Private Rentenversicherung: Einmalige Kapitalauszahlung oder monatliche Rente?

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Auf einen Schlag einen ganzen Batzen Geld bekommen oder Monat für Monat eine Rente? Vor dieser Entscheidung stehen viele, deren private Rentenversicherung meist im Alter zwischen 60 und 65 ausläuft. Wofür sollen sie sich entscheiden?

Zunächst einmal ein Blick auf ein konkretes Angebot einer renommierten Versicherungsgesellschaft an einen 63-jährigen Kölner, der gut zwölf Jahre seine private Rentenversicherung bedient hatte. Die Offerte liegt der Redaktion der Geldtipps vor. Dort heißt es: Nach den vertraglichen Vereinbarungen beginnt die Zahlung der Rente am 1.3.2016. Ab dem genannten Zeitpunkt werden folgende Leistungen erbracht: Eine garantierte Rentenleistung in Höhe von monatlich 146,33 €. In der Anlage zum Schreiben bittet die Versicherung um Mitteilung, auf welches Konto die Rente ausgezahlt werden soll. Alternativ dazu wurde dem Versicherten eine Abfindung angeboten. Diese beläuft sich auf ca. 30.600,00 €. Was also tun?

Zunächst einmal ein Vergleich beider Angebote: Eine monatliche Rente in Höhe von 146,33 € entspricht einer jährlichen Rente von 1.755,96 €. Die Rente müsste 17 Jahre und fünf Monate fließen. Erst dann würde der Versicherte mehr herausbekommen als bei der angebotenen Einmalzahlung von 30.600,00 €.

Klar ist: Jede private Rentenversicherung ist eine Wette auf ein langes Leben. Wer früh stirbt, der verliert. Die durchschnittliche prognostizierte restliche Lebenserwartung eines 63-jährigen Mannes liegt in Deutschland bei knapp 20 Jahren und bei gleichaltrigen Frauen bei knapp 23 Jahren. Schon diese Zahlen zeigen, dass sich eine Entscheidung für die Rente bei intakter Gesundheit lohnen könnte. Der Leser der Geldtipps, dessen Angebot hier betrachtet wird, hat bislang keine größeren gesundheitlichen Einschläge hinnehmen müssen. Seine Eltern sind 78 und 81 Jahre alt geworden – was für deren Generation nicht gerade wenig war. Also könnte er bei den noch zu erwartenden Lebensjahren durchaus den Durchschnitt schlagen.

Zudem ist das Rentenangebot seiner Versicherung im Vergleich mit aktuellen Sofortrentenangeboten nicht schlecht. Würde der Versicherte derzeit 30.600,00 € in eine Sofortrente investieren, so würde er weit weniger erhalten. Beim besten Anbieter, den Vergleichsportale derzeit anzeigen, gibt es für einen 63-Jährigen, der 30.000,00 € in eine monatliche Sofortrente einbringt, nur eine monatliche Rente in Höhe von 100,84 €. Dass die Rente, die dem Kölner von seiner Versicherungsgesellschaft angeboten wird, weit höher ausfällt, hängt unter anderem damit zusammen, dass der Garantiezins im Jahr 2003, als der Vertrag abgeschlossen wurde, immerhin noch bei 3,25 % lag. Inzwischen beträgt er bei neu abgeschlossenen Verträgen nur noch magere 1,25 %. Zudem galt damals noch eine andere Sterbetafel, aufgrund derer die Versicherungsgesellschaften mit einer geringeren Lebenserwartung kalkulierten.

Auch wer sein Kapital auf dem Geldmarkt anlegen will, muss bedenken, dass bei den derzeitigen Niedrigzinsen nicht viel drin ist. Wer sein Geld für zehn Jahre festlegt, erhält derzeit maximal jährlich rund 2 % Zinsen. Bei der möglicherweise profitableren Anlage in Aktien(-fonds) müssen die Risiken bedacht werden. Dabei sollte man also – auch im Rentenalter – nicht unbedingt auf das Kapital angewiesen sein. Damit spricht zunächst wenig gegen die Wahl der Rentenoption. Bleibt noch die Frage, welche Option im Hinblick auf die Belastung durch Steuern günstiger ist?

Steuer: Leichte Vorteile für die Einmalauszahlung

Eine Einmalauszahlung können Versicherte vielfach steuerfrei kassieren. Dies gilt generell für Kapitalabfindungen aus privaten Rentenversicherungen, die vor 2005 abgeschlossen wurden, wenn der Vertrag eine Laufzeit von mindestens zwölf Jahren hatte und mindestens fünf Jahre lang Beiträge gezahlt wurden. Beide Bedingungen sind bei dem Angebot, das den Geldtipps vorliegt, erfüllt. Daher interessiert sich der Fiskus in seinem Fall nicht für eine (mögliche) Kapitalabfindung. Wichtig zu wissen ist jedoch: Dieser Steuervorteil gilt nicht für private Einmalbeitrags-Versicherungen. Hätte der Geldtipps-Leser also 2003 beispielsweise einmalig 20.000,00 € in eine private Rentenversicherung eingezahlt, so müsste er auf eine Kapitalauszahlung Steuern entrichten. Dies gilt generell für Kapitalauszahlungen aus privaten Rentenversicherungen, die ab 2005 abgeschlossen wurden. Hier ist die Hälfte des Ertragsanteils der Auszahlung steuerpflichtig.

Und was gilt bei der Steuer, wenn sich der Kölner für die Rentenoption entscheidet? In diesem Fall kann der Fiskus zugreifen – grundsätzlich jedenfalls. Ein geringer Teil der Rente ist nämlich steuerpflichtig – und zwar der sogenannte Ertragsanteil. Wie hoch dieser ist, ergibt sich aus § 22 des Einkommensteuergesetzes und hängt vom Alter des Betroffenen bei Renteneintritt ab. Wer mit 63 Jahren erstmals die Rente erhält, für den beträgt der Ertragsanteil seiner Rente 20 %. Das sind bei einer Rente von 146,33 € pro Monat 29,27 € bzw. 351,24 € im Jahr. Bei einem Steuersatz von 20 % würde das dann bedeuten, dass im Jahr etwa 70,00 € für Steuern anfallen würden. Bei den meisten Senioren dürfte allerdings die steuerliche Belastung weit niedriger sein. Vielfach werden auch bei einer Entscheidung für die Rentenoption im Alter keine Steuern anfallen.

Meist keine Sozialversicherungsabgaben

Hinsichtlich der Sozialversicherung gibt es meist keinen Unterschied zwischen beiden Optionen. Weder bei der privaten Rente noch bei einer Kapitalauszahlung fallen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung an. Etwas anders gilt nur für die recht kleine Minderheit der Rentner, die im Alter freiwillig gesetzlich krankenversichert sind. Bei ihnen fallen auch auf Privatrenten und genauso auch auf Kapitalabfindungen aus Rentenversicherungsverträgen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung an.

Damit spricht also einiges für die Rentenoption. Anders stellt sich die Sache für diejenigen dar, die die Rentenabfindung beispielsweise nutzen können, um einen Immobilienkredit zu tilgen oder größere Anschaffungen zu tätigen. Dafür kommt dann die einmalige Auszahlung des Kapitals infrage.

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