Betriebsrente: insolvenzgesichert und für Normalverdiener rentabel

 - 

Eine vom Arbeitnehmer finanzierte Betriebsrente lohnt sich vor allem für Arbeitnehmer, die unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze zur Kranken- und Pflegeversicherung verdienen. Sie sparen mehr Sozialabgaben als Besserverdiener.

Die Wirtschaftskrise trifft indirekt auch die Betriebsrenten: durch sinkende Renditen, aber vor allem wenn ein Unternehmen pleite geht. Dann springt der Pensions-Sicherungs-Verein (PSV) ein. Im Jahr 2009 betrug das Schadenvolumen fast 4,4 Mrd. Euro. Allein die Insolvenz eines großen Handelskonzerns trug einen großen Teil dazu bei. Aber natürlich spielte auch die gestiegene Anzahl an Insolvenzen aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise eine Rolle.

Der PSV ist eine Schadenversicherung zugunsten Dritter, nämlich der Arbeitnehmer. Deshalb spricht man nicht von Versicherten, sondern von Begünstigten aus der betrieblichen Altersversorgung. Diese Begünstigten müssen sich keine Sorgen um ihre Betriebsrenten machen, denn im Fall der Insolvenz des Arbeitgebers springt der PSV seit mehr als 30 Jahren ein. Selbst in einem Katastrophenjahr wie 2009 musste kein Begünstigter auf seine Betriebsrente verzichten. Das System ist also sicher.

Tipp
Fragen Sie Ihren Arbeitgeber oder Ihren Betriebsrat, welche Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung in Ihrem Unternehmen bestehen. Lassen Sie sich verschiedene Anlagemöglichkeiten einschließlich von Steuern und Sozialabgaben sowohl in der Einzahlungs- als auch in der Auszahlungsphase durchrechnen. Bedenken Sie dabei: Eine Rentenversicherung, ob gesetzlich oder betrieblich (oder auch privat) organisiert stellt die einzige Anlageform dar, die das Langlebigkeitsrisiko absichert. Bei allen anderen Formen der Kapitalanlage besteht die Gefahr, dass das Geld vorzeitig verbraucht ist.

Derzeit kann es sich lohnen, eine betriebliche Altersversorgung in Form einer Gehaltsumwandlung abzuschließen. Bei der dieser Form der betrieblichen Altersvorsorge haben Sie den Vorteil der nachgelagerten Besteuerung. Sie sparen Steuern in der aktiven Erwerbsphase, wenn Sie in der Regel mehr Steuern bezahlen müssen als im Alter.

Außerdem sparen Arbeitnehmer, die im Jahr weniger verdienen als 45000 Euro, für die umgewandelten Gehaltsbestandteile die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung (Beitragsbemessungsgrenze). Nachteil: Die Auszahlungen aus der Betriebsrente sind voll beitragspflichtig zur Kranken- und Pflegeversicherung, auch wenn es in der Beitragsphase gar keine Beitragsersparnis gab.

Wer unter der Beitragsbemessungsgrenze zur Rentenversicherung verdient (West: 66000 Euro, Ost: 55800 Euro), braucht für diesen Teil seines Gehalts keine Rentenbeiträge zu zahlen. Nachteil: Er schmälert dadurch seine gesetzliche Rente.

Tipp
Eine ausgewogene Alterssicherung sollte aus drei Teilen bestehen: der umlagefinanzierten gesetzlichen Rente, einer betrieblichen Altersversorgung und einer kapitalgedeckten Zusatzvorsorge, z.B. einer privaten Rentenversicherung, einer Riester- oder Rürup-Rente. Alle Formen der Altersvorsorge lassen sich kumulieren. Wer die Bruttogehaltsumwandlung nutzt (2010 maximal gefördert:  4440 Euro p.a.), muss nicht auf die Riester-Förderung (seit 2008 maximal 2100 Euro) verzichten und er kann sogar noch bis zu 20000 Euro p.a. steuersparend in eine Rürup-Rente (Verheiratete maximal 40000 Euro p.a.) oder in unbegrenzter Höhe in eine private Rentenversicherung einzahlen.

