Rürup-Rente: Rentabel, aber missachtet

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Die meisten Selbstständigen und Arbeitnehmer wissen, dass sie für ihren Ruhestand eine zusätzliche Altersvorsorge anlegen müssen. Dennoch besteht darüber nach wie vor großer Informationsbedarf, wie die Ergebnisse einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Hamburger Versicherers Condor zeigt.

Unsicher und schlecht informiert fühlen sich Selbstständige, Freiberufler und Angestellte, wenn es um die staatlich geförderte Rürup-Rente (Basis-Rente) geht. Rund drei Viertel (74 Prozent) der Befragten halten sich für "schlecht oder gar nicht" informiert. Fast die Hälfte (48 Prozent) ist nicht in der Lage, einzuschätzen, welche Variante der staatlich geförderten Rentenmodelle "Riester" oder "Rürup" für sie sinnvoller ist. Nur rund ein Viertel der Befragten glaubt sich "gut oder sehr gut informiert".

Lediglich jeder zehnte Selbstständige und Freiberufler nutzt derzeit die steuerlich geförderte "Basis-Rente", wie die Rürup-Rente offiziell heißt. Nur 15 Prozent planen nach eigenen Angaben in absehbarer Zeit einen Vertragsabschluss. Damit verzichten 75 Prozent auf diese Form der geförderten Altersvorsorge.

Eine Erklärung für die Zurückhaltung der potenziellen Rürup-Zielgruppe liefert die Finanzkrise. So wollen 27 Prozent der Studienteilnehmer geplante Verträge erst einmal zurückstellen. Jeder Zehnte hat laufende Verträge überprüft und die Beitragszahlungen verringert. Immerhin die Hälfte der Befragten hält dagegen an ihrer Altersvorsorge fest und will angesichts der Finanzkrise nichts an bestehenden Verträgen verändern.

Doppelter Steuerspareffekt

Das geringe Interesse an der Rürup-Rente liegt vor allem an der Komplexität dieser Vorsorgeform, bei der steuerliche Aspekte eine große Rolle spielen. Doch nicht nur für Selbstständige und Freiberufler, sondern auch für Arbeitnehmer kurz vor der Rente lohnt sich diese staatlich geförderte Altersvorsorge auf zweifache Weise. Sie können von einem doppelten Steuerspareffekt profitieren.

Beispiel: Ein 60-jähriger Angestellter, der fünf Jahre in seinen Vertrag für eine Basis-Rente einzahlt, kann in diesem Jahr 68 Prozent seiner Beiträge von der Steuer absetzen (jedes Jahr zwei Prozentpunkte mehr). Im letzten Jahr seiner Beitragszahlungen (2013) sind es 76 Prozent. Im Schnitt macht das 72 Prozent absetzbare Beiträge. Wenn der Angestellte die Rente auszahlen lässt, im Jahr 2014 und in den folgenden Jahren, muss er aber nur 68 Prozent seiner Rente versteuern.

Der Sparer profitiert steuerlich doppelt: Erstens kann er seine Beiträge in den fünf Beitragsjahren stärker von der Steuer absetzen, als er die Renteneinnahmen später versteuern muss. Er muss die Beiträge also nicht in voller Höhe allein tragen. Zweitens ist der Steuersatz im Alter in der Regel niedriger ist als während der Erwerbstätigkeit – der zweite Steuerspareffekt. Viele Rentner müssen sogar überhaupt keine Steuern mehr zahlen, weil ihre Einkünfte unter dem Grundfreibetrag liegen. Außerdem – und das ist der eigentliche Hauptnutzen – bekommt der Anleger eine lebenslange Rente ausgezahlt.

Tipp
Da die Rürup-Rente ähnlich streng reguliert ist wie die Riester-Rente, unterscheiden sich die Angebote im Wesentlichen durch die Vertriebs- und Verwaltungskosten, die sich in der Rendite niederschlagen. Ein Direktversicherer mit niedrigen Kosten, kann also durchaus zu den renditestärksten Anbietern gehören.

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