Renten-Duell von Geldtipps.de: Welche Rente sich für 50-Jährige noch rentiert

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Die Bundesregierung gibt offen zu, dass die gesetzliche Rente im Alter nicht ausreicht, um den gewohnten Lebensstandard zu sichern. Doch wie sollte man angesichts der zahlreichen Rentenvarianten sein Geld anlegen, um diese Rentenlücke zu schließen? Geldtipps.de hat einen Modellfall durchgerechnet und ist zu überraschenden Ergebnissen gekommen.

Wer dieses Jahr 50 Jahre alt wird, gehört zum zweitstärksten Geburtsjahrgang 1965 und damit zur Babyboomer-Generation. Nur im Jahr 1964 lag die Geburtenzahl in Westdeutschland noch etwas höher.

Spätestens im Jahr 2032 gehen die heute 50-Jährigen in Rente oder Pension. Nach der Generationensterbetafel des Statistischen Bundesamts haben sie dann noch eine ferne Lebenserwartung von 19 Jahren und 1 Monat (Männer) bzw. 22 Jahren und 3 Monate (Frauen). Sie könnten dann ihre Renten im statistischen Durchschnitt noch bis in ihr 86. bzw. 89. Lebensjahr hinein genießen.

Mit einer Rentenversicherung lässt sich relativ problemlos ein sicheres Zusatzeinkommen bis zum Lebensende erzielen. Die beiden Alternativen, die Immobilien-Rente und die Dividenden-Rente, sind mit vergleichsweise mehr Aufwand verbunden und einem höheren Risiko, dass die Rechnung nicht aufgeht.

Um zu prüfen, ob sich ein Neuabschluss für eine Rentenversicherung auch noch im Jahr 2015 lohnt, sollte man daher die Beitragsdauer von 17 Jahren und die statistische Rentendauer von 19 bzw. 22 Jahren unter die Lupe nehmen, also insgesamt immerhin einen Zeitraum von 36 bis 39 Jahren.

Gesetzliche Rente vor Rürup-Rente und Riester-Rente

Die Redakteure von Geldtipps.de haben einen aktuellen Rententest für den Jahrgang 1965 gemacht und dabei insgesamt fünf verschiedene Rentenarten (Riester-Rente, Rürup-Rente, Privat-Rente, Betriebsrente und gesetzliche Rente aus freiwilligen Beiträgen) auf den Prüfstand gestellt.

In allen fünf Fällen zahlt ein lediger Höherverdiener mit einem Jahresbruttogehalt von 52.500 € insgesamt 17 Jahresbeiträge à 2.100 € in eine Rentenversicherung ein. Was kommt dabei heraus?

Die gute Nachricht für Beamte, Freiberufler und Selbstständige, die nicht rentenversicherungspflichtig und privat krankenversichert sind: Die gesetzliche Rente aus freiwilligen Beiträgen liegt eindeutig auf dem ersten Platz und schlägt damit alle anderen möglichen Renten. Die garantierte gesetzliche Rente liegt bei monatlich 159 € brutto. Nach knapp 19 Rentenjahren hat man zumindest die eingezahlten Beiträge wieder heraus. Dies kann zurzeit keine private Rentenversicherung mit einem Garantiezins von nur 1,25 % leisten.

Bei der Rürup-Rente des kostengünstigen Direktversicherer Europa sind noch garantierte 139 € brutto pro Monat drin. Nach 21,4 Rentenjahren sind die Beiträge wieder zurückgeflossen. Riester-Renten bietet die Europa Lebensversicherung nicht an. Der Direktversicherer Cosmos Direkt sichert noch eine garantierte Riester-Rente von monatlich 131 € zu. Nun dauert es bereits 22,7 Jahre, bis alle Beiträge in Form von Riester-Renten wieder zurückfließen.

Fairerweise sollte man auch die dynamischen Renten miteinander vergleichen, die sich bei Annahme einer jährlichen Rentensteigerung von 2,15 % ergeben. Dies setzt in der gesetzlichen Rentenversicherung eine jährliche Lohnsteigerung von durchschnittlich 2,5 % voraus und bei Rürup- sowie Riester-Rente eine durchschnittliche Verzinsung von 3,25 %.

In diesem optimistischen Fall sehen die möglichen Rentenbeträge pro Monat ab Rentenbeginn in 2032 wie folgt aus: gesetzliche Rente 185 €, Rürup-Rente von Europa 179 € und Riester-Rente von Cosmos 165 €.

Letztlich kommt es aber nicht auf die absolute Höhe der anfänglichen Rente im Jahr 2032 an, sondern auf die Nettorendite nach Steuern in Prozent pro Jahr bei Annahme der fernen Lebenserwartung laut Statistischem Bundesamt und der unterschiedlich hohen Grenzsteuersätze (42 % in der Beitragsphase und 29 bis 35 % in der Rentenphase).

Die garantierten Nettorenditen liegen bei Männern zwischen 0,1 % (Riester-Rente von Cosmos), 0,4 % (Rürup-Rente von Europa) und 0,7 % (gesetzliche Rente von DRV). Frauen kommen wegen der um gut drei Jahre höheren Lebenserwartung entsprechend auf garantierte Nettorenditen von 0,9 % (Cosmos), 1,1 % (Europa) und 1,5 % (DRV). Das haut sicherlich niemanden vom Hocker.

