Walter Riester: Menschen mit geringem Einkommen profitieren überproportional von der Förderung

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Walter Riester, Arbeits- und Sozialminister a.D., ist nach wie vor von seiner Erfindung der kapitalgedeckten Altersvorsorge überzeugt. Familien mit Kindern und Geringverdiener erzielten dank staatlicher Förderung unschlagbare Eigenkapitalrenditen. Die Zeitschrift "Vorsorgetipps" hat ihn dazu befragt.

Vorsorgetipps: Herr Riester, Menschen mit geringen Einkünften und vielen Kindern, also die Gruppe, die eine besonders hohe Förderquote hätte, "riestern" oft nicht. Häufig werden Unwissenheit über die Riester-Regelungen und fehlendes Geld angeführt.

Riester: Leider haben Sie recht, aber am Geld sollte es nicht liegen. Die Einstellung im unteren Einkommensbereich, ich kann mir keine Riester-Rente leisten, ist objektiv falsch. Wir haben da definitiv ein Kommunikationsproblem. Z.B. bekommen 1,3 Millionen Aufstocker, die ergänzend zu ihrem Lohn ALG II (Hartz IV) erhalten, die Riester-Rente völlig kostenlos. Was viele nicht wissen: Die Eigenbeiträge zur Riester-Rente werden von dem auf das ALG II anzurechnende Erwerbseinkommen abgezogen (§ 11 SGB II). Ich vermute, dass 95% der Aufstocker diese Regelung einfach nicht kennen.
Das gleiche Problem haben wir übrigens auch bei denjenigen, die sehr gut verdienen. Sie meinen, die Riester-Rente lohne sich nur bei geringen Einkommen und vielen Kindern. Sie übersehen dabei die enormen Chancen, die sich durch die steuerlichen Vorteile ergeben.

Vorsorgetipps: Die nachgelagerte Besteuerung scheint viele Leute vom "riestern" abzuhalten. Irgendwie scheint vielen Menschen eine steuerliche Belastung von mehreren hundert Euro vorzuschweben.

Riester: Aber das ist doch vollkommen falsch! Der Eckrentner (45 Versicherungsjahre mit Durchschnittsverdienst, die Red.) erhält momentan eine Rente von 1.224 Euro. Derzeit zahlt ein Rentner, der sonst keine weiteren Einkünfte hat, erst dann den ersten Euro an Steuern, wenn seine Rente über 1.575 Euro liegt. Ich befürchte, dass die Durchschnittsrenten in Zukunft sinken werden und somit viele Rentner trotz des steigenden Besteuerungsanteils faktisch keine Steuern zahlen werden, weil sie den steuerlichen Grundfreibetrag von derzeit 8.004 Euro nicht überschreiten werden. Es bleibt also noch genug Luft für Leistungen aus einem Riester-Rentenvertrag, bis der erste Euro an Steuern zu zahlen ist.

Vorsorgetipps: Haben Menschen mit geringem Einkommen denn überhaupt die Möglichkeit, Geld fürs Alter zurückzulegen?

Riester: Gerade die niedrigen Einkommen profitieren doch überproportional von der Riester-Renten (hohe Förderquote, die Red.)!

Vorsorgetipps: Unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise sind aber viele Menschen abgeschreckt worden, Kapital anzusparen.

Riester: Subjektiv nachvollziehbar, objektiv ist Nichtsparen aber falsch. Es gibt kein Sparen, das so hohe Sicherheit hat, so hohe Rendite hat und so sozial angelegt ist, wie das Riester-Sparen. Keine Rücklagenbildung fürs Alter ist der falsche Weg.

Vorsorgetipps: Herr Riester, vielen Dank für das Gespräch.

Mehr zu den Möglichkeiten der staatlich geförderten Altersvorsorge lesen Sie jeden Monat aktuell in "Vorsorgetipps".

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