Deutsche Bevölkerung schrumpft weniger stark als angenommen

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(verpd) Vor Kurzem wurde vom Statistischen Bundesamt (Destatis) die 13. koordinierte Bevölkerungs-Vorausberechnung auf Grundlage des Jahres 2013 vorgestellt. Ein aktuelles Ergebnis ist, dass die zuletzt hohen Zuwanderungsgewinne dafür sorgen werden, dass die Bevölkerung in Deutschland bis zum Jahr 2060 um gut drei Millionen Personen weniger schrumpfen wird, als dies bei der letzten Prognose angenommen wurde. Die vorangegangene Prognose basierte auf den Zahlen des Jahres 2009.

„Die grundsätzlichen Ursachen des Bevölkerungsrückgangs bestehen weiter fort und werden sich auf lange Sicht noch stärker als in der Vergangenheit auswirken“, erklärte der Präsident des Statistischen Bundesamtes (Destatis) Roderich Egeler jüngst bei der Präsentation der 13. koordinierten Bevölkerungs-Vorausberechnung. Zunächst werde die Bevölkerungszahl in Deutschland von 80,8 Millionen Ende 2013 sogar noch fünf bis sieben Jahre steigen, so Egeler vor der Presse in Berlin.

Nach den neuen Prognosen wird jetzt erst ab 2023 mit einer Bevölkerungszahl gerechnet, die unter der des Jahres 2013 liegt. Diese dürfte sich dann im Jahr 2060 zwischen 67,6 Millionen und 73,1 Millionen bewegen. 2009 war noch ein Korridor zwischen rund 65 Millionen und 70 Millionen je nach Entwicklung von Geburten- und Zuwanderungszahlen errechnet worden.

Der demografische Wandel ist längst angekommen

Für Egeler ändern die etwas günstigeren Bevölkerungszahlen nichts daran, dass die Bevölkerung insgesamt weiter altern wird. „Im Ausgangsjahr der Vorausberechnung, 2013, ist der demografische Wandel in Deutschland längst angekommen“, begründet der Destatis-Präsident seine Meinung unter Hinweis auf die sich bereits seit 1990 deutlich verschobene Alterspyramide.

So sei das Medianalter, das die Bevölkerung in eine jüngere und eine ältere Hälfte teilt, in dem Zeitraum seit der Wiedervereinigung um acht Jahre von 37 Jahre auf 45 Jahre angestiegen. Die Zahl der über 70-Jährigen sei von 8,1 auf 13,1 Millionen gewachsen.

Und die Lebenserwartung der Menschen wird voraussichtlich weiter steigen. In der moderaten Annahme geht Destatis davon aus, dass sich die Lebenserwartung bei Geburt im Jahr 2060 bei Männern um sieben Jahre auf durchschnittlich 85 Jahre und bei Frauen um sechs Jahre auf dann 89 Jahre erhöht haben dürfte. Sollte die Entwicklung aber noch dynamischer verlaufen, dann könnten im Jahr 2060 geborene Männer ein Alter von fast 87 Jahren und Frauen eines von gut 90 Jahren erreichen.

Altersvorsorge muss immer längere Zeiträume abdecken

Die höhere Lebenserwartung dürfte laut Experten wesentliche Auswirkungen auf die Altersvorsorge haben, die bei einem gleichen Renteneintrittsalter ab dem 67 Lebensjahr dann länger reichen muss. Im Jahr 2060 können 65-jährige Männer noch mit einer Lebenserwartung von 22 Jahren und Frauen mit 25 Jahren rechnen. Beim dynamischen Modell wären es entsprechend 24 Jahre und 26,5 Jahre.

Der Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) Dr. Alexander Erdland erklärte: „Die Bevölkerungsprognose macht deutlich, dass die Berufsanfänger von heute ihren Lebensstandard im Alter mit der gesetzlichen Rente nicht annähernd werden sichern können.“ Daran ändere auch eine verstärkte Zuwanderung nichts.

Wollte man den Altersquotienten (das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Ruheständlern) konstant auf heutigem Niveau halten, dann müsste das Renteneintrittsalter bis 2060 auf 74 Jahre angehoben werden, sagte Egeler auf Fragen von Journalisten. Und wenn die Bevölkerung bis 2060 nicht schrumpfen soll, dann würden jährliche Wanderungsgewinne von 450.000 Personen benötigt. Bei der Geburtenquote wird bestenfalls mit einem Anstieg von 1,4 auf 1,6 Kinder je Frau gerechnet. Um die Bevölkerung stabil zu halten, wäre allerdings eine Geburtenquote von 2,1 Kindern erforderlich.

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