Altersvorsorge auch in Zeiten der Finanzkrise

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Wegen der  weltergreifenden Finanz- und Verschuldungskrise halten nun viele Anleger noch ängstlicher ihr Geld fest. Doch die Altersvorsorge braucht unter dem Kursverfall nicht zu leiden.

Auslöser der Krise ist die ungebremste Verschuldung des amerikanischen Verbrauchers. Dieser wurde jahrelang mit Niedrigstzinsen von der US-Notenbank FED zum hemmungslosen Konsum animiert. So konnten sich die Politiker an scheinbar blendenden Wirtschaftsergebnissen berauschen und die USA als internationale Konjunkturlokomotive vorführen. Die amerikanische Volkswirtschaft wird zu 70 Prozent vom Konsum bestimmt. Vom Weltbruttosozialprodukt entfallen rund 30 Prozent auf die USA.

Wer ist schuld an der Immobilienkrise?

In den USA beflügelten in den vergangenen sieben Jahren sinkende Zinsen den Häusermarkt. So konnten auch jene Familien Immobilieneigentum erwerben, die es sich eigentlich nicht leisten konnten. Und mit jedem weiteren Preisanstieg packten die US-Bürger eine zusätzliche Hypothek auf ihr Häuschen, um mit dem frischen Geld ihre Konsumwünsche zu finanzieren.

Heute sind die amerikanischen Verbraucher zusammen mit den englischen und spanischen die höchstverschuldeten der Welt. Nachdem die US-Notenbank durch Zinserhöhungen den Verschuldungs-Luftballon zum Platzen gebracht hat, können jetzt immer mehr Schuldner ihre Kredite nicht bedienen.

Die Folge: Notverkäufe und Zwangsvollstreckungen, die die Häuserpreise rapide in den Keller treiben. Denn niemand ist da, der jetzt noch kaufen möchte. In Kalifornien, dem Boomland der Immobilienspekulation, sind die Häuserpreise allein in den letzten zwölf Monaten um 41 Prozent gefallen. Vor den Großstädten wachsen die Zelt- und Wohnwagensiedlungen derjenigen, die aus ihren Behausungen vertrieben wurden.

Doch keine Sorge: Amerikanische Verhältnisse herrschen bei uns nicht

Der Anteil der Fremdfinanzierung am Immobilienmarkt ist wesentlich geringer. Auch hat es – zum Leidwesen der Immobilienbesitzer – in den vergangenen Jahren praktisch keinen nennenswerten Wertzuwachs bei Immobilien gegeben. Außerdem ist die Verschuldung der deutschen Haushalte eher solide. Schulden bei Kreditkartenunternehmen in Höhe eines Jahresverdiensts, die mit zweistelligen Zinsen bedient werden müssen, sind zwar in den USA und Großbritannien üblich, hierzulande aber nicht.

Schwierig ist es jedoch abzusehen, inwieweit deutsche Banken aufgrund ihrer Verflechtung mit dem internationalen Welthandel – wir sind immerhin die weitweit größte Exportnation – durch das gravierende Misstrauen in Mitleidenschaft gezogen werden: Weltweit sind bereits Buchwerte in Höhe von 3,6 Billionen Dollar vernichtet worden, was die Stabilität und Solidität des Weltfinanzsystems stark beeinträchtigt. Keine Bank traut der anderen, gibt es doch täglich neue Verlustmeldungen. In dieser Situation sieht sich der private Sparer vor viele Fragen gestellt.

Gehört das Geld jetzt unter die Matratze?

Auf keinen Fall. Lassen Sie das Geld auf der Bank. Vorausgesetzt, das Institut gehört der gesetzlichen Einlagensicherung und zusätzlich dem Feuerwehrfond der deutschen Banken bzw. dem Verbund von Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken an. Im internationalen Vergleich ist die deutsche Einlagensicherung Spitze. Den absoluten Ernstfall kann natürlich niemand ausschließen. Bevor ein Institut zusammenbricht, ist es jedoch wahrscheinlich, dass andere Institute zu Hilfe eilen oder der Staat einspringt – siehe IKB und HRE.

Abgesehen davon hat Bundeskanzlerin Merkel eine umfassende Garantie für Girokonten, Tagesgeld- und Festgeldanlagen sowie Spareinlagen versprochen. Grob geschätzt bürgt der Staat damit für rd. 1 Billion Euro – die größte Garantie in der Geschichte. Gesetzlich soll dieses Garantieversprechen allerdings nicht fixiert werden.

