Rentenbesteuerung: Welche Rentner müssen für 2009 Steuern zahlen?

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Viele Rentner wurden vom Finanzamt aufgefordert, bis 31.5.2010 eine Steuererklärung für 2009 oder eventuell weitere Jahre einzureichen. Was ist dabei anzugeben?

Ob man als Rentner Steuern zahlen muss und wie viel, hängt davon ab,


  • in welchem Jahr man in Rente gegangen ist,

  • welche Art von Rente man bezieht und

  • welche Einkünfte man selbst oder der steuerlich gemeinsam veranlagte Ehepartner außerdem erzielt.

Bei der gesetzlichen Rente muss jeder neue Jahrgang von Rentnern einen größeren Anteil seiner Jahresbruttorente versteuern, bis im Jahr 2040 die komplette Rente steuerpflichtig ist. Seit 2005 verschiebt sich somit die Steuerlast immer mehr vom Erwerbsleben ins Alter. Im Gegenzug werden Berufstätige zunehmend entlastet, weil sie ihre Altersvorsorge-Aufwendungen seit 2005 zu immer höheren Anteilen in der Steuererklärung geltend machen können.

Die nachgelagerte Besteuerung startete 2005 mit einem steuerpflichtigen Rentenanteil von 50 Prozent. Alle, die in jenem Jahr zum ersten Mal eine gesetzliche Rente bekamen, sowie alle, die vorher schon Rente bekamen, müssen seither die Hälfte davon versteuern. Der Freibetrag der übrigen 50 Prozent wird auf Lebenszeit festgeschrieben. Wer sich im Jahr darauf, also 2006, aus dem Arbeitsleben verabschiedete, muss bis zum Lebensende 52 Prozent davon versteuern – seine Hinterbliebenen übrigens auch.

Die stufenweise Anhebung um jährlich 2 Prozent läuft bis zum Jahr 2020. Ein Neurentner ist dann schon mit 80 Prozent seiner Rente dabei. Ab 2020 wird der steuerpflichtige Anteil jährlich nur noch um 1 Prozent erhöht. Das wird so lange gemacht, bis im Jahr 2040 die 100-Prozent-Besteuerung erreicht ist. Ab dann muss jeder Neu-Ruheständler seine komplette gesetzliche Rente mit seinem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern.

Wie viel von der Staatsrente steuerfrei ist

Wer 2009 in den Ruhestand gegangen ist und ausschließlich von seiner gesetzlichen Rente lebt, muss als Alleinstehender bis zu einem Monatsbetrag von 1.361 Euro ( 16332 Euro Jahresrente) keine Steuern zahlen.
Bei Verheirateten ohne Nebeneinkünfte fallen für Neurentner erst ab einer Monatsrente von knapp 2.722 Euro (32.664 Euro Jahresrente) Steuern an. Damit bleiben Durchschnittsrenten ohne Nebeneinkünfte derzeit noch vom Fiskus verschont.
Bei Neurentnern des Jahres 2010 bleiben 40 Prozent der Bruttorente steuerfrei. Dieser Teil bleibt als individueller Freibetrag konstant während der gesamten Rentenbezugszeit und wächst bei etwaigen Rentenanpassungen nicht mit. Jeder Rentenerhöhung folgt also zwangsläufig eine Steuererhöhung. Für kommende Rentnerjahrgänge sinkt der steuerfreie Anteil der Rente immer weiter, z.B. bei einem Rentenbeginn 2011 auf 38 Prozent, 2020 auf 20 Prozent. Daher müssen in den kommenden Jahren immer mehr Rentner Einkommensteuer zahlen, selbst wenn sie keine weiteren Einkünfte erzielen.
Der Rentenfreibetrag wird aus der Summe aller Rentenzahlungen im ersten vollen Rentenjahr errechnet.

