Böses Erwachen: Riester-Fondssparpläne halten nicht, was versprochen wurde

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UniProfiRente und DWS-TopRente haben sich trotz Förderung kaum gelohnt.

Riester-Fondssparpläne waren bis zum Ausbruch der Finanzmarktkrise im Jahr 2008 ein Renner. Rund 2,4 Millionen Riester-Sparer hatten ihr Geld bis Ende 2008 darin investiert. Spätestens seit 2012 steigt die Anzahl der abgeschlossenen Riester-Fondssparpläne kaum noch und bleibt fast konstant bei 3 Millionen. Das sind knapp 20 % aller bestehenden Riester-Verträge.

174.000 Riester-Fondssparer der ersten Stunde

Insgesamt 174.000 Riester-Sparer hatten sich bereits bis Ende 2002 für einen Riester-Fondssparplan entschieden. Darunter waren nicht wenige, die damals 45 bis 55 Jahre alt waren (Jahrgänge 1947 bis 1957) und noch für die Dauer von 10 bis 20 Jahren Beiträge zahlen wollten. Diese Fondssparer haben nun bereits eine Riester-Fondrente erhalten oder werden sie in den nächsten Jahren erhalten.

Ihr Wunsch bestand oder besteht noch immer darin, die durch das sinkende Niveau bei der gesetzlichen Rente entstehende Rentenlücke durch eine attraktive Riester-Fondsrente auszugleichen. Die Wirklichkeit sieht jedoch angesichts von deutlich unter 100 € liegenden Riester-Renten ab Rentenbeginn in den Jahren 2014 oder 2015 völlig anders aus.

Riester-Rente gleicht sinkendes Rentenniveau nicht aus

Der aktuelle Rentenversicherungsbericht 2014 der Bundesregierung weist für Durchschnittsverdiener nur eine monatliche Riester-Rente von 61 bis 70 € auf, wenn sie nach einer Beitragsdauer von 12 oder 13 Jahren in den Jahren 2014 oder 2015 ihre ersten Rentenzahlungen erhalten. Das Sicherungsniveau vor Steuern aus gesetzlicher Rente und Riester-Rente soll bei 50,3 % in 2014 oder 49,6 % in 2015 liegen. Als dieses Sicherungsniveau erstmalig im Rentenversicherungsbericht 2004 berechnet wurde, lag es noch bei 52,6 %. Also ist dieses Niveau von 2004 bis 2015 bereits um drei Prozentpunkte gesunken.

Gleiches gilt für das Bruttorentenniveau aus gesetzlicher Rente und Riester-Rente. Im Vergleich zu den 48,8 % im Jahr 2002 fällt es laut Alterssicherungsbericht 2012 der Bundesregierung im Jahr 2015 auf 47,4 % (davon 44,6 % für die gesetzliche Rente und 2,4 % für die Riester-Rente).

UniProfiRente als ehemaliger Testsieger bei Finanztest

Spitzenreiter im Test von Fondssparplänen bei Finanztest war lange Zeit die UniProfiRente der Union Investment, einer Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. Nach eigenen Angaben ist die Union Investment mit 1,8 Millionen von insgesamt 3 Millionen Riester-Fondssparplänen eindeutiger Marktführer. Hauptsächlich wird das Geld der Fondssparer in den Aktienfonds UniGlobal gesteckt. Umschichtungen in den Rentenfonds UniEuroRenta sind aber erlaubt und erfolgen aus Sicherheitsgründen vor allem in den letzten Jahren vor Auslaufen der Riester-Verträge.

Laut Finanztest sind Fondssparpläne für junge Riester-Sparer unter 40 Jahren erste Wahl. Für ältere Sparer ab 45 oder 50 Jahren besteht die Gefahr der Umschichtung von Aktienfonds in Rentenfonds zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Genau das ist Ende 2008 geschehen, als Union Investment die Gelder der Fondssparer ohne Vorankündigung bei Tiefstkursen am Aktienmarkt in den Fonds UniEuroRenta umschichtete. Davon wurden insbesondere ältere Fondssparer getroffen, die nur noch wenige Beitragsjahre bis zum Beginn ihrer Riester-Rente vor sich hatten.

Altersvorsorgeatlas der Union Investment versprüht gute Laune

Wer den von Union Investment am 20.3.2013 veröffentlichten Altersvorsorgeatlas sorgfältig studiert, erfährt von solchen Risiken bei Riester-Fondssparplänen der Marke UniProfiRente nichts. Stattdessen wird für die älteren Riester-Sparer (Jahrgänge 1948 bis 1963) eine monatliche Riester-Rente von durchschnittlich 153 € (im Westen 164 € und im Osten 131 €) vorhergesagt. Die Riester-Rente für diese Jahrgangsgruppe 50plus soll zwischen mindestens 123 € und höchstens 172 € liegen. Wer das glaubt, muss ein unverbesserlicher Optimist sein. Das Team von Professor Bernd Raffelhüschen, dessen Forschungsinstitut Generationenverträge an der Universität Freiburg den Altersvorsorgeatlas im Auftrag von Union Investment erstellt hat, unterstellt bei der Berechnung der Riester-Renten einen Realzins von 3 % pro Jahr, der nach Einrechnung einer Inflationsrate von 2 % einem Nominal- bzw. Kapitalzins von 5 % entspricht.