Keine Angst bezüglich der Altersvorsorge

Eins ist sicher: die Rente. Hinter gesetzlichen Pensionen und Renten steht der Staat mit seinen Institutionen. Die meisten privaten Versicherer legen bei den klassischen Lebens- und Ren-tenversicherungen den größten Teil (rund 75 Prozent) in verzinslichen Titeln an, den Rest in Immobilien und Aktien. Nur wenige Unternehmen investieren verstärkt in Aktien. Solange es keine großen Ausfälle bei den Zinsanlagen gibt, sind die garantierten Gewinnversprechen sicher. Die Überschussbeteiligungen dürften durch die Aktienverluste aber etwas beeinträchtigt werden.
Anders sieht es bei den fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen aus. Hier werden mit dem Sparkapital meist Aktienfonds gekauft, die bei Kursrückgängen an der Börse entsprechend an Wert verlieren Wer solche Policen abschließt, sollte wissen, dass bei Fälligkeit kein fester Betrag ausgezahlt wird, außer es wurde einer garantiert.

Lohnt es sich noch, zu riestern?

Selbstverständlich. Wobei im Einzelnen zu unterscheiden ist: Die Riester-Banksparpläne sind von der jetzigen Krise überhaupt nicht betroffen, solange das Institut solvent ist. Dafür steht die Einlagensicherung. Die Riester-Fondssparpläne haben den großen Vorteil des garantierten Kapitalerhalts. Auch wenn die Kurse in den Keller stürzen, erhält der Sparer mindestens sein eingezahltes Kapital plus Zulagen. Bei der Riester-Rentenversicherung, die überwiegend in Anleihen anlegt, gilt das Gleiche wie bei privaten Rentenversicherungen. Bei fondsgebundenen Riester-Rentenversicherungen sind wie bei Riester-Fondssparplänen die Gewinne verloren, das eingezahlte Kapital plus Zulagen bleibt jedoch erhalten. Natürlich ist nicht auszuschließen, dass die aktienbezogenen RiesterVarianten auch wieder einmal bessere Zeiten sehen und von künftig steigenden Kursen profitieren – viele Verträge laufen ja über mehrere Jahrzehnte.

Flexibilität ist Trumpf

Was in den nächsten Monaten geschieht, steht in den Sternen. Bleiben Sie deshalb finanziell beweglich. Eine ideale Anlage sind jetzt Tagesgeld- und Festgeldkonten. Die Institute brauchen dringend Einlagen und überbieten sich mit attraktiven Zinskonditionen. Beim Tagesgeld können Sie täglich über Ihr Geld verfügen.

Lang laufende Anleihen bringen kaum mehr an Rendite, verursachen aber zusätzliche Kosten und Risiken. Auch länger laufende Sparbriefe sind nicht erste Wahl: Möglicherweise nimmt die Inflation weiter zu, sodass auch die Anlagezinsen steigen, aber der Zinssatz Ihres Sparbriefs nicht. Größere Beträge sollten Sie zur Sicherheit auf mehrere Institute verteilen. Achten Sie auch hier unbedingt auf die Einlagensicherung.

Tagesanleihe top, Geldmarktfonds Flop

Als Alternative zum Tagesgeld sollten Sie die Tagesanleihe des Bundes beachten. Hier gehen Sie kein Risiko ein: Der Bund ist der beste Schuldner, den es gibt. Spitzenzinsen zahlt Peer Steinbrück aber leider nicht. Von den übrigen Bundeswertpapieren sind vor allem Bundesschatzbriefe empfehlenswert: Sie müssen sie zwar ein Jahr halten, können sie aber bei gestiegenen Kapitalmarktzinsen gegen besser verzinsliche Ausgaben umtauschen.

Tagesanleihe und Bundesanleihen bzw. Bundesobligationen mit kurzer Restlaufzeit sind für große Anlagebeträge interessant, da die attraktiven Tagesgeldangebote nicht selten z. B. bei 50.000 Euro eine Grenze ziehen. Höhere Beträge werden dann nur noch gering verzinst. Geldmarktfonds sind derzeit weniger ratsam. Wegen ihrer Kostenbelastung können sie oft mit guten Tagesgeldangeboten nicht mithalten. Außerdem besteht immer ein gewisses Risiko, dass im Fondsvermögen gehaltene Papiere sich als nicht werthaltig erweisen.

Was tun mit Aktien?

Hier kommt es auf Ihren individuellen Anlagehorizont und Ihre Risikofreudigkeit an. Aktien mit ordentlicher Dividendenrendite auf dem gedrückten Kursniveau zu verkaufen, macht jedenfalls für Langfristanleger keinen Sinn. Immerhin übertreffen manche konservativen Standardaktien mit ihrer Dividendenrendite diejenige von Anleihen. Und während Anleihen nur bedrucktes Papier sind, verbirgt sich hinter Aktien echte Substanz. Andererseits: Sollten wir wirklich in eine tiefe Rezession schlittern, sind weitere Kursrückgänge nicht ausgeschlossen. Die Aktienquote sollten Sie deshalb momentan äußerst vorsichtig dimensionieren.