Beispiel

Ein Rentner erhält seit 1.8.2008 monatlich 1.000 Euro Rente. Im ersten Kalenderjahr des Rentenbezugs waren 56 Prozent der Bruttorente der Monate August bis Dezember 2008 steuerpflichtig. Durch die Rentenanpassung zum 1.7.2009 erhöht sich seine Rente auf 1024,10. Sein fester Rentenfreibetrag ergibt sich aus 44 Prozent seiner Bruttorente im Jahr 2009 in Höhe von 12145 Euro und liegt bei 5344 Euro. Auch wenn sich seine Rente künftig weiter erhöht, bleibt dieser Freibetrag unverändert und der zu versteuernde Anteil der Rente steigt genau um den Betrag der Rentenerhöhung.

Privatrente

Bei Rentenzahlungen aus privaten Versicherungsverträgen richtet sich die Steuer nach dem Alter bei Rentenbeginn. Wer mit 60 Jahren erstmals Geld aus einer privaten Rentenversicherung bekommt, muss sich lebenslang auf einen zu versteuernden Ertragsanteil von 22 Prozent der Rente einstellen. Mit 65 sind es nur noch 18 Prozent der Rente.
Im Vergleich zu Rentnern mit gesetzlicher Rente kommen Privatrentner beim Fiskus also ausgesprochen glimpflich weg. Der Ertragsanteil ist der Gewinn, der durch Zins und Zinseszins entsteht. Dieser ist mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern.
Weiterer Vorteil von Privatrenten: Auf die Rentenzahlungen fallen für gesetzlich versicherte Rentner keine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge an. Nur wer im Ruhestand freiwillig gesetzlich krankenversichert ist, muss Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen.

Berufsunfähigkeitsrente

Auszahlungen aus einer privaten Berufsunfähigkeitsrente sind mit dem Ertragsanteil steuerpflichtig. Bei sogenannten abgekürzten Renten, die nur für einen bestimmten Lebenszeitraum gezahlt wird wie die Berufsunfähigkeitsrente, bemisst sich die Höhe des Ertragsanteils und damit die Steuer nach der Dauer der Rentenzahlung. Läuft die Rentenzahlung z.B. 10 Jahre lang, beträgt der für die Steuer relevante Ertragsanteil 12 Prozent, läuft die Rente 20 Jahre, sind es 21 Prozent.

Riester-Rente


Riester-Verträge sind von der Abgeltungsteuer befreit. Für Zinsen und Kapitalerträge fallen in der Ansparphase keine Steuern an. Dafür sind die Leistungen aus den geförderten Vorsorgeverträgen voll steuerpflichtig.
Wie hoch die Steuerlast tatsächlich ausfällt, hängt vom Gesamteinkommen des Ruheständlers ab. Bei hohen Nebeneinkünften müssen Rentner damit rechnen, dass sie mit 30 Prozent oder sogar mehr dabei sind.

Rürup-Rente


Die Rürup- oder Basis-Rente wird analog zur GRV besteuert, also nachgelagert, bei Rentenbezug im Alter. Der steuerpflichtige Teil nimmt für jeden Jahrgang von Neu-Rentnern zu. Sparer, die z.B. ab 2010 ihre Rente erhalten, zahlen lebenslang auf 60 Prozent der Summe Steuern. Bei 100 Euro Auszahlung versteuert der Ruheständler also 60 Euro mit seinem persönlichen Steuersatz. Ab 2040 müssen auch Rürup-Renten zu 100 Prozent versteuert werden.

Betriebsrente


Auszahlungen aus einer betrieblichen Altersversorgung sind voll steuerpflichtig. Bei bestimmten Betriebsrenten kann der Altersentlastungsbetrag abgezogen werden. Dieser wird freilich seit 2005 immer weiter abgeschmolzen. Ein entsprechendes Alter unterstellt gibt es doch den Versorgungsfreibetrag, dann aber keinen Altersentlastungsbetrag. Neben der Steuer fallen auf Betriebsrenten außerdem volle Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung an. Derzeit müssen Betriebsrentner daher 16,85 Prozent ihrer Betriebsrente für die Gesundheit abgeben: Sie zahlen sowohl den Arbeitnehmer- als auch der Arbeitgeberanteil von 7,9 bzw. 7,0 Prozent und die Beiträge zur Pflegeversicherung von mindestens 1,95 Prozent. Für gesetzlich Krankenversicherte schmälert diese Regelung die Attraktivität der Betriebsrenten ganz erheblich.

 

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