Deutlich höher fallen die möglichen dynamischen Nettorenditen aus. Männer dürfen mit 2,2 % (Cosmos), 2,5 % (Europa) und 2,6 % (DRV) rechnen und Frauen sogar mit 2,9 % bis 3,3 %.

Alle Rentenvergleiche zeigen, dass die gesetzliche Rente einschließlich 7,3 % Zuschuss zur privaten Krankenversicherung für Beamte, Freiberufler und Selbstständige von der privaten Altersvorsorge à la Rürup und Riester nicht zu toppen ist. Leider haben aber in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversicherte Arbeitnehmer davon nichts, da sie keine regelmäßigen freiwilligen Beiträge leisten dürfen.

Höherverdienende Arbeitnehmer sind daher auf die Rürup-Rente oder Riester-Renten angewiesen. Infolge der geringeren laufenden Verwaltungskosten fahren sie mit der Rürup-Rente besser im Vergleich zur Riester-Rente. Wegen dieser Kostenvorteile bei Rürup-Versicherungen liegen alle Vergleichszahlen für die Rürup-Rente von Europa über der Riester-Rente von Cosmos.

Nach-Steuer-Rendite der Privat-Rente deutlich hinten

Die Europa Versicherung bietet auch die kostengünstigsten privaten Rentenversicherungen unter dem Label Flexible Rente an. Bruttorenten und Bruttorenditen sind völlig identisch mit der Rürup- bzw. Basis-Rente.

Nach Steuern gerät die Privat-Rente aus der privaten Rentenversicherung jedoch deutlich ins Hintertreffen, da die gezahlten Beiträge bei Neuabschlüssen ab 2005 steuerlich nicht mehr abzugsfähig sind. Dieser Nachteil fehlender Steuerersparnisse in der Beitragsphase wird durch den Vorteil einer relativen niedrigen Ertragsanteilbesteuerung in der Rentenphase bei weitem nicht ausgeglichen.

Die garantierte Nettorendite der privaten Rentenversicherung von Europa liegt mit minus 0,9 % bei Männern und minus 0,1 % bei Frauen sogar im negativen Bereich. Nur die Nettorendite der dynamischen Privat-Rente bringt es auf relativ bescheidene 1,5 % pro Jahr für Männer und 2,3 % für Frauen Dabei wurde aber vorausgesetzt, dass die anfängliche Privat-Rente um jährlich 2,15 % steigt und der Grenzsteuersatz im Alter mehr als 10 Prozentpunkte unter dem Grenzsteuersatz in der aktiven Phase liegen wird.

Niedrige Nettorendite von Betriebsrenten bei fehlendem Arbeitgeber-Zuschuss

Bleibt noch die Betriebsrente für heute 50-jährige Arbeitnehmer. Beiträge im Wege der Entgeltumwandlung sind zwar sozialabgaben- und steuerfrei. Im Ruhestand schlagen Versicherungen und Finanzamt aber gleich dreimal zu: Abzug von rund 18 % Beitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung, anteilige Kürzung der gesetzlichen Rente und volle Besteuerung. Wenn der Arbeitgeber keinen Zuschuss in Höhe der von ihm ersparten Sozialabgaben gibt, geht die Rechnung für den Arbeitnehmer nicht wirklich auf.

Beispiel Betriebsrente VBLextra für Angestellte im öffentlichen Dienst: Die garantierten Netto-Renditen liegen trotz des höheren Garantiezinses von 1,75 % nur bei 0,2 % für Männer und 1 % für Frauen. Lediglich die möglichen Nettorenditen gehen bei der Betriebsrente der VBLextra über 2 % hinaus und betragen 2,1 % für Männer bzw. 2,8 % für Frauen.

Die Betriebsrente à la VBLextra für Angestellte im öffentlichen Dienst ist nicht das Gelbe vom Ei, da sie ausschließlich arbeitnehmerfinanziert ist und keinen Zuschuss der öffentlichen Arbeitgeber kennt. Wer dank Sozialabgaben- und Steuerersparnis netto nur die Hälfte des Bruttobeitrags zahlt, erhält im Rentenalter wegen der dreifachen Abgaben- und Steuerbelastung netto auch nur die Hälfte der Bruttorente. Die Nettorendite dieser speziellen Betriebsrente liegt daher nicht höher als die Bruttorendite und ist in etwa vergleichbar mit der Nettorendite der Riester-Rente.

Überraschungen im Renten-Duell von Geldtipps.de

Das überraschende Fazit für heute 50-jährige Höherverdiener im Renten-Duell von Geldtipps.de lautet: Die gesetzliche Rente der Deutschen Rentenversicherung aus freiwilligen Beiträgen schlägt alle privaten Renten um Längen. Leider können nur nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversicherte Beamte, Freiberufler und Selbstständige davon Gebrauch machen.

Für pflichtversicherte Arbeitnehmer steht die Rürup-Rente von Europa ganz oben. Erst danach kommt die mit höheren Kosten belastete Riester-Rente von Cosmos Direkt. Die Privat-Rente von Europa landet nach Steuern auf dem letzten Platz. Und die so hoch gepriesene Betriebsrente der VBLextra für Angestellte im öffentlichen Dienst erreicht netto nur das Renditeniveau der Riester-Rente.

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