Und vergessen Sie die Steuer nicht. Wenn Sie trotz hoher Verluste an einer Position festhalten möchten und die Haltedauer von einem Jahr noch nicht überschritten haben, kommt auch in Betracht, den Verlust durch Verkauf der Aktien zu realisieren. Den Verlust können Sie dann auf künftige Jahre vortragen und mit hoffentlich später anfallenden Gewinnen verrechnen. Gegebenenfalls kaufen Sie die Position kurzfristig zurück. Für die geänderte Markteinschätzung heben Sie sich Zeitungsausschnitte oder Internetausdrucke auf, um auf Nachfrage dem Finanzamt entsprechende Nachweise liefern zu können.

Soll ich lieber Fonds kaufen?

Nicht unbedingt. Viele Fondsmanager haben sich in den vergangenen Monaten nicht mit Ruhm bekleckert. Und mit der Rendite der häufig empfohlenen international breit anlegenden Fonds ist es nicht weit her. Auch die Überlegung, dass Mischfonds eigentlich eine ideale Anlage sind, weil der Fondsverwalter sowohl in Aktien als auch in Anleihen investieren und dementsprechend auf unterschiedliche Börsenphasen unterschiedlich reagieren kann, hat in der Praxis bei den meisten Mischfonds nicht funktioniert. Geht man davon aus, dass der amerikanische Aktienmarkt immer noch zu hoch bewertet ist und dass eine Fortsetzung der dortigen Korrektur an den übrigen Börsen der Welt nicht ohne Spuren bleibt, ist ein Fondskauf derzeit eher noch verfrüht.

Für Unternehmungslustige möchten wir zwei Fonds empfehlen

FMM-Fonds, WKN 847811, Ausgabeaufschlag 5 Prozent, Auflagedatum 17.8.1987, Fonds häufig in der Spitzengruppe, vielfach ausgezeichneter Fondsverwalter Dr. Jens Ehrhardt. Der Fonds investiert in internationale Aktien. FMM steht für fundamental, monetär und markttechnisch. Neben der Auswahl von unterbewerteten Aktien spielen für die Anlageentscheidungen sowohl die aktuelle Liquiditätslage sowie die Stimmung der Aktionäre und der vorherrschende Trend (Hausse oder Baisse) eine Rolle.

StarCap Plus Huber Strategy 1, WKN AONE9D, Auflagedatum 29.2.2008, Ausgabeaufschlag 3 Prozent. Neu aufgelegter Fonds für den langfristigen Kapitalanleger, der von den Chancen der Aktienmärkte profitiert und gleichzeitig Risiken in stürmischer Zeit abfedert. Professionelle Vermögensverwaltung in einem einzigen Fonds; bietet gleichzeitig eine Lösung für die Abgeltungsteuer (bei Kauf noch in diesem Jahr). Der Fondsverwalter Peter Huber wurde für seine Erfolge mit anderen Fonds in den vergangenen Jahren mehrfach ausgezeichnet.

Was ist mit Zertifikaten?

Zertifikate sind aufgrund ihrer vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten eine Bereicherung für jedes Depot. Kaufen Sie jedoch nur Konstruktionen, die Sie auch verstehen. Unbedingt zu achten ist auf das Emittentenrisiko: Bevorzugen Sie deutsche Großbanken und mindern Sie das Risiko dadurch, dass Sie die Angebote unterschiedlicher Emittenten wählen. Wer den Risikopuffer bei Bonus- und Discount-Zertifikaten groß genug wählt (Größenordnung: etwa 50 Prozent Abstand zum aktuellen Börsenniveau), übersteht auch massive Kursstürze. In Krisenzeiten beliebt, aber gerade dann ungeeignet sind Garantie-Zertifikate: Die Kurse sind im Keller, die Absicherung ist teuer und die Renditeaussicht auf mehrere Jahre erfahrungsgemäß gering.

Soll ich Gold kaufen?

Weltweit müssen riesige neue Schulden gemacht werden, um das Weltfinanzsystem am Laufen zu halten. Gleichzeitig sind die Zinsen in den meisten Ländern niedriger als die Inflationsrate, das heißt, der Realzins ist negativ. Beides begünstigt die Goldanlage. Da weltweit die Goldnachfrage wächst, das Angebot der Minen aber sinkt, erwarten die Fachleute auf Sicht von einigen Jahren deutlich steigende Goldpreise von weit über 1.000 US-Dollar je Unze. Auch die Notenbanken setzen übrigens wieder auf Gold und haben ihre Verkäufe verringert. Als Beimischung sollte Gold in keinem Depot fehlen. Wer für die absolute Krise vorsorgen möchte, kauft physisches Metall, also gängige Goldmünzen oder Barren.

Vorsorgetipp
Was wir erleben, ist eine Zwangsliquidierung von Kapital. Viele Finanzinstitute müssen aus Mangel an Liquidität ihre Aktienbestände verkaufen. Kleinanleger sollten diesem Beispiel nur im äußersten Notfall folgen und warten, bis der Finanzmarkt wieder flüssig funktioniert. Einige mutige Schnäppchenjäger nutzen jedoch die günstigen Kurse und steigen gezielt bei extrem unterbewerteten, aber grundsoliden Aktiengesellschaften ein.

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