Rentenreform: Schutzklausel verringert künftige Rentenerhöhungen

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Auch diejenigen, die bereits eine gesetzliche Rente beziehen, sind von der erneuten Rentenreform betroffen. Sie müssen mit langfristig stagnierenden Renten rechnen.

Nach dem Willen der Bundesregierung soll es nach den Rentennullrunden in den Jahren 2004, 2005 und 2006 auch in den Jahren 2007 und 2008 keine Rentenerhöhung geben. Für die Jahre 2009 und 2010 werden Anhebungen von jeweils 0,2 Prozent in Aussicht gestellt. Dieses Einfrieren des Rentenwerts führt wegen steigender Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung zu geringeren Rentenauszahlungen. Außerdem müssen Neurentner jahrgangsweise höhere Anteile ihrer Rente versteuern. Zusätzlich bewirkt die Geldentwertung reale Einbußen bei der Kaufkraft der Rentner. In den fünf Jahren mit Nullrunden (2004 bis 2008) beträgt der Verlust durch Inflation bei einer Inflationsrate von jährlich 2 Prozent rund 10 Prozent der Rente.

Doch es kommt noch schlimmer: Eigentlich hätte in den Jahren 2005 und 2006 wegen des Riester- und des Nachhaltigkeitsfaktors der Rentenwert von 26,13 Euro pro Entgeltpunkt (alte Bundesländer) sogar gesenkt werden müssen. Aus politischen Gründen wurden diese Kürzungen in die Zukunft vertagt. Deshalb soll im Gesetz zur „Rente mit 67“ auch das Nachholen unterlassener Rentenkürzungen in diesen beiden Jahren geregelt werden. Dieser bisher sogenannte Nachholfaktor heißt künftig „modifizierte Schutzklausel“.

Diese Klausel soll von 2011 an in der Form wirken, dass die Hälfte einer möglichen Rentenerhöhung für das Nachholen ausgefallener Rentenkürzungen verwendet wird. Dadurch werden die geringen Rentenerhöhungen, die bei guter Konjunktur möglich erscheinen, nochmals halbiert. Diese "Schutzklausel“ bewirkt dadurch eine weit größere Rentenkürzung als die durch die Anhebung der Regelaltersgrenze. Durch die Anhebung der Altersgrenze erfolgt eine Kürzung der Rente um durchschnittlich 7,2 Prozent. Der Nachhaltigkeitsfaktor mit modifizierter "Schutzklausel“ führt bei angenommenen jährlichen Lohnzuwächsen zwischen 0 und 5 Prozent in den kommenden 40 Jahren zu einer Kürzung der Rentenkaufkraft um durchschnittlich 33 Prozent. Ohne die "Schutzklausel“ würde das Rentenniveau in den kommenden 40 Jahren lediglich um 18 Prozent sinken.

Für den Laien ist diese Rentenkürzung nur deshalb nicht so offenkundig, weil nominell die ausgezahlten Renten per Saldo weiter steigen. Allerdings fällt die Rentenanhebung um 33 Prozent niedriger aus als sie eigentlich sein müsste.

Geldtipp

Die gesetzliche Rentenversicherung verliert immer mehr ihre frühere Funktion, den Lebensstandard im Ruhestand zu sichern. Deshalb empfiehlt es sich, die zunehmende Lücke zwischen der gesetzlichen Nettorente (Rentenanspruch abzüglich Steuern und Beiträge zu Kranken- und Pflegeversicherung) und dem früheren Nettogehalt durch zusätzliche private Altersvorsorge zu überbrücken. Dazu bieten sich in erster Linie die staatlich geförderten Vorsorgeprodukte an: Riester-Rente, Betriebsrente (Bruttogehaltsumwandlung) und Rürup-Rente. Aber auch die private Rentenversicherung könnte für Rentner mit hoher Steuerlast überlegenswert sein, weil sie bei Bezug ab dem 65. Lebensjahr nur zu 18 Prozent besteuert wird.

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