Wie Paare für das Alter vorsorgen

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Dem Thema Altersvorsorge begegnen die Menschen heute mehr denn je mit großer Unsicherheit und zum Teil irrationalen Strategien. Dies gilt auch für das Vorsorgeverhalten von Paaren, wie aus der jüngsten vom Deutschen Institut für Altersvorsorge GmbH (DIA) in Auftrag gegebenen Studie hervorgeht. Dabei wurden neben der klassischen Befragung von Psychologen auch intensive zweistündige Gespräche geführt.

Die Studie „Psychologie der Altersvorsorge – Wie entscheiden Paare?“ befasst sich mit dem Vorsorgeverhalten von Paaren. Vom „Rheingold-Institut für qualitative Markt- und Medienanalysen“ wurden für die Studie Paare zwischen 25 bis 50 Jahren und einem Haushaltseinkommen von brutto 30.000 bis 90.000 € im Jahr untersucht.

Damit seien Haushalte untersucht worden, die zum einen für das Alter vorsorgen könnten und zum anderen vom Ruhestand zeitlich noch entfernt seien, sagte der Psychologe und Marktforscher Stephan Grünewald, einer der drei Autoren der nicht repräsentativen Studie.

„Bereits die Kombination der Worte Alter und Sorge konfrontiert unweigerlich mit der eigenen Sterblichkeit.“ Beliebt seien bei Paaren vor allem Produkte, die hohe Flexibilität im Alter versprächen und damit neben einer finanziellen auch eine psychologische Rendite gewährleisteten, ergänzte der Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge GmbH (DIA) Bernd Katzenstein zu den Studienergebnissen.

Der Tod wird ausgeblendet und der Ruhestand zum Dauerurlaub verklärt

Die Untersuchungsergebnisse zeigten, dass Menschen das Thema Altersvorsorge auszublenden, kleinzureden oder zu verschieben trachteten, erläuterte Grünewald. Lieber werde das heutige Leben in den Vordergrund gerückt.

Andererseits demonstriere man durch vielfältige, aber häufig unkoordinierte Aktivitäten Beweglichkeit und Lebendigkeit. Man wolle mit seinen Finanzanlagen zeigen, dass man überhaupt etwas tue, denn damit könne man sich beruhigen. Im Ergebnis habe man sechs Verhaltensmuster herausfiltern können, wobei die Palette vom Sicherheitsdenker bis zum Angsthasen reiche, so der Studienautor.

Gut jeder Zweite erweist sich als Hamsterer oder Umschichter

Betrachtet man die Häufigkeitsverteilung der sechs Verhaltensmuster, so nimmt der „hortende Hamsterer“ mit 26 Prozent den ersten Rang ein. 47,8 Prozent sind männlich und 52,2 Prozent weiblich. Dieser Typus sucht Vorteile wie staatliche Förderungen und häuft Vermögen an. Er hat aber auch immer das Gefühl, dass das Vermögen nie reichen wird.

Auf einen Anteil von ebenfalls 26 Prozent kommen die „planvollen Umschichter“ (49,5 Prozent männlich, 50,5 Prozent weiblich). Dieser Typus erweist sich als sehr organisiert und ökonomisch versiert. In jeder Lebensphase würde die Altersvorsorge komplett umgestellt, erklärte Grünewald. „Beide Partner haben das beruhigende Gefühl, die Zukunft in der Hand zu haben.“

Viele agieren eher planlos

Gut jedes siebte Paar zählt zur Gruppe der „sorglosen Ignorierer“, die sich höchst ungern mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigen (43,5 Prozent männlich, 56,5 Prozent weiblich). „Wir neigen dazu, Altersvorsorge nicht zum Thema zu machen. Die Rente ist noch 30 Jahre hin, das ist viel Zeit“, so ein Zitat aus einem Intensivgespräch.

Etwa jedes achte Paar ist den „abwartenden Angsthasen“ (44 Prozent männlich, 56 Prozent weiblich) zuzuordnen, die sich durch eine geringe Entscheidungsfreude „auszeichnen“. Deshalb würden viele Entscheidungen in einer ewigen Warteschleife verharren, während das Geld häufig auf einem Tagesgeldkonto angelegt werde.

„Lockere Verteiler“ und „getriebene Jongleure“

Auf den Typus des „lockeren Verteilers“ entfällt rund jedes neunte Paar (55,6 männlich, 44,4 weiblich). Die Anlagestrategie dieser Menschen gleiche dem Verhalten eines Eichhörnchens, erklärt Grünewald. Sie haben zwar eine Reihe unterschiedlicher Vorsorge-Depots angelegt, ohne aber genau zu wissen, wo und was man alles habe. Gleichwohl sehe man voller Zuversicht dem Alter entgegen.

Schließlich filterten die Wissenschaftler noch den „getriebenen Jongleur“ (sieben Prozent) heraus. Dieser ist typischerweise männlich (58,6 Prozent) und verfügt über eine Immobilie (67,2 Prozent). Hier werde ständig mit unterschiedlichen Anlageformen experimentiert. „Die Vorsorge-Strategie ist vielseitig, wirkt aber zugleich unsystematisch“, erklärte Grünewald.

Expertenrat für lückenlose Vorsorge

Wer wirklich sichergehen möchte, dass er für das Alter, aber auch für alle Eventualitäten wie Tod, Unfall oder Berufsunfähigkeit sinnvoll vorgesorgt hat, sollte sich von einem Versicherungsexperten umfassend beraten lassen.

Dieser kann nicht nur feststellen, welche Absicherungen bereits heute bestehen und welche Deckungslücken noch zu schließen wären. Er wird bei seiner Analyse und bei der Auswahl der möglichen Absicherungslösungen gezielt auch die finanzielle und familiäre Situation sowie die Bedürfnisse und Wünsche mitberücksichtigen.

So werden auch Risiken, die viele Paare aufgrund ihrer Ängste oder Verhaltensmuster verdrängen und die im Falle des Falles doch existenzgefährdend wären, wie das Eintreten eines Pflegefalls oder der Tod eines Partners, nicht vergessen.

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