So sichern Sie sich zusätzliche Finanzen bei vorzeitigem Berufsausstieg

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Wer in den Vorruhestand gehen will, sollte sich zuvor genau über die momentan geltenden Gesetze informieren. Für jedes Jahr, das man früher in Rente geht, sind Abzüge von der späteren Rente in Kauf zu nehmen.


Daher lohnt es sich, über Alternativen nachzudenken, wie z.B. Altersteilzeit, Krankengeld und Arbeitslosengeld.

Tipp
Lassen Sie sich nicht zu früh in eine Rente drängen. Oft haben Sie bei anderen Stellen Anspruch auf mehr Geld, als Ihnen die gesetzliche Rentenversicherung zahlt.


Der Reiz der Rente


Der frühzeitige Renteneintritt wird zwar mit lebenslangen Abschlägen bestraft, dennoch ist er für viele Ältere attraktiv als eine Art "Reich der Freiheit". Schließlich haben Rentner keinerlei Verpflichtungen gegenüber den Sozialversicherungsträgern. Diese Freiheit macht einen frühen Renteneintritt für viele Ältere reizvoll.

Der frühzeitige Renteneintritt wird zwar mit lebenslangen Abschlägen bestraft, dennoch ist er für viele Ältere attraktiv als eine Art "Reich der Freiheit". Schließlich haben Rentner keinerlei Verpflichtungen gegenüber den Sozialversicherungsträgern. Diese Freiheit macht einen frühen Renteneintritt für viele Ältere reizvoll.


Die finanziellen Nachteile eines frühzeitigen Beginns des Ruhestands bei der gesetzlichen Rente und der betrieblichen Altersvorsorge sind jedoch beträchtlich. Zudem sollten Sie bedenken, dass Sie in den kommenden Jahrzehnten im Schnitt wohl nur noch mit Rentensteigerungen unterhalb der Inflationsrate rechnen können. Ihr Lebensstandard wird deshalb zunehmend sinken. Daher sollten Sie alle Wege nutzen, um Ihre Rente noch zu steigern. Die naheliegende Möglichkeit ist dabei, den Renteneintritt hinauszuschieben. Dazu bestehen vielfältige Möglichkeiten.


Teilzeitarbeit mit Erwerbsminderungsrente


Statt vorzeitig in Altersrente zu gehen, gibt es für Sie u.U. die Möglichkeit, in Teilzeitarbeit zu gehen und das Teilzeitgehalt mit einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung zu koppeln. Ihr Gesamteinkommen ist dann mit einiger Sicherheit höher als bei einem Ausstieg aus dem Job und dem Bezug einer vorgezogenen Altersrente.


Tipp
Gleichzeitig vermeiden Sie Rentenabschläge bei der Altersrente und erwerben durch ihre Teilzeiterwerbstätigkeit noch weitere Rentenansprüche.


Möglich ist die skizzierte Variante, wenn Sie Ihrem bisherigen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nur in einer Teilzeitbeschäftigung (zwischen drei und unter sechs Stunden pro Tag) nachgehen können. Eine Anerkennung als Schwerbehinderter reicht allerdings nicht, um als "erwerbsgemindert" im Sinne der gesetzlichen Rentenversicherung anerkannt zu werden. Vielmehr prüft die Rentenversicherung selbst, ob die medizinischen Voraussetzungen für eine Rente wegen Erwerbsminderung erfüllt sind. Das geschieht anhand medizinischer Unterlagen, die Sie der Rentenversicherung vorlegen, sowie in vielen Fällen auf der Grundlage weiterer Gutachten, die die Rentenversicherung anfordert.
Diese Regelung gilt uneingeschränkt für alle Versicherten, die vor dem 2.1.1961 geboren wurden – also für alle älteren Arbeitnehmer. Für diejenigen, die nach dem 1.1.1961 geboren wurden, gilt kein Berufsschutz mehr. Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung können diese nur dann erhalten, wenn sie generell nur noch in der Lage sind, zwischen drei und (unter) sechs Stunden pro Tag erwerbstätig zu sein. Dabei sind auch Tätigkeiten außerhalb des ausgeübten Berufs zumutbar.


