Viele Selbstständige haben hohe Vorsorgedefizite

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(verpd) Die Anzahl der Selbstständigen in Deutschland ist in den letzten 30 Jahren bis 2010 stark angestiegen. Die Einmannfirmen stellen inzwischen die größte Gruppe unter den Selbstständigen, wie eine neue Analyse von Arbeitsmarktforschern zeigt. Die Einkommensunterschiede zwischen Solo-Selbstständigen und Selbstständigen mit Beschäftigten liegen 56 Monate nach der Existenzgründung zwar im Schnitt bei rund 600 € pro Monat, deuten aber nicht auf eine Armutsgefährdung hin. Betrachtet man allerdings die Altersvorsorge der Solo-Selbstständigen, stehen viele der etwa 2,5 Millionen im Alter vor einem finanziellen Problem.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat die Einkommens- und Vorsorgesituation von Solo-Selbstständigen und solchen mit Mitarbeitern untersucht.

In der Studie wird festgestellt, dass die Förderung des Staates sich bewährt habe. Unterschiedliche Förderungen führten aber auf der einen Seite vermehrt zu Solo-Selbstständigen (Ich-AG) und auf der anderen zu weniger Selbstständigen mit eigenen Beschäftigten.

So bleiben Ich-AG-Geförderte weitaus häufiger solo-selbstständig als dies bei Gründern mit Überbrückungsgeld zu beobachten ist, wie die beiden Studienautoren Dr. Hans-Dieter Gerner und Dr. Frank Wießner feststellen.

Insgesamt wurde vom Staat vor allem die Selbstständigkeit aus der Arbeitslosigkeit heraus unterstützt. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) weist zudem aktuell über 190 Fördermöglichkeiten des Bundes, der Länder und der Europäischen Union aus.

Gravierende Einkommensunterschiede zwischen West und Ost

Solo-Selbstständige erzielen den Studienangaben zufolge durchschnittliche monatliche Netto-Einkünfte bei Vollzeit von 1.897 €, Selbstständige mit Mitarbeitern 2.526 €. Ein anderes Bild zeigt sich, wenn man nach Männern und Frauen sowie nach alten und neuen Bundesländern differenziert.

Die Menschen, die mithilfe des Existenzgründungs-Zuschusses in die Ich-AG gestartet sind, weisen 56 Monate nach der Gründung durchweg geringere Einkommen aus als die mit Überbrückungsgeld geförderten.

Während eine solo-selbstständige Frau in den neuen Bundesländern im Durchschnitt nach gut viereinhalbjähriger Vollzeittätigkeit auf ein Nettoeinkommen von rund 800 € kommt, erreicht die Frau in den alten Bundesländern ein Einkommen von etwa 1.400 €. Und wären sie mit Überbrückungsgeld an den Start gegangen, wäre die Differenz ebenso gravierend.

Jeder siebte Solo-Selbstständige ist ohne eigene Altersvorsorge

Besorgniserregend ist der Studie zufolge, dass jeder siebte Solo-Selbstständige (14,3 Prozent) keinerlei Altersvorsorge hat. Und diejenigen, die vorsorgen, zahlen zu wenig ein, sodass dies wohl kein wirksamen Schutz gegen Altersarmut sein wird. Von den Solo-Selbstständigen, die private Vorsorge betreiben, hat knapp jeder Fünfte eine Absicherung von weniger als 25.000 €. Nur knapp ein Viertel verfügt über eine Altersvorsorge im Volumen von 100.000 € oder darüber.

Besser sieht die Lage bei den Selbstständigen mit Mitarbeitern aus, bei denen nur jeder Neunte unter 25.000 € liegt, dafür aber weit mehr als ein Drittel bei mindestens 100.000 €. Während ein Startkapital im Alter von 100.000 € bei einer dreiprozentigen Verzinsung 20 Jahre lang eine regelmäßige Geldentnahme von monatlich rund 550 € erlauben würde, bis das Kapital aufgezehrt ist, sind es bei 25.000 € nur rund 140 € ohne Berücksichtigung möglicher Steuerzahlungen.

Da die meisten Selbstständigen keine oder nur eine geringe zusätzliche Absicherung durch eine gesetzliche Rentenversicherung haben, ist es umso wichtiger, ausreichend privat vorzusorgen. Einige Altersvorsorge-Möglichkeiten werden auch steuerlich oder durch Zuschüsse vom Staat unterstützt.

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