Selbst die Rentenversicherungs- und Alterssicherungsberichte der Bundesregierung gehen noch von einem jährlichen Nominal- bzw. Kapitalzins in Höhe von 4 % aus. Der Sozialbeirat der Bundesregierung hält in seinem Gutachten von 2012 diesen Zins für zu hoch und plädiert eher für einen Nominal- bzw. Kapitalzins von 3 % in künftigen Berechnungen. Walter Riester, nach dem die Riester-Rente bekanntlich benannt wurde, war im Übrigen von Oktober 2009 bis Juni 2012 im Aufsichtsrat von Union Investment. Kritik an den Fondssparplänen der UniProfiRente von aus dem Munde von Walter Riester ist nicht überliefert. Offensichtlich hat die Union Investment ihre Stellung als Marktführer für Fondssparpläne nicht nur dem seinerzeitigen Testsieg bei Finanztest zu verdanken, sondern auch dem Gutachter Bernd Raffelhüschen und dem ehemaligen Aufsichtsratsmitglied Walter Riester.

Ernüchternde Ergebnisse in 2014 und 2015

Das böse Erwachen für UniProfiRentner der ersten Stunde kommt in den Jahren 2014 und 2015. Laut ITA-Studie 12 Jahre Riester-Rente (ITA ist das Institut für Transparenz in Berlin) liegt die garantierte Riester-Rente für einen Fondssparer, der insgesamt 18.900 € an Beiträgen inklusive Zulagen von 2002 bis 2013 aufgebracht hat, nur bei monatlich 70 €. Eine UniProfiRente von jährlich 840 € macht gerade einmal 4,44 % der Beitragssumme aus. Erst nach 22 Jahren und 6 Monaten hat dieser Fondssparer die im Laufe von 12 Jahren gezahlten Beiträge plus Zulage garantiert wieder heraus.

Wenn er die Riester-Rente erstmals ab seinem 60. Geburtstag erhält, muss er also mehr als 82 Jahre alt werden. Bei der TopRente Balance der DWS, einer Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, dauert es noch länger. Hier liegt die garantierte Fondsrente nur bei monatlich 60 € laut ITA-Studie. Also ist der Beitragserhalt erst nach über 26 Jahren gesichert. Der DWS TopRentner ist dann 86 Jahre alt. Wer 2015 die Fondsrente bezieht und im Jahr 2014 noch insgesamt 2.100 € an Beitrag inklusive Zulage einzahlt, kommt auf eine Beitragssumme von 21.000 € für 13 Jahre Riester-Rente. Sofern es eine Fondsrente der Union Investment oder der DWS ist, wird diese kaum über monatlich 77 € (UniProfiRente) oder 67 € (DWS TopRente Balance) hinausgehen.

Euphorie für die Riester-Rente bei Guter Rat

Das unabhängige Verbrauchermagazin Guter Rat verbreitet trotz der wenig berauschenden Ergebnisse der ITA-Studie, die von diesem Magazin selbst in Auftrag gegeben wurde, viel Zuversicht. Mehr drin als gedacht, lautet die Schlagzeile nach 12 Jahren Riester-Rente.

Die angeblich echten Zahlen von nur 10 Anbietern sollen den Lesern zeigen, was wirklich bei der Riester-Rente herauskommt. Nicht nur in der Zeitschrift Guter Rat 12/2014, sondern auch im Sonderheft Mehr Rente werden die Ergebnisse ausführlich erläutert. Besonders beeindruckend ist eine Beispielrechnung im Sonderheft, wonach ein Ehepaar im Jahr 2013 eine Riester-Rente von zusammen 430 € (Mann 300 €, Frau 130 €) erhält. Es wird in Deutschland keinen einzigen Riester-Rentner geben, der eine solch hohe Riester-Rente von monatlich 300 € erhält.

Magere Riester-Fondsrenten von Union Investment und DWS

Die Riester-Fondsrente ist weder Profi (Union Investment) noch Top (DWS), sondern nur Schmalkost für ältere Riester-Sparer und somit eher ein Flop. Geschönte Berechnungen wie im Altersvorsorgeatlas der Union Investment oder in den Zeitschriften von Guter Rat sind nur mit größter Vorsicht zu genießen, wie der Vergleich zwischen Prognose und Realität in unserer Geldtipps-News Fakten-Check zum Riester-Fondssparplan UniProfiRente zeigt.

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