Die Abwägung, ob die betriebliche Variante gegenüber der privaten Eigenvorsorge Vorteile aufweist, kann individuell sehr verschieden ausfallen. Die Vorteilhaftigkeit der Gehaltsumwandlung gegenüber einer Privatrente hängt vom individuellen Bruttogehalt ab. Wer einen Teil seines Bruttogehalts in eine Betriebsrente umwandelt, verfügt während seines Berufslebens über mehr Nettoeinkommen. 

Wer Aussicht auf ein langes Leben hat, fährt mit einer privaten Rentenversicherung besser als mit der Bruttoentgeltumwandlung. Bezieher einer Privatrente haben im Ruhestand ein deutlich höheres Nettoeinkommen als Bezieher einer Be-triebsrente mit gleich hoher Beitragszahlung in der Sparphase. Wesentlicher Grund: Die geringere Besteuerung der Privatrente in der Auszahlungsphase. Wer pflichtversicherter Rentner in der gesetzlichen Krankenversicherung oder privat krankenversichert ist, profitiert obendrein von der Beitragsfreiheit der Privatrente – im Gegensatz zu freiwillig versicherten Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherungen, deren Privatrente beitragspflichtig ist.

Entscheidend für die Rentabilität einer bestimmten Form von Rentenversicherung ist die voraussichtliche Rentenbezugsdauer. Wer die Rente länger als 13 Jahre bezieht, stellt sich mit einer privaten Rentenversicherung besser als mit einer betrieblichen Rente. Das Bild ändert sich zugunsten der Betriebsrente, wenn diese teilweise oder vollständig vom Arbeitgeber finanziert wird.

Der langfristige Steuerspareffekt der privaten Rentenversicherung nimmt ab, je später Sie mit dem Ansparen begonnen haben. Umgekehrt gilt: Je früher Sie eine private Rentenversicherung abschließen, desto größer ist deren Vorteil gegenüber einer Betriebs- oder Rürup-Rente.

Tipp
Da nur wenige wissen, wie lange sie leben werden, bleibt die Entscheidung für die eine oder die andere Form der Altersvorsorge schwierig. Optimisten werden wohl eher zu einer Privatrente neigen, Pessimisten eher zur Betriebsrente bzw. Rürup-Rente, wenn sie selbstständig sind. Wichtig ist jedenfalls, überhaupt etwas für den Ruhestand anzusparen.

Weitere News zum Thema

  • Viele fürchten finanzielle Probleme im Alter

    [] (verpd) Eine repräsentative Befragung zeigt, dass die meisten Bürger nicht mit der voraussichtlichen Höhe ihrer künftigen gesetzlichen Altersrente zufrieden sind. Mehr als jeder Zweite rechnet im Rentenalter aufgrund der voraussichtlichen finanziellen Situation mit einem niedrigeren Lebensstandard wie bisher. mehr

  • EU-Kommission fragt Bürger zur privaten Altersvorsorge

    [] (verpd) Im Rahmen einer Konsultation zur privaten Rentenversicherung erhalten neben Versicherern und Verbänden auch Verbraucher jetzt die Gelegenheit mitzureden. Allerdings steht der dafür vorhergesehene, online abrufbare Fragebogen nur in englischer Sprache zur Verfügung. mehr

  • Geburtenzahl erreicht höchsten Stand seit dem Jahr 2000

    [] (verpd) Nach vorläufigen Destatis-Zahlen ist die Zahl der Lebendgeburten 2015 um über drei Prozent auf gut 737.630 gestiegen. Das sind so viele wie seit 2000 nicht mehr. Gleichzeitig gab es mit über 925.200 Sterbefällen die höchste Zahl nach 1985. Die Geburtenrate reichte daher auch 2015 nicht aus, um die Zahl der Sterbefälle auszugleichen. Wegen der starken Zuwanderung dürfte die Bevölkerung dennoch um knapp eine Million Menschen zugenommen haben. mehr

  • Mehrheit der Solo-Selbstständigen hat keine Altersvorsorge

    [] (verpd) Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) ist in einer Studie unter anderem der Frage nachgegangen, inwieweit die zwei Millionen Solo-Unternehmer in Deutschland finanziell für ihr Alter vorsorgen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Mehr als jeder zweite betroffene Selbstständige betreibt überhaupt keine Altersvorsorge. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.