Rente mit 67 zwingt zu neuen Vorsorgestrategien

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Ab 2012 steigt das gesetzliche Renteneintrittsalter stufenweise von 65 Jahre auf 67 Jahre. Welche Auswirkungen hat das auf die anderen Vorsorgeformen?

Sollten Arbeitnehmer mit Anspruch auf eine Betriebsrente und Besitzer einer Kapitallebens- oder Rentenversicherung deshalb nun ihre Verträge verlängern, um den Auszahlungstermin dem späteren Renteneintritt anzupassen?

Nicht in jedem Fall, denn viele Formen der Altersvorsorge ermöglichen einen früheren Rentenbeginn als die gesetzliche Rentenversicherung. Durch das Gesetz zur "Rente mit 67" ändert sich jedoch auch der frühestmögliche Bezug von betrieblichen und privaten Renten. So steigt ab 2012 das Mindestalter für die Auszahlung einer betrieblichen, privaten oder staatlich geförderten Altersversorgung (Riester-Rente) von bisher 60 Jahren schrittweise auf 62 Jahre.

Betriebsrente

Bei Betriebsrenten gilt grundsätzlich der im Versorgungsvertrag festgelegte Auszahlungstermin. Dieser ist meist an das gesetzliche Renteneintrittsalter gekoppelt. Ist als Fälligkeitszeitpunkt ausdrücklich der 65. Geburtstag genannt, kann es - insbesondere bei Betriebsrenten - zu Unstimmigkeiten mit dem Arbeitgeber kommen. Denn ein Arbeitnehmer, der bis 67 arbeiten muss, könnte neben seinem Gehalt auch noch die Auszahlung der Betriebsrente fordern, obwohl der Arbeitgeber die "65" als Synonym für das gesetzliche Rentenalter gemeint hat. Rechtsexperten gehen davon aus, dass die Gerichte dieser Auffassung folgen würden. Besser wäre es im Interesse beider Parteien, den Bezugsbeginn bereits im Vorhinein eindeutig zu klären.

Die "Rente mit 67" kann u.U. auch zu einer Kürzung der Betriebsrente führen. Denn die ab 2012 vorgesehene neue "Altersrente für Versicherte mit mind. 45 Beitragsjahren" bringt es mit sich, dass ein Arbeitnehmer, der erst mit 67 Jahren Anspruch auf eine arbeitgeberfinanzierte Betriebsrente hat, bei einem regulären Beginn seiner gesetzlichen Rente mit 65 Jahren einen Abschlag bei seiner betrieblichen Altersversorgung in Kauf nehmen muss.

Ursache dieses Effekts ist die Differenz zwischen dem künftigen gesetzlichen Rentenalter von 67 Jahren und der geplanten besonderen Altersgrenze von 65 Jahren für Arbeitnehmer, die mindestens 45 Beitragsjahre nachweisen können. Die Ausnahmeregelung im Rentenrecht berechtigt den Arbeitgeber bei einer von ihm finanzierten Betriebsrente dazu, diese bei einem zwei Jahre früheren Rentenbeginn des Arbeitnehmers um bis zu 7,2 Prozent zu kürzen.

Vorsorgetipp
Bei Betriebsrenten gilt im Einzelfall die jeweilige Versorgungszusage. Nennt sie ein festes Anspruchsalter, bleibt es auch künftig dabei. Und zwar auch für den Rentenbezug unter 62 Jahren - dann freilich mit Abschlägen. Verweist die Versorgungszusage jedoch auf die Altersgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung, gilt die Auslegung der Versorgungsordnung.

Kapitallebensversicherung


Inhaber von Kapitallebensversicherungen sollten ihre Verträge auf keinen Fall zwei Jahre länger laufen lassen. Jede Verlängerung gilt als Neuabschluss, der erneut mit Abschlussgebühren belastet wird. Ganz entscheidend: Umgestellte Altverträge verlieren ihre Steuerfreiheit. Kapitallebensversicherungen, die vor 2005 abgeschlossen wurden, werden komplett steuerfrei ausbezahlt, wenn sie eine Mindestlaufzeit von 12 Jahren erfüllen. Erträge aus Neuverträgen hingegen sind nach 12 Jahren nur zur Hälfte steuerfrei.

Vorsorgetipp
Niemals einen laufenden Vertrag ändern! Nur bei einem Neuabschluss können Sie den Auszahlungstermin auf den für Sie maßgeblichen Rentenbeginn festlegen.

Private Rentenversicherung

Vor allem bei privaten Rentenversicherungen gibt es Verträge mit einer flexiblen Auszahlungsphase. Diese führt dazu, dass Sie den Vertrag bei Bedarf noch mehrere Jahre weiterführen können. Allerdings bringt eine Verlängerung um z. B. zwei Jahre nicht wesentlich mehr Rente. Da erscheint es sinnvoller, den Steuervorteil von privaten Renten möglichst früh zu nutzen. Sie müssen bei Bezug ab dem 65. Lebensjahr lediglich mit 18 Prozent des Auszahlungsbetrags versteuert werden. Mit 67 Jahren sind nur noch 17Prozent der Rente zu versteuern. Die steuerliche Mehrbelastung in der Zeit vor Beginn der gesetzlichen Rente hält sich also in Grenzen.

Vorsorgetipp
Bei einem Neuabschluss können Sie sogar mögliche weitere Anhebungen des Renteneintrittsalters berücksichtigen. Im Gespräch war bereits eine Altersgrenze von 70 Jahren.

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