Fakten-Check zum Riester-Fondssparplan UniProfiRente

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Optimistische Prognosen verführten viele Vorsorgesparer auf das spiegelglatte Börsenparkett. Statt eines Fondssparplans wäre eine klassische Rentenversicherung rentabler gewesen.

Der Beitrag Böses Erwachen: Riester-Fondssparpläne halten nicht, was versprochen wurde vom 12.12.2014 hat bei den Geldtipps zu Nachfragen von Riester-Fondssparern der UniProfiRente geführt. Anhand des folgenden aktuellen Fakten-Checks werden die Behauptungen auf der Homepage der Union Investment mit den nachweisbaren Tatsachen und negativen Erfahrungen von älteren UniProfiRente-Sparern konfrontiert.

UniProfiRente als Deutschlands beliebteste Riester-Rente?

Laut Union Investment ist UniProfiRente die beliebteste Riester-Rente. Richtig ist, dass Union Investment mit 1,8 Millionen Verträgen (Stand 31.12.2013 nach eigenen Angaben) bis heute 60 % der rund 3 Millionen Riester-Fondspolicen verkauft hat und damit Marktführer bei den Riester-Fondssparplänen ist. Jeder neunte von insgesamt 16 Millionen Riester-Verträgen läuft über UniProfiRente.

Meist verkauft heißt aber nicht meist beliebt. Die große Anzahl der von UniProfiRente enttäuschten, vorwiegend älteren Riester-Sparer spricht dagegen. Insbesondere die Entscheidung von Union Investment, Ende 2008 die Fondspolicen von rund 40 % ihrer Riester-Sparer komplett umzuschichten vom Aktienfonds Welt Uni Global in den Euro-Rentenfonds UniEuroRenta, hat die davon betroffenen Anleger geschockt. Diese Umschichtung erfolgte ausgerechnet, als die Finanzmarktkrise ausbrach und die Aktienkurse abstürzten. Der DAX fiel beispielsweise bis auf 4.000 Punkte ab.

Exzellente Rentenhöhe beim Fondssparplan UniProfiRente?

Union Investment behauptet, dass die UniProfiRente eine exzellente Renten-Höhe aufweise und dies in einer Studie des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung GmbH (IVFP) bestätigt worden sei. Allerdings geht es in dieser Studie ausschließlich um das Rating von Riester-Rentenversicherungen, nicht von Riester-Fondssparplänen.

Eine weitere Studie des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA) mit dem Titel 12 Jahre Riester-Rente wurde am 12.11.2014 veröffentlicht. Darin belegt die UniProfiRente unter 12 Riester-Angeboten mit einer garantierten Riester-Rente von nur 70,32 € bei einer Beitragssumme von 18.900 € nur den vorletzten Platz. Von einer exzellenten Rentenhöhe kann zumindest in der Rückschau auf die Jahre 2002 bis 2013 keine Rede sein, wenn die garantierte Jahresrente lediglich 4,5 % der Beitragssumme ausmacht. Die am 15.12.2014 erscheinende Wirtschaftswoche (WiWo) errechnet in der Vorschau auf 17 Jahre Riester-Rente für einen heute 50-jährigen Single ohne Kind mit einem Bruttojahreseinkommen von 60.000 € nur eine garantierte Netto-Rentenrendite von 1,4 % bei Annahme einer moderaten Börsenentwicklung mit 3,3 % Fondsrendite vor Kosten (siehe WiWo Nr. 51, 15.12.2014, Seite 95).

Selbst bei einer guten Börsenentwicklung mit 5,4 % Fondsrendite vor Kosten liegt die prognostizierte Nettorendite nur bei 2,5 %. Diese Renditeberechnungen basieren laut Wirtschaftswoche auf Angeboten von Union Investment (UniProfiRente 4 P).

WiWo hat die errechneten Nettorenditen richtigerweise auf die Eigenbeiträge nach Zulagen und Steuervorteilen und die späteren Riester-Renten nach Steuern bezogen. Die Berechnungsmethode der ITA, wonach die Rendite des Riester-Fondssparplans UniProfiRente aus Sicht eines Singles ohne Kind in der Rückschau 4,21 % ausmache, ist falsch, da ITA die Rendite auf den Eigenbeitrag nach Zulage in Prozent des Riester-Kapitals zum 31.12.2013 berechnet. Bei Riester-Renten muss man aber Rentenrenditen (zum Beispiel netto wie in der WiWo) und keine Kapitalrenditen berechnen.

UniProfiRente von Finanztest empfohlen?

Union Investment wirbt damit, dass die UniProfiRente von Finanztest positiv bewertet werde. Richtig ist, dass diese Riester-Fondspolice ehemals Testsieger von Riester-Fondssparplänen bei Finanztest war, worauf Finanztest auch bis Ende 2006 hinwies.

