Vorzeitiger Rentenbeginn – lohnt sich das?

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Wer früher als regulär in Rente geht, bekommt weniger Ruhegeld. Für viele lohnt es sich dennoch, insbesondere für Männer.

Auch in Zukunft können die meisten Versicherten selbst entscheiden, ob sie über das 65. Lebensjahr hinaus arbeiten wollen. Doch für jeden Monat, den man vor der regulären Altersgrenze in Rente gehen will, beträgt der Abschlag 0,3 % der Rente – für ein Jahr also 3,6 %. Der Rentenabschlag gilt das ganze Leben lang und wirkt sich auch auf Hinterbliebenenrenten aus.

Auf die Frage, ob sich trotz Rentenabschlägen ein vorzeitiger Rentenbeginn lohnt, lautet die allgemeine Antwort: Wer lange lebt, muss auch lange die Abschläge in Kauf nehmen. Lebt man länger, als die in die Abschläge eingerechnete durchschnittliche Restlebenserwartung von Rentnern beträgt (gemäß den Zahlen des Statistischen Bundesamts), erleidet man finanzielle Nachteile.

Tipp
Wenn Sie davon ausgehen, dass Sie die durchschnittliche Rentendauer bzw. die statistische Lebenserwartung nicht erreichen, können Sie beruhigt eine Rente mit Abschlägen in Anspruch nehmen. Die Zeitspanne, in der sich die Abschläge finanziell nicht negativ auswirken, beträgt bei Frauen rund 20 Jahre, bei Männern rund 16 Jahre – gerechnet ab dem 65. Geburtstag.


Durchschnittlich 17,4 Jahre lang Rente

Die Rentenbezugsdauer ist innerhalb der letzten 50 Jahre stark gestiegen. Im Schnitt erhielten Alters- und Erwerbsminderungsrentner im Jahr 2007 für 17,4 Jahre Bezüge von der Deutschen Rentenversicherung. Männer bekamen die Rente durchschnittlich genau 15,0 Jahre lang, Frauen 19,9 Jahre lang.

Tipp
Frauen sind vom Risiko, dass sich die Abschläge insgesamt nicht lohnen, stärker betroffen als Männer.

Im Jahr 1960 betrug die durchschnittliche Rentenbezugszeit in Westdeutschland noch durchschnittlich 9,9 Jahre (9,6 Jahre bei Männern und 10,6 Jahre bei Frauen). Sie ist somit innerhalb der letzten fünf Jahrzehnte um etwa 75 % gestiegen.

Neben dem höheren Lebens- und Gesundheitsstandard und der nachlassenden körperlichen Arbeitsbelastung haben die vielfältigen Möglichkeiten des vorzeitigen Rentenbezugs die Rentenbezugsdauer in den vergangenen Jahrzehnten in die Höhe getrieben. Im Schnitt gehen in Deutschland derzeit Frauen mit 63,0 Jahren in eine der fünf verschiedenen Altersrenten, Männer mit 63,3 Jahren, obwohl die Regelaltersgrenze bei 65 Jahren liegt. Diese Anreize zur Frühverrentung werden seit etwa 10 Jahren schrittweise eingeschränkt. Außerdem steigt das Alter für den regulären Rentenbezug bis zum Jahr 2031 auf 67 Jahre. Wenn man 45 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt hat, darf man auch dann noch mit 65 Jahren eine abschlagsfreie Rente beziehen.

Wer kann jetzt noch vorzeitig in Rente gehen?

Folgende fünf Wege stehen den Versicherten weiterhin für einen vorzeitigen Rentenbeginn offen.
  • Altersrente für langjährig Versicherte: Mindestalter 63 und 35 Versicherungsjahre,
  • Altersrente für schwerbehinderte Menschen: Mindestalter 60 (steigt schrittweise auf 62) und 35 Versicherungsjahre,
  • Altersrente für langjährig unter Tage beschäftigte Bergleute: Mindestalter 60 (steigt schrittweise auf 62) und 25 Jahre mit ständigen Arbeiten unter Tage oder mit gleichgestellten Zeiten,
  • Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeitarbeit (nur noch bis Geburtsjahr 1951): Mindestalter 63, acht Jahre Pflichtbeitragszeit in den letzten zehn Jahren, insgesamt mindestens 15 Jahre Beitragszeiten,
  • Altersrente für Frauen (nur noch bis Geburtsjahr 1951): Mindestalter 60, mehr als zehn Jahre Pflichtbeiträge nach dem 40. Lebensjahr, insgesamt mindestens 15 Jahre Beitragszeiten.
Ab 2012 kommt noch die Altersrente für besonders langjährig Versicherte hinzu (Mindestalter 65 und 45 Jahre Pflichtbeiträge).

Wer für sich den passenden Weg in die Altersrente gefunden hat, steht vor zwei entscheidenden Fragen:
  • Wie viel Geld brauche ich im Alter und
  • ist meine Rente hoch genug, um mir den vorzeitigen Ruhestand leisten zu können?
Antworten auf diese Fragen können nur im individuellen Einzelfall gegeben werden.

Tipp
Wer nicht weiß, mit welcher Rente er rechnen kann, sollte einen Blick in die Renteninformation werfen, die er jährlich von der Rentenversicherung erhält.

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