Rentenreform: Länger arbeiten oder höhere Abschläge hinnehmen

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Das Renteneintrittsalter soll ab dem Jahr 2012 schrittweise auf 67 Jahre angehoben werden. Für die Geburtsjahrgänge vor 1947 ändert sich nichts. Der Jahrgang 1947 muss einen Monat länger arbeiten. Für die folgenden Jahrgänge bis 1958 verlängert sich die Lebensarbeitszeit pro Jahr um einen weiteren Monat. Die Jahrgänge 1959 bis 1964 können jeweils erst weitere zwei Monate später in Rente gehen. Der Geburtsjahrgang 1964 ist dann der erste, der bis zum 67. Geburtstag arbeiten muss. Er kann erst im Jahr 2031 in Rente gehen statt nach altem Recht im Jahr 2029.

Ausnahmen von der Anhebung der Altersgrenzen gibt es für „besonders langjährig Versicherte“ mit 45 Beitragsjahren, für Erwerbsgeminderte, für Schwerbehinderte, Witwen und Bergleute. Bei der neuen Altersrente für besonders langjährig Versicherte mit 45 Pflichtbeitragsjahren zählen Erziehungszeiten bis zum zehnten Lebensjahr des jüngsten Kindes als Berücksichtigungszeiten hinzu.

Beispiel:
Bei Geburten in den Jahren 1982, 1985 und 1988 erhält die Mutter die Zeit von 1982 bis 1998, also 17 Jahre, als Erziehungszeit angerechnet.

Die Ausnahmeregelung nach 45 Jahren Pflichtbeitrags- und Berücksichtigungszeit kann allerdings nicht vorzeitig mit entsprechend verringerten Abschlägen in Anspruch genommen werden. Wer bereits vor dem 65. Lebensjahr auf 45 Beitragsjahre kommt, muss abwarten, bis er das 65. Lebensjahr vollendet hat. Im Jahr 2005 wurden bundesweit rund 147.000 Alters- und Erwerbsminderungsrenten mit mindestens 45 Beitragsjahren bewilligt. Diese Anzahl wird freilich durch die Anhebung der Altersgrenzen erheblich ansteigen. Derzeit können 21,5 Prozent der Männer und 4,2 Prozent der Frauen 45 Beitragsjahre vorweisen. Künftig werden das 29,8 Prozent der Männer und 10,7 Prozent der Frauen erreichen. Das geht aus Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung hervor.

Durch die um zwei Jahre längere Rentenbezugsdauer wird den Beziehern dieser neuen Rente für besonders langjährig Versicherte eine um durchschnittlich 7,2 Prozent höhere Gesamtrente gezahlt. Die Rendite ihrer eingezahlten Beiträge liegt demnach wesentlich über der Rentenrendite anderer Rentner. Der Sachverständigenbeirat, der Sozialbeirat, die Arbeitgeber und die Gewerkschaften sehen darin eine verfassungswidrige Ungleichbehandlung – mal ganz abgesehen davon, dass die besonders langjährig Versicherten ohnehin mehrheitlich zu den Besserverdienern gehören. Sie verfügen über durchschnittlich 57 Entgeltpunkte, sprich Anspruch auf Euro 1.489,41 Monatsrente. Zum Vergleich: Durchschnittsverdiener haben nach 45 Beitragsjahren 45 Entgeltpunkte, die aktuell Euro 1.174,50 Monatsrente ergeben.

Die Altersgrenze für die Altersrente für langjährig Versicherte mit 35 Beitragsjahren wird nicht um zwei Jahre erhöht, sondern nur um ein Jahr von bisher 62 auf 63 Jahre. Die Abschläge steigen dadurch um weitere 3,6 Prozent auf 14,4 Prozent vier Jahre vorzeitigen Rentenbeginns an für diejenigen, die mit 63 in Rente gehen wollen und deren Rentenbeginn dementsprechend vier Jahre vor dem regulären Rentenbeginn mit 67 liegt.

Keine höheren Abschläge gibt es bei der Rente wegen Erwerbsminderung. Da für eine Erwerbsminderungsrente mit Abschlag die künftige Altersgrenze 62 Jahre als frühester Bezugszeitpunkt gilt (vor der Reform 60 Jahre), beträgt der maximale Abschlag für Versicherte, die vor dem 62. Lebensjahr erwerbsgemindert werden, weiterhin 10,8 Prozent der Monatsrente.

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