Tipp
Lassen Sie sich von der Deutschen Rentenversicherung ausrechnen, wie hoch in Ihrem Fall der erlaubte Hinzuverdienst zu einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung wäre. Ggf. lohnt es sich, die wöchentliche Arbeitszeit noch um einige Stunden "herunterzufahren", um sich den Anspruch auf die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung zu erhalten. Falls für Sie die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung nicht infrage kommt, können Sie u.U. eine Teilrente erhalten. Hier gelten allerdings ungünstigere Hinzuverdienstregeln.


Krankengeld geht vor


Viele ältere Arbeitnehmer sind gesundheitlich angeschlagen – und sehnen häufig auch aus diesem Grund den Ruhestand herbei. Doch vom Grundsatz her ist für Leistungen an kranke Arbeitnehmer die Krankenkasse und nicht die Rentenversicherung zuständig. Ältere haben genauso wie Jüngere Anspruch auf Krankengeld, wenn sie arbeitsunfähig sind – und zwar auf maximal 78 Wochen, wobei die Zeit der Lohnfortzahlung des Arbeitgebers angerechnet wird.

Tipp
Für Kranke lohnt es sich in aller Regel, zunächst Krankengeld und erst später Rente zu beziehen. Das Krankengeld fällt auch mit dem Erreichen des derzeitigen Rentenregelalters von 65 Jahren nicht automatisch fort. § 51 Abs. 2 SGB V regelt vielmehr, dass die Krankenkasse Krankengeldbeziehern ab 65, die die Voraussetzungen für den Bezug der Regelaltersrente oder Altersrente aus der Alterssicherung der Landwirte bei Vollendung des 65. Lebensjahres erfüllen "eine Frist von zehn Wochen setzen (kann), innerhalb der sie den Antrag auf diese Leistung zu stellen haben". Wird der Rentenantrag dann nicht gestellt, entfällt nach Absatz 3 "der Anspruch auf Krankengeld mit Ablauf der Frist".


Bei Krankheit gewährt der Arbeitgeber bis zum letzten Tag des Beschäftigungsverhältnisses Lohnfortzahlung, wenn der in der Regel sechswöchige Lohnfortzahlungszeitraum noch nicht beendet ist. Anschließend zahlt die Krankenkasse nahtlos Krankengeld. Die Höhe des Krankengelds ist gesetzlich vorgeschrieben und beträgt 70 Prozent des Bruttoverdiensts, aber nicht mehr als 90 Prozent des Nettoverdiensts. Vom Krankengeld sind i.d.R. Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung zu zahlen.


Beispiel: Wer vor seiner Krankheit als Arbeitnehmer zuletzt monatlich 2500 Euro brutto verdient hat, kann als Krankengeld monatlich netto, also nach Abzug der genannten Beiträge zur Sozialversicherung, etwa 1340 Euro im Monat erhalten.


Tipp
Das Krankengeld ist in der Regel deutlich höher als die Altersrente, die Sie stattdessen beziehen könnten. Außerdem sind Zeiten des Bezugs von Krankengeld für die Rente fast so viel wert wie "normale" beitragspflichtige Beschäftigungszeiten. Allerdings prüft die Krankenkasse nach langer Krankheit die Berentung.


Die Beiträge zur Rentenversicherung sollen Nachteile bei der Rente vermeiden. Die Krankengeldzeiten zählen als Pflichtbeitragszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung und werden dem zuständigen Rentenversicherungsträger von der Krankenkasse gemeldet. Sie werden dabei nicht vom Zahlbetrag des Krankengelds berechnet, sondern auf Basis einer fiktiven Bemessungsgrundlage – und zwar ausgehend von 80 Prozent des zugrunde liegenden Arbeitsentgelts. Entsprechend ist auch ein Jahr Krankengeld-Bezug für die Rente so viel wert wie 80 Prozent des vorausgegangenen Beschäftigungsjahrs.


Tipp
Wer als 60-Jähriger ein Jahr Krankengeld bezieht und deshalb ein Jahr später in Rente geht, vermeidet auch Rentenabschläge in Höhe von 3,6 Prozent. Die Rente steigt also doppelt: Zum einen durch die Rentenbeiträge in der Krankheitszeit und zum anderen dadurch, dass Abschläge vermieden werden.


Arbeitslosengeld beanspruchen


Wer mit 60 oder 61 Jahren seinen Arbeitsplatz verliert, hat genauso wie ein jüngerer Arbeitnehmer Anspruch auf Arbeitslosengeld. Diesen Anspruch zu nutzen lohnt sich, weil Sie so erst später in Rente zu gehen brauchen.


