Beamtinnen mit Kindern sollten Nachzahlung in der Rentenversicherung erwägen

 - 

Normalerweise haben Beamtinnen, Angehörige von Versorgungswerken und andere Selbstständige mit der gesetzlichen Rentenversicherung nichts am Hut – es sei denn, sie haben vor dem 1.1.1992 ein Kind erzogen. In diesem Fall bietet die gesetzliche Rentenversicherung diesem Personenkreis eine attraktive Geldanlage mit hoher Rendite.

Durch die Nachzahlung von Rentenbeiträgen können sie die möglicherweise nicht erfüllte Mindestversicherungszeit in der gesetzlichen Rentenversicherung auffüllen und so überhaupt erst Anspruch auf eine Regelaltersrente erhalten.

Hintergrund ist eine Neuregelung im Rentenrecht (§ 282 SGB VI), die Beamtinnen, Angehörige von Versorgungswerken der Freiberufler und Selbstständige für sich nutzen sollten. Nach einem Urteil des Bundessozialgerichts müssen nun Müttern (und in Einzelfällen auch Vätern, wenn sie anstelle der Mutter die Kinder erzogen haben), die in ihrer Beamtenversorgung (bzw. in ihrem Versorgungswerk) Zeiten der Kindererziehung nicht gleichwertig honoriert bekommen, Kindererziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung angerechnet bekommen.

Für Geburten bis 1991 gibt es dort ein Beitragsjahr und für Geburten ab 1992 sogar drei Beitragsjahre. Im Beamtenversorgungsrecht gibt es aber für Geburten bis 1991 nur sechs Monate (§ 85 Abs. 7 i.V.m. § 6 Abs. Satz 4 und 5 i.d.F. bis zum 31.12.1991 BeamtVG). Da hierdurch die Beamtinnen und Angehörige von Versorgungswerken gegenüber Beschäftigten schlechter gestellt sind, sind für sie die Zeiten bis 1991 Kindererziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung anzurechnen.

Für Zeiten ab 1992 werden auch in der Beamtenversorgung drei Jahre Erziehungszeit voll berücksichtig, sodass nun keine Ungleichbehandlung mehr vorliegt.

Ein Anspruch auf eine Regelaltersrente haben Mütter aber nur, wenn sie insgesamt die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren in der gesetzlichen Rentenversicherung erfüllt haben, das ist die Mindestversicherungszeit.

Beispiel

Die Beamtin Monika K. hat drei Kinder geboren: Stefan, 18.6.1964, Britta, 18.7.1968 und Andrea 21.6.1970. In der Beamtenversorgung werden ihr hierfür nur jeweils sechs Monate gutgeschrieben. Das entspricht aber nicht dem, was sie als Rentenversicherte bekommen hätte. Daher müssen ihr nun auch volle Kindererziehungszeiten in der Rentenversicherung angerechnet werden, obwohl sie nie rentenversicherungspflichtig gearbeitet hat.

Für ihre drei Kinder bekommt sie jeweils ein Jahr, also insgesamt drei Jahre Kindererziehungszeiten angerechnet. Für die an der allgemeinen Wartezeit fehlenden zwei Jahre darf sie freiwillige Beiträge nachzahlen.

24 Monate mit freiwilligen Mindestbeiträgen von 79,60 Euro pro Monat kosten derzeit 1910,40 Euro. Hieraus resultiert eine Monatsrente von 89,75 Euro. Das eingesetzte Kapital hat sich nach einem Jahr und zehn Monaten Rentenbezug amortisiert.

Beitragsaufwand

Je weniger Kinder erzogen wurden, desto höher ist der Beitragsaufwand und desto länger dauert es, bis sich das eingesetzte Kapital amortisiert hat. Bei nur einem Kind wären 48 freiwillige Mindestbeiträge, also ein Kapital von 3.820 Euro nötig. Hieraus resultiert eine Monatsrente von 43,50 Euro, sodass sich die Investition in sieben Jahren und vier Monaten amortisiert hätte.

Das einzige "Risiko" besteht in der ferneren Lebenserwartung der künftigen Pensionärin. Verstirbt die Pensionärin vor dem Ende des zum Ausgleich der Beitragszahlung notwendigen Rentenbezugs, besteht zwar ein Anspruch auf Witwerrente, die aber aufgrund der Einkommensanrechnung nach Ende des Sterbevierteljahrs wahrscheinlich null Euro betragen dürfte. Da Beamtinnen statistisch zu den Längerlebenden gehören, spricht aber nichts gegen diese Anlageform.

Der Clou an der Sache: Die hieraus resultierende Altersrente wird nicht auf die Beamtenpension angerechnet, sofern die Beamtin den Höchstversorgungssatz von 71,25 Prozent (bei Bestandsschutz auch höher) nicht erreicht. Das dürfte wahrscheinlich auf alle beamteten Mütter zutreffen, da diese nach der Geburt häufig teilzeitbeschäftigt gewesen sind.

