluss zum Jahresbeginn 2008 waren es sogar 9,5 Prozent pro Jahr. Berücksichtigt man die staatliche Förderung – weswegen die meisten Menschen einen Riester-Vertrag abschließen – steigt die Rendite bei einem Single mit einem Vertrag aus dem Jahr 2002 auf jährlich 8,8 Prozent; bei einer Familie mit zwei Kindern sogar auf 16,2 Prozent.

Typische Verträge aus den Jahren 2006 und 2007 kamen auf einen Wertzuwachs von fünf und neun Prozent

In der Pressemitteilung heißt es weiter: Natürlich hat nicht jeder Sparer seinen Vertrag zu Beginn eines Jahres abgeschlossen und damit die vorher genannten Renditen erzielt. Deswegen hat Union Investment ihren Vertragsbestand der Jahre 2006 und 2007 näher analysiert. In diesem Zeitraum hatten die meisten Menschen eine Riester-Rente abgeschlossen. Aus allen Verträgen dieser Zeit mit einer noch verbleibenden Restlaufzeit von rund 10 und 20 Jahren wurde jeweils ein typischer Vertrag herausgefiltert (Medianbildung). Bei einer noch verbleibenden Restlaufzeit von rund 10 Jahren per Ende 2013 hatte der Sparer ein garantiertes Vermögen von rund 9.300 € und einen Gewinn von etwa 1.800 €. Trotz einer zwischenzeitlichen Sicherung des Vermögens aufgrund von Markteinbrüchen kam er auf eine jährliche Rendite nach Kosten von 5,2 Prozent. Der Vertrag mit einer Laufzeit von noch etwa 20 Jahren hatte ein Vermögen von rund 12.000 €, in dem ein Gewinn von mehr als 3.000 € enthalten ist. Dieser Riester-Sparer erzielte eine Rendite von 8,6 Prozent pro Jahr nach Kosten. Die erhaltenen Zulagen wurden bei beiden Berechnungen als Einzahlungen und nicht als Renditebestandteil betrachtet. 'Mit diesen Daten ist die pauschale Kritik an der Riester-Rente klar widerlegt. Es gibt durchaus gute und transparente Produkte', kommentiert Wolfram Erling, Leiter Zukunftsvorsorge bei Union Investment, die Ergebnisse der Auswertung.

Kommentar

Bei Höchststand kaufen, bei Tiefststand verkaufen – dieser Anlegerfehler passiert offensichtlich nicht nur Laien im Lernstadium, sondern auch erfahrenen Fonds-Profis. Bei der UniProfiRente ist es sogar Konzept. Freilich hängt der Zeitpunkt der Umschichtung vom jeweiligen Geburtsjahrgang bzw. dem Alter des Riester-Sparers ab. Betrachtet man einen im Jahr 1984 geborenen Kunden, wie es Union Investment in ihren Beispielberechnungen tut, ist alles gut, denn dieser Jahrgang wurde eben (noch) nicht von Aktien in Anleihen umgeschichtet.

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