Rentenanpassung 2010: Droht eine Rentenkürzung?

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Rentenanpassungen folgen den Lohnentwicklungen. Wer als Rentenempfänger aufmerksam die Presse verfolgt, muss befürchten, dass aufgrund der vielen Insolvenzen und Menschen in Kurzarbeit die Rentenerhöhung für 2010 ausbleibt oder sogar zur einer Kürzung führen könnte. Doch der Gesetzgeber hat Vorsorge getroffen: Eine Rentenkürzung ist gesetzliche ausgeschlossen!

Aber wie funktioniert eigentlich der Mechanismus der Rentenerhöhungen? Zunächst einmal folgt die Rentenanpassung einem simplem Grundsatz: Steigen die Bruttolöhne in diesem Jahr, so erhöhen sich auch die Renten im nächsten Jahr. Dabei wird jedoch der vom Statistischen Bundesamt ermittelte Prozentsatz der Veränderung nicht einfach auf Ihre persönliche Rente angewandt. Vielmehr wird der "aktuelle Rentenwert" (getrennt für Ost und West) neu berechnet und in der Rentenformel ausgetauscht. Mathematisch kommt so ein leicht abweichender Betrag zustande, als wenn Sie den Prozentsatz aus den Pressemeldungen einfach auf Ihre Bruttorente anwenden.

Der aktuelle Rentenwert gibt an, wie viel ein "Entgeltpunkt" wert ist. Ein Entgeltpunkt beschreibt das Verhältnis zu dem Ihr persönlicher rentenversicherungspflichtige Verdienst eines Kalenderjahres zum Durchschnittsverdienst aller rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer gestanden hat (siehe Anlage 3 Ihres Rentenbescheides). Die Summe aller Entgeltpunkte wird dann in die Rentenformel eingesetzt und mit dem Zugangsfaktor (er ist immer 1,0000, es sei denn Sie haben eine Rente mit Abschlag in Anspruch genommen) und dem Rentenartfaktor (er bestimmt das Sicherungsziel der Rente und ist bei Altersrenten immer 1,0) multipliziert (siehe Anlage 1 Ihres Rentenbescheides).

Rentenformel: Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x Rentenartfaktor x aktueller Rentenwert = Brutto-Monatsrente

Bei der Ermittlung des aktuellen Rentenwerts loht es sich, in das "Kleingedruckte" des Gesetzes (§ 68 Sozialgesetzbuch VI) zu schauen. Denn der Gesetzgeber bringt nämlich gewisse Dinge in Abzug, die kaum ein Mensch nachvollziehen kann.

Die "Riester-Treppe"

Der "Riester-Faktor" in der Rentenformel berücksichtig pauschal (!), dass alle Arbeitnehmer netto weniger in der Tasche haben, weil alle förderberechtigten Arbeitnehmer auch einen Riester-Rentenvertrag abgeschlossen haben. Doch haben nicht längst alle Arbeitnehmer einen Riester-Rentenvertrag abgeschlossen. Die Entwicklung zeigt zwar nach oben (laut Bundesministerium 12,6 Millionen Verträge im zweiten Quartal 2009), doch haben viele Arbeitnehmer ihre "Chance" für einen Riester-Rentenvertrag nicht genutzt. Gleichwohl ignoriert der Gesetzgeber, dass sein Konzept der Riester-Rente von vielen Arbeitnehmern nicht umgesetzt wird! Die Folge: Obwohl verhältnismäßig nur wenige Arbeitnehmer einen Riester-Rentenvertrag abgeschlossen haben, bringt er die Belastung der Arbeitnehmer imaginär für alle Arbeitnehmer in Ansatz. Umgangssprachlich würde man hier wohl von einer "Luftbuchung" zu Lasten der Rentenbezieher sprechen müssen.

Der Nachhaltigkeitsfaktor

Seit 2005 beschreibt der Nachhaltigkeitsfaktor vereinfacht gesagt das Verhältnis Rentner zu Erwerbstätigen ("Rentnerquotient"). Hier rächt sich im Laufe der Zeit, dass immer weniger Erwerbstätige immer mehr langlebige Rentenbezieher finanzieren. Der Nachhaltigkeitsfaktor spiegelt also die demographische Entwicklung wider und bremst so den Anstieg der Renten.

Die Rentengarantie über den Nachholfaktor

"Die Rente ist sicher!" sagte einst Norbert Blüm. Zur seiner Zeit hätten Rentenanpassungen nach der damaligen Rentenformel auch negativ, sprich mit einer Rentenkürzung, ausfallen können. Dies ist praktisch aber nicht passiert, da die Lohnentwicklung viele Jahre nach oben gezeigt hat. Als aber die Renten wegen der rückläufigen wirtschaftlichen Entwicklung gekürzt hätten würden müssen, reagiert die Politik zunächst mit einer Nullrunde. Danach schrieb sie in das Gesetz, dass eine nicht weitergegebene Rentenkürzung aus der Vergangenheit mit einer eigentlich notwendige Rentenerhöhung in späteren Jahren verrechnet wird (=Rentengarantie). Das ist für die Rentner besonders wichtig, da sie mit ihren Renten der Inflation nicht zeitnah folgen können, und somit – auch bei einer Nullrunde – faktisch eine Rentenkürzung in Form eines Kaufkraftverlustes ertragen müssen. Hierdurch profitieren Rentenbezieher also nur gebremst von einer guten wirtschaftlichen Entwicklung.

Nettorente

Die Anpassung des aktuellen Rentenwertes sagt aber noch nichts über die tatsächlich zur Verfügung stehenden Netto-Rente aus, da von der Brutto-Rente noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zu zahlen sind. Hierbei zeigt sich der Gesetzgeber recht "kreativ", in dem er bestimmte Beitragsbelastungen den Rentenbeziehern allein zumutet (seit Juli 2008 müssen Rentner beispielsweise den Beitrag zur Pflegeversicherung allein tragen).

Inflation nagt an Kaufkraft


Die jährlichen Rentenanpassungen sind durch die verschiedenen Eingriffe der Politik von der tatsächlichen Lohnentwicklung abgekoppelt worden.  Rentenbezieher werden froh sein, dass es im schlimmsten Fall nur zu einer Nullrunde kommt, die aber wegen der Inflation faktisch dann aber einen Kaufkraftverlust darstellt.

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