Sind die Betriebsrenten wirklich krisensicher?

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Die betriebliche Altersversorgung bleibt nicht unbeeinträchtigt durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Rückstellungen deutscher Unternehmen für Betriebsrenten sind durch die Finanzkrise um viele Milliarden Euro geschrumpft. Deshalb könnten in diesem und im nächsten Jahr die Anpassungen ausfallen. Schlimmstenfalls drohen sogar Kürzungen. Was tun?

Wegen ihrer "konservativen" Anlagestrategie sind die Gelder der deutschen Versorgungswerke zwar nur in geringem Umfang in Aktien investiert, sodass sie weniger unter den Kurseinbrüchen gelitten haben als in den USA, wo 20 bis 40 Prozent der Finanzwerte verloren gingen. Allerdings sind sie umso stärker von den deutlichen Zinssenkungen betroffen, mit denen der Krise begegnet wurde.

Mit Einbußen ist zu rechnen

Durch die Finanz- Wirtschaftskrise sind Dellen in der Finanzierung der Betriebsrenten entstanden, aber keineswegs tiefe, die Stabilität der Versorgungssysteme gefährdende Löcher. So lässt sich die Stellungnahme der "Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba)" zusammenfassen. Aufgrund der Langfristigkeit der Kapitalanlage bestehe zudem Hoffnung, dass die Dellen in den kommenden Jahren wieder ausgeglichen werden können.

Darüber hinaus weist das deutsche Betriebsrentensystem laut "aba" bessere Schutzmechanismen auf als andere europäische oder amerikanische Systeme der betrieblichen Altersversorgung. Betriebsrentner müssten hier am Ende nicht leer ausgehen, selbst dann nicht, wenn eine Versorgungseinrichtung oder der Arbeitgeber teilweise oder ganz ausfallen sollte.

Sicherheit hat ihren Preis

Deutsche Betriebsrentner können seit Einführung der gesetzlichen Insolvenzsicherung durch den Pensions-Sicherungs-Verein im Jahre 1975 darauf vertrauen, dass der Nominalwert ihrer Renten zuverlässig gesichert ist. Mögliche Zuwächse wie Anpassungen und Überschussbeteiligungen in den versicherungsförmigen Durchführungswegen hängen zwar von aktuellen Entwicklungen ab, aber in Deutschland muss niemand wegen einer "Rentenkrise" länger berufstätig bleiben.

Diese relative Stabilität des Betriebsrentensystems hat freilich ihren Preis. Die Renditen der Versorgungseinrichtungen werden deutlich sinken. Doch die Versorgungsberechtigten werden am Ende nicht leer ausgehen. Versprochene Mindestverzinsungen oder zumindest Kapitalerhaltungsgarantien verbunden mit einem garantierten Insolvenzschutz stellen das sicher. Hoffnungen auf hohe Überschussbeteiligungen werden freilich erst wieder in ferner Zukunft erfüllt werden können.

Die Betriebsrentenanpassungen dürften in diesem und im nächsten Jahr niedriger ausfallen als in der Vergangenheit. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage könnten viele Unternehmen Anpassungen unterlassen oder sogar Kürzungen vornehmen.

Tipp
Krisensicher sind die Betriebsrenten keineswegs und es gibt auch keine staatliche "Betriebsrentengarantie". Einige Arbeitgeber nutzen die derzeitigen Verunsicherungen, um die Betriebsrenten einzufrieren, abzuschmelzen oder deren Zahlung gänzlich einzustellen. Betriebsrentner müssen deshalb darauf achten, ob ihr ehemaliger Arbeitgeber bei der Aussetzung von Erhöhungen von Betriebsrenten oder bei Kürzungen rechtlich einwandfrei argumentiert und seine Finanzlage korrekt dokumentiert. Wird eine Anpassung von Betriebsrenten mit der Begründung abgelehnt, sie würde zu einer übermäßigen wirtschaftlichen Belastung führen, trägt der Arbeitgeber die Darlegungs- und Beweislast. Oft werden erst wenn Betriebsrentenbezieher hartnäckig nachfragen in persönlichen Gesprächen einvernehmliche Einzelfalllösungen verschiedenster Art angeboten. Diese Einzelfallentscheidungen sind jedoch mit einer Schweigepflicht verbunden, um eine Anpassungslawine zu verhindern.

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