Die Mär von den hohen Riester-Renditen

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Der Mathematiker und Versorgungsberater Werner Siepe stellt Studien über lukrative Riester-Renten klar.

Man reibt sich verwundert die Augen: In der Rückschau auf 12 Jahre Riester-Rente soll laut ITA (Institut für Transparenz) eine am 1.1.1952 geborene alleinerziehende Frau mit Kind eine hohe Rendite von 6,62 % auf ihren selbst gezahlten Beitrag erzielt haben.

Voraussetzung: Diese Riester-Sparerin vom Typ 2 (Single mit Kind) hat im Jahr 2002 eine Riester-Rentenversicherung bei CosmosDirekt (Tarif CFRA.1) abgeschlossen und bis Ende 2013 immer den höchstmöglichen Eigenbeitrag (zum Beispiel jährlich 1.761 € von 2008 bis 2013) eingezahlt, um die jährliche Zulage von beispielsweise 339 € pro Jahr ab 2008 zu erhalten.

ITA hat dabei den gesamten Eigenbeitrag von 15.849 € mit dem Brutto-Riester-Kapital von 22.673 € verglichen und daraus eine Kapitalrendite ermittelt. Es wird also rechnerisch so getan, als ob dieses Riester-Kapital sofort unversteuert zur Verfügung stünde und nicht zur Verrentung gedacht wäre.

Irreführende Riester-Kapitalrendite von 6,62 % auf Eigenbeitrag

Eine Riester-Kapitalrendite von 6,62 % auf den Eigenbeitrag führt jedoch in die Irre. Sie sinkt bereits auf 3,5 %, wenn man das Brutto-Riester-Kapital mit der Beitragssumme von 18.900 € (inkl. Zulagen von insgesamt 3.051 €) vergleicht. Darauf weisen ITA und der Auftraggeber Guter Rat auch ausdrücklich hin.

Wichtiger ist aber die Rentenrendite, denn schließlich handelt es sich um die Riester-Rente und nicht um eine Riester-Kapital-Versicherung.

Mit Rentenbeginn ab 1.1.2014 erhält die 62-Jährige von Cosmos eine monatliche flexible Riester-Rente von 113,91 € einschließlich Überschüssen, also jährlich rund 1.367 €. Die garantierte Riester-Rente liegt jedoch nur bei 97,80 € monatlich bzw. rund 1.174 € pro Jahr. Alles nachzulesen in der ITA-Studie bzw. in dem unabhängigen Verbrauchermagazin Guter Rat 12/2014 auf Seite 18. Den Auftrag für die ITA-Studie 12 Jahre Riester-Rente hatte Guter Rat selbst erteilt.

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Noch attraktive Rentenrendite von 2,5 bis 3,5 % auf Gesamtbeitrag

Tatsächlich liegt die Rentenrendite bei noch attraktiven 2,5 % für die garantierte Riester-Rente bzw. bei 3,5 % für die flexible mögliche Riester-Rente, sofern man eine Rentenbezugsdauer von 24 Jahren zugrunde legt. Laut Sterbetafel 2009/2011 des Statistischen Bundesamts vom 18.12.2013 lag die ferne Lebenserwartung für eine 62-jährige Frau bei 23,23 Jahren.

Fazit: Mit 2,5 % garantierter Rentenrendite bzw. 3,5 % möglicher Rentenrendite, beides vor Steuern und Zulagen, muss sich die in der ITA-Studie am besten abgeschnittene Riester-Rente der Cosmos in der Rückschau auf die Beitragsjahre von 2012 bis 2013 nicht verstecken. Die von ITA errechneten 6,62 % auf den eingezahlten Beitrag täuschen jedoch eine viel zu hohe Riester-Rendite vor.

Grob irreführende 5,68 % mögliche Rendite laut Finanztip

In der Vorschau auf 30 Jahre Riester-Rente schießt das gemeinnützige Online-Verbrauchermagazin Finanztip in Sachen Riester-Rendite den Vogel ab. Für einen 37-jährigen Single ohne Kind, der noch 30 Jahre lang 2.100 € abzüglich der jährlichen Grundzulage von 154 € in die klassische Riester-Rentenversicherung der von Finanztip empfohlenen Hannoversche Leben (Tarif HL-Garant AV1) einzahlt, soll die garantierte Kapitalrendite bei 3,85 % liegen.

Wie denn das, wenn doch der Garantiezins für eine in 2014 abgeschlossene Riester-Rentenversicherung nur bei 1,75 % liegt? Hier die Lösung: Finanztip vergleicht nicht die gesamte Beitragssumme von 63.000 € mit dem Garantiekapital von 76.988 €, sondern den Eigenbeitrag nach Zulagen und zusätzlicher Steuerersparnis von insgesamt 40.230 € .

Bei einem Jahresbruttogehalt von 40.000 € und Steuerklasse I soll der jährliche Eigenbeitrag demnach nur 1.341,00 € ausmachen. Durch diesen wirtschaftlich sinnlosen Vergleich von Nettobeitrag und Brutto-Garantiekapital steigt die eigentliche Kapitalrendite von nur 1,26 % bereits auf 3,85 %.

Aus dem voraussichtlichen Riester-Kapital von 107.022 € brutto und der Beitragssumme von netto 40.230 € berechnet Finanztip dann sogar eine mögliche Kapitalrendite von 5,68 %. Wer bietet mehr?

Bei einem Jahresbruttogehalt von 65.000 € und einem Grenzsteuersatz von 44,31 % inkl. Solidaritätszuschlag läge die mögliche Kapitalrendite dann sogar bei 6,5 % nach dieser kreativen Berechnungsmethode.

Der Haken: Der Vergleich von Nettobeitragssumme mit Bruttokapital ist nichts anderes als ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Sofern man auch noch das Minimaxprinzip (minimale Riester-Beiträge bei höchstem Steuersatz im Vergleich zu maximalem Riester-Kapital) anwendet, lässt Rentenabsurdistan grüßen.

Die garantierte Rentenrendite liegt indes auch bei der Hannoversche Leben nur bei 0,1 % bis 0,9 %, falls man eine Rentenlaufzeit von 20 bis 25 Jahren bei einem heute 37-Jährigen mit Rentenbeginn in 30 Jahren annimmt.

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