Riester-Rente: Staatliche Zuschüsse werden weitgehend ignoriert

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Zwei aktuelle Studien zeigen auf, dass weniger als die Hälfte der über 30 Millionen Anspruchsberechtigten bisher einen Riester-Vertrag abgeschlossen hat. Von denen, die das immerhin schon geschafft haben, nutzen über die Hälfte die Möglichkeiten nicht aus, Zulagen zu bekommen.

Die Bundesbürger verschenken dadurch insgesamt rd. 3,5 Mrd. Euro an potenzieller Riester-Förderung. Aktuell wurden bisher 14 Mio. Riester-Verträge abgeschlossen – das wäre also die Hälfte der rund 28 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Hinzu kommen aber noch weitere Gruppen wie Beamte, Soldaten und geringfügig Beschäftigte sowie selbstständig tätige Ehepartner von Förderberechtigten, die ebenfalls einen Anspruch auf einen staatlich geförderten Riester-Vertrag haben.

Knappe Milliarde Euro verschenkt

Den vollen Nutzen von der Riester-Rente hat ein Sparer dann, wenn er die Zulagen komplett ausschöpft und 4 Prozent seines Vorjahresbruttoeinkommens – maximal 2.100 Euro – einschließlich der Zulagen in den Vertrag einzahlt.

Ein beträchtlicher Teil der Riester-Sparer verzichtet allerdings auf diese Möglichkeit, wie die Studie "Vorsorgeatlas Deutschland" ergab, die vom Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg erstellt wurde. Nach den Berechnungen der Autoren verschenkten die Sparer allein im Beitragsjahr 2007 rund 977 Mio. Euro an Zulagen. Das sind rund 40 Prozent der maximal erhältlichen Zulagen.

Rund ein Viertel der Riester-Sparer stellte 2007 gar nicht erst den erforderlichen Antrag. Dadurch entgingen ihnen 660 Mio. Euro an Zulagen. 313 Mio. Euro an Zulagen entfielen, weil deren Potenzial nicht ausgeschöpft wurde. Denn 40 Prozent der Sparer zahlten den erforderlichen Mindest-Eigenbeitrag nicht ein, der 2007 bei 3 Prozent des sozialversicherungspflichtigen Bruttoeinkommens des Vorjahrs lag und maximal 1.575 Euro hoch sein konnte.

So funktioniert die Riester-Rente

Alle rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer und deren Ehepartner sowie alle Beamten und deren Ehepartner haben Anspruch auf Zulagen: für jeden Erwachsenen 154 Euro p.a. und für jedes Kind 185 Euro p.a.. Die volle Zulage erhält, wer 4 Prozent seines rentenversicherungspflichtigen Vorjahresbruttoeinkommens (maximal 2100 Euro p.a.) abzüglich der Zulagen in einen zertifizierten Vorsorgevertrag (Rentenversicherung, Bank- oder Fondssparplan sowie Bausparvertrag oder Immobiliendarlehen) einzahlt.

Vorteile der Riester-Rente

  • Auch Fonds- und Banksparpläne sowie selbstgenutztes Wohneigentum werden gefördert,
  • die Beiträge sind steuerfrei,
  • zusätzliche Zulagen bspw. für Familien mit Kindern erhöhen die Förderquote,
  • das Kapital ist pfändungssicher,
  • 30 Prozent des angesparten Kapitals können bei Beginn der Rente ohne Verlust der Förderung entnommen werden.

Tipp
Für Arbeitnehmer mit Anspruch auf die Kinderzulagen gibt es keine lukrativere Altersvorsorge. Stellen Sie einen "Dauerzulagenantrag". Doch bedenken Sie: Da die Höhe der geförderten Beiträge begrenzt ist, reicht eine Riester-Rente allein nicht aus, um die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente auszugleichen und den gewohnten Lebensstandard auch im Ruhestand zu bewahren. Eine weitere private Rentenversicherung kann durchaus sinnvoll sein.

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