Wer Nachholbedarf bei der Altersvorsorge hat

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(verpd) Im Auftrag einer Fondsgesellschaft hat der Finanzexperte Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen mit seinem Team das Vorsorgeniveau und die Nutzung der unterschiedlichen Vorsorgewege nach Alter, Geschlecht, Einkommen und Regionen untersucht. Dr. Raffelhüschen ist unter anderem Professor für Finanzwissenschaft und Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Die Studie zeigt, dass vor allem junge Menschen und überraschenderweise auch Gutverdiener besonders große Vorsorgelücken haben.

Nach Angaben von Prof. Dr. Raffelhüschen wurden in der aktuellen Studie die Alterssicherungs-Systeme über die sogenannten drei Schichten der Altersvorsorge untersucht. Die Forscher haben dabei Daten aus dem Mikrozensus 2009 mit weiteren Datensätzen aus anderen Erhebungen kombiniert.

Die Altersvorsorge in Deutschland basiert auf drei Säulen: Der gesetzlichen Vorsorge wie der gesetzlichen Rente, der betrieblichen Altersvorsorge, beispielsweise der Betriebsrente, und der privaten Vorsorge; dazu zählen unter anderem Riester-Verträge und Rentenversicherungen. Experten verwenden häufig auch eine andere Einteilung, nämlich das 3-Schichten-Modell. Bei dieser Klassifizierung sind im Gegensatz zum 3-Säulen-Modell für die Einteilung nicht die Träger der Altersvorsorge, sondern steuerliche Aspekte ausschlaggebend.

Gesetzliche Absicherung reicht bei Weitem nicht

Zur sogenannten Ersten Schicht zählen unter anderem die gesetzliche Rentenversicherung, die Beamtenversorgung und berufsständische Versorgung. Sie unterliegen der Kohortenversteuerung. Die Versteuerung bei der Auszahlung richtet sich hier nach einem im Rentenbeginnjahr gesetzlich festgelegten Steuersatz.

Zur zweiten Schicht zählen beispielsweise die betriebliche Altersversorgung sowie die Riester- und Rürup-Rente, also Altersvorsorgelösungen mit einer nachgelagerten Versteuerung. Die Rentenzahlungen sind entsprechend der Einkommenshöhe des Rentners voll steuerpflichtig. In die dritte Schicht fallen sonstige Kapitalanlagen, wie private Kapital- und Rentenversicherungen, Immobilienbesitz und Wertpapierdepots. Zu versteuern sind hier die Ertragsanteile.

Mit den Ansprüchen aus der ersten Schicht können die 38 Millionen Arbeitnehmer im Alter laut der Studie nur 43,3 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens ersetzen. Dies bedeute nach heutiger Kaufkraft im Durchschnitt eine Lücke von 800 € pro Monat. Eine Ausnahme stellten lediglich die Beamten dar, die größtenteils durch ihre Pensionsansprüche ausreichend versorgt seien.

Junge Menschen mit besonders großer Vorsorgelücke

Besonders dramatisch sei aufgrund der zahlreichen Rentenreformen seit dem Jahr 2001 die Versorgung der jungen Menschen zwischen 20 und 34 Jahren. Die gesetzliche Rente könne nur 38,4 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens ersetzen, heißt es in der Studie.

„Um ihren Lebensstandard auch im Alter fortführen zu können, müssen somit gerade die jüngeren Jahrgänge zusätzlich im Rahmen der zweiten Schicht vorsorgen“, schreibt Raffelhüschen in der Studie. Allerdings verfüge hier nur ein knappes Drittel dieser Altersgruppe über Ansprüche.

Insgesamt haben laut der Untersuchung rund 16,6 Millionen Erwerbstätige Ansprüche sowohl aus der ersten als auch aus der zweiten Schicht. Sie können damit im Durchschnitt 59,9 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens ersetzen und ihren Lebensstandard im Alter in etwa halten. Die Autoren gehen davon aus, dass dazu mindestens 60 Prozent des letzten Bruttoeinkommens nötig sind.

Gutverdienern fehlen 575 € im Monat

Eine Ausnahme bilden ausgerechnet Gutverdiener. Ihnen fehlen trotz privater Vorsorge in der zweiten Schicht 575 € im Monat, um auf 60 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens zu kommen. Sie müssten daher noch Geld in der dritten Schicht zurücklegen, so die Studie.

Bei den Produkten der zweiten Vorsorgeschicht setzen Gutverdiener eher auf betriebliche Altersvorsorge, während Geringverdiener eher auf die Riester-Rente setzen. Ansprüche aus allen drei Schichten besitzen laut der Studie 14,2 Millionen Erwerbstätige. Sie könnten damit im Durchschnitt 77,4 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens im Alter ersetzen.

Wer genau wissen möchte, wie hoch seine Absicherung im Alter entsprechend der aktuellen Situation sein wird und inwieweit eine Versorgungslücke besteht, erhält vom Versicherungsexperten Hilfe. Um ein mögliches Defizit zwischen dem Nettoverdienst und den derzeit zu erwartenden Altersbezügen auszugleichen, bietet die Versicherungswirtschaft diverse Vorsorgeprodukte an.

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