Arbeitnehmer ab 58 Jahren, die ihre Arbeit verlieren, können inzwischen wieder 24 Monate Arbeitslosengeld erhalten. Voraussetzung hierfür ist, dass die Betroffenen innerhalb der letzten fünf Jahre vor dem Eintritt der Arbeitslosigkeit vier Jahre lang versicherungspflichtig beschäftigt waren. Zeiten des Bezugs von Krankengeld zählen dabei genauso wie Beschäftigungszeiten. Auf die Versicherungsleistung haben die Betroffenen durch ihre Beitragszahlung einen Rechtsanspruch erworben. Dabei handelt es sich also keineswegs um ein Almosen. Niemand sollte daher vor einem Antrag zurückschrecken.


Wer arbeitslos ist und die Voraussetzungen für das Arbeitslosengeld erfüllt, kann dieses bis zum regulären Rentenalter erhalten (maximal 24 Monate lang). Mit dem schrittweisen Übergang zur Rente ab 67 wird auch die Altersgrenze der Arbeitslosenversicherung Schritt für Schritt auf 67 Jahre angehoben. Für die Jahrgänge, die 1946 oder früher geboren wurden, gibt es Arbeitslosengeld maximal so lange, bis ein Arbeitnehmer 65 Jahre alt ist.


Tipp
Das gilt auch dann, wenn der Betroffene sich für ein vorgezogenes Altersruhegeld entscheiden könnte, statt Arbeitslosengeld zu beziehen. Ob ein Anspruch auf eine Altersrente besteht, geht die Arbeitsagenturen nichts an.


Drei Argumente für Arbeitslosengeld


Ob Sie Arbeitslosengeld oder Rente beziehen, ist keinesfalls gleichgültig. Drei wichtige finanzielle Gründe sprechen häufig gegen die vorzeitige Rente und für den weiteren Bezug der Leistungen der Arbeitsagentur:


  • Arbeitslosengeld fällt meist höher aus als die Rente.

  • Die Zeit des Bezugs von Arbeitslosengeld erhöht die Rente, wobei hier die gleichen Regeln gelten wie beim Krankengeld.

  • Die Rentenabschläge fallen bei einem späteren Beginn der Rente niedriger aus oder entfallen ganz.


Gründungszuschuss für Entschlossene


Warum sollten ältere Arbeitnehmer ihre meist umfangreichen beruflichen Erfahrungen nicht nutzen, um sich vor dem Renteneintritt einige Jahre selbstständig zu machen und ggf. in der Rente die selbstständige Tätigkeit noch nebenher fortzuführen?


Auch Ältere haben dabei Anspruch auf den Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit.
Die neuen Regeln für die Förderung von arbeitslosen Existenzgründern sind besonders für Arbeitslose mit hohem Arbeitslosengeld vorteilhaft – und damit besonders für ältere Arbeitslose, die zuletzt häufig höhere Einkünfte hatten. Wer vor der Arbeitslosigkeit monatliche Bruttoeinkünfte in Höhe der Beitragsbemessungsgrenze zur Rentenversicherung hatte, kann maximal einen Gründungszuschuss in Höhe von monatlich 2574,60 Euro erhalten. Dieser Wert gilt für Arbeitslose aus den alten Bundesländern mit Steuerklasse III, die ein Kind haben, für das sie Kindergeld erhalten. Der Maximalbetrag setzt sich folgendermaßen zusammen: 2274,60 Euro ALG I können die Betroffenen monatlich als ALG I und als Gründungszuschuss erhalten (für maximal neun Monate). Hinzu kommt für bis zu 15 Monate eine Pauschale in Höhe von 300 Euro für die soziale Absicherung.

Tipp
Der Gründungszuschuss wird nur denn gewährt, wenn hierdurch Arbeitslosigkeit beendet wird. Wer diese Leistung beziehen will, muss sich demnach für mindestens einen Tag arbeitslos melden und Arbeitslosengeld beantragen. Wer seinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I bereits völlig aufgebraucht hat, kann den Gründungszuschuss nicht erhalten. Die Leistung wird nur dann gezahlt, wenn bei Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit noch mindestens ein Restanspruch auf drei Monate Arbeitslosengeld I besteht.

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