In Finanztest 10/2014 kann von einer generell positiven Bewertung jedoch keine Rede mehr sein. Laut Finanztest ist die UniProfiRente nur empfehlenswert für jüngere Sparer, die eine hohe Aktienquote wollen, wobei die Mindestlaufzeit 20, besser sogar 30 Jahre betragen sollte (siehe Finanztest 10/2014, Seite 43). Tatsächlich hat die UniProfiRente aber nur eine Mindestlaufzeit von 10 Jahren. Daher können auch heute 52-Jährige noch einsteigen mit der Gefahr, dass sie laut Finanztest in die Umschichtungsfalle geraten.

Der Fakten-Check zeigt: Die UniProfiRente der Union Investment ist nicht die beliebteste Riester-Rente, glänzt nicht mit einer exzellenten Rentenhöhe und wird aktuell von Finanztest nur jüngeren und risikobewussten Riester-Sparern bis etwa Mitte 30 empfohlen.

Prognose versus Realität

Unser Leser Marius K. (Name der Redaktion bekannt), der im Oktober 2002 im Alter von 45 Jahren eine UniProfiRente abschloss, sich jedoch mittlerweile von Minister Riester und Finanztester Tenhagen aufs glatte Börsenparkett verführt fühlt, untermauert sein Gefühl der Irreführung mit der Gegenüberstellung einer Prognose von Union Investment mit seiner Realität. Sein Fazit: Statt der weißgemachten 9,1 % kommen gerade mal 1,9 % Beitragsrendite p.a. vor Steuern heraus.

Jahr

Beitrag in €

Zulage in €

Jahressumme in €

Depotbestand in €

2002

219

38

257

268

2003

219

38

257

560

2004

438

76

514

1.147

2005

438

76

514

1.786

2006

657

114

771

2.752

2007

795

114

909

3.951

2008

1.052

154

1.206

5.568

2009

1.237

154

1.391

7.527

2010

1.237

154

1.391

9.664

2011

1.237

154

1.391

11.995

2012

1.237

154

1.391

14.539

2013

1.422

154

1.576

17.508

2014

1.422

154

1.576

20.748

Diese Modellrechnung von Union Investment beruht auf der Annahme, dass die durchschnittliche Wertentwicklung 9,1 % p.a. beträgt. Wenn der Sparer bis zum Jahr 2022 jeweils den maximal geförderten Eigenbeitrag in den Fondssparplan einzahle, betrage der Depotwert am Jahresende 2022 exakt 57.167 €, die zu einer monatlichen Rente von 357 € führen solle, unter Annahme einer jährlichen Wertentwicklung des Rentendepots von 6,0 %.

Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus – freilich auch deshalb, weil Marius K. dreimal nicht den maximal geförderten Eigenbeitrag einzahlte (wegen Wegfalls von Kinderzulagen) und weil er aus Enttäuschung über die Entwicklung des Depotwerts den Vertrag ab 2013 beitragsfrei stellte. Er plant, sich nach dem Erreichen seines 60. Lebensjahrs im März 2017 die Riester-Rente auszahlen zu lassen. Diese wird nach Angaben von Union Investment 47 € im Monat betragen.

Jahr

Beitrag in €

Zulage in €

Erträge abzüglich Kosten in €

Depotbestand in €

2002

219

0

-29,93

189,07

2003

219

38

-20,19

455,81

2004

438

38

-23,20

928,80

2005

438

76

229,80

1.695,80

2006

657

76

415,91

2.614,91

2007

657

114

398,07

3.368,07

2008

876

94,21

-340,63

3.599,58

2009

1.052

128,24

-14,09

5.106,36

2010

1.237

154

-13,12

6.498,33

2011

1.237

154

273,43

8.175,88

2012

1.237

154

731,01

10.024,46

2013

1.237

154

664,60

11.349,05

2014

0

97,89

1.251,67

12.034,01

Bis zum Jahr 2007 stimmten Prognose und Realität noch weitgehend überein – lediglich der Zufluss der Zulage verzögerte sich jeweils um Jahr. Doch dann flossen weniger Beiträge und folglich weniger Zulagen als geplant und im Jahr 2008 vernichtete der nicht eingeplante Börsen-Crash fast 750 € der bis dahin erzielten Erträge. Dieser verrringerte Depotwert wurde Ende des Jahres 2008 vollständig von Aktienfonds in Rentenfonds umgeschichtet und erholte sich erst ab 2011 wieder. Im Jahr 2014 erzielte der Rentenfonds einen Ertrag von 587,07 € (+ 5,2 %), denn seit Jahresbeginn haben z.B. Bundesanleihen mit langer Laufzeit 14,5 % an Wert gewonnen. Dennoch ärgert sich Marius K., dass er damals einen Fondssparplan abgeschlossen hat. Eine klassische Rentenversicherung, für die es im Jahr 2002 noch 3,25 % Garantiezins gab, wäre rentabler gewesen.

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