Der Antrag auf Nachzahlung sollte frühestens ein halbes Jahr vor Erreichen der Regelaltersgrenze (65+x Jahre) bei der Deutschen Rentenversicherung (Beratungsstellensuche unter www.deutsche-rentenversicherung.de) werden. Eine vorherige Antragsstellung ist nicht sinnvoll, da auf dem langen Weg bis zur Regelaltersrente u. U. durch andere Sachverhalte die allgemeine Wartezeit erfüllt werden könnte.

Wegen der Klärung, ob über die Kindererziehungszeiten hinaus noch weitere rentenrechtliche Zeiten angerechnet werden können (zum Beispiel über einen Minijob mit Verzicht auf die Versicherungsfreiheit), sollten Beamtinnen und Angehörige von Versorgungswerken schon jetzt einen "Antrag auf Kontenklärung (V 100)" und "Feststellung von Kindererziehungszeiten und Berücksichtigungszeiten (V 800)" stellen. Hierdurch wird die spätere Bearbeitung des Nachzahlungs- und Rentenantrags erheblich verkürzt. Je nach Lage des Einzelfalls werden dann sogar weniger freiwillige Beiträge nötig, um eine Wartezeit für eine Altersrente zu erfüllen.

Diese Neuregelungen gilt auch für "Altfälle", in denen Beamte und Angehörige von Versorgungswerken bislang nicht das Recht zur freiwilligen Versicherung hatten. Bislang durften Beamte und Angehörige von Versorgungswerken nur dann freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung nachzahlen, wenn sie bereits die allgemeine Wartezeit erfüllt hatten (§ 7 Abs. 2 Satz 1 SGB VI a.F.). Seit dem 10.8.2010 dürfen nun auch Beamte und Angehörige von Versorgungswerken freiwillige Beiträge nachzahlen, die die allgemeine Wartezeit nicht erfüllt haben (§ 7 Abs. 2 Satz 1 SGB VI ist gestrichen). "Altfälle" können den Antrag auf Nachzahlung bei Kindererziehung aber längstens bis zum 31.12.2015 stellen.

Diese vier Bedingungen müssen Sie für eine Nachzahlung erfüllen:
  • Sind Sie Beamtin, Angehörige eines Versorgungswerks oder selbstständig?
  • Sind Sie vor 1955 geboren?
  • Haben Sie die allgemeine Wartezeit (= Mindestversicherungszeit) in der Rentenversicherung von fünf Jahren noch nicht erfüllt?
  • Haben Sie vor 1992 Kinder geboren?

Tipp
Wenn sie alle vier Fragen mit ja beantwortet haben, sollten Sie Ihre Nachzahlungsmöglichkeit ein halbes Jahr vor Beginn der Regelaltersrente prüfen. Stellen Sie am besten schon heute einen "Antrag auf Kontenklärung" bei der Deutschen Rentenversicherung.

Weitere News zum Thema

  • Für viele ist die Altersvorsorge auch eine Privatsache

    [] (verpd) Die meisten Deutschen halten die Altersvorsorge für eine persönliche Angelegenheit, doch nicht wenige sind der Ansicht, dass der Staat die Hauptverantwortung für die finanzielle Absicherung im Alter trägt. Das geht aus der internationalen Untersuchung hervor. Gleichzeitig fühlt sich die Hälfte der befragten Teilnehmer von ihrer Altersvorsorgeplanung unter Druck gesetzt. mehr

  • Viele fürchten finanzielle Probleme im Alter

    [] (verpd) Eine repräsentative Befragung zeigt, dass die meisten Bürger nicht mit der voraussichtlichen Höhe ihrer künftigen gesetzlichen Altersrente zufrieden sind. Mehr als jeder Zweite rechnet im Rentenalter aufgrund der voraussichtlichen finanziellen Situation mit einem niedrigeren Lebensstandard wie bisher. mehr

  • EU-Kommission fragt Bürger zur privaten Altersvorsorge

    [] (verpd) Im Rahmen einer Konsultation zur privaten Rentenversicherung erhalten neben Versicherern und Verbänden auch Verbraucher jetzt die Gelegenheit mitzureden. Allerdings steht der dafür vorhergesehene, online abrufbare Fragebogen nur in englischer Sprache zur Verfügung. mehr

  • Geburtenzahl erreicht höchsten Stand seit dem Jahr 2000

    [] (verpd) Nach vorläufigen Destatis-Zahlen ist die Zahl der Lebendgeburten 2015 um über drei Prozent auf gut 737.630 gestiegen. Das sind so viele wie seit 2000 nicht mehr. Gleichzeitig gab es mit über 925.200 Sterbefällen die höchste Zahl nach 1985. Die Geburtenrate reichte daher auch 2015 nicht aus, um die Zahl der Sterbefälle auszugleichen. Wegen der starken Zuwanderung dürfte die Bevölkerung dennoch um knapp eine Million Menschen zugenommen haben. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.