Alterseinkünftegesetz: Steuerfalle für Hinterbliebene

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Rentner rutschen zunehmend in die Besteuerung. Insbesondere beim Zusammentreffen mehrerer Renten oder anderer Alterseinkünfte müssen viele nach vielen Jahren erstmals wieder eine Steuererklärung abgeben.

Das Alterseinkünftegesetz ist zwar bereits seit 2005 in Kraft, in den Köpfen der Bürger ist es aber noch lange nicht überall angekommen. Besonders für Witwen und Witwer bergen die Regelungen unangenehme Steuerfallen. Die Witwe erhält zwar den Besteuerungsanteil, der bei Renteneintritt Ihres verstorbenen Gatten galt, doch erhöht sich durch die Witwenrente ihr zu versteuerndes Einkommen. Das führt in vielen Fällen zu einer erstmaligen Steuerpflicht des Hinterbliebenen.

Beispiel

Herr und Frau S. sind beide 79 Jahre alt. Seit dem 63. Lebensjahr sind sie im Ruhestand. Sie leben von folgenden Einnahmen:
  • Herr S. bezieht eine Altersrente in Höhe von monatlich 1.400 Euro, hinzu kommt eine Betriebsrente von jährlich 1.200 Euro.
  • Frau S bezieht eine Altersrente in Höhe von monatlich 635 Euro und ebenfalls eine Betriebsrente in Höhe von jährlich 480 Euro.
  • Sie verfügen über Kapitaleinkünfte in Höhe von jährlich 6.300 Euro aus einer Abfindung, die sie seinerzeit infolge des Ausscheidens aus der Firma erhalten hatten.
Beide Altersrenten werden nur zu 50 Prozent besteuert, die beiden Betriebsrenten zu 100 Prozent. In der Summe sind unter Berücksichtigung von Freibeträgen, Altersentlastungsbetrag und den Sonderausgaben (Kranken- und Pflegeversicherung, sowie 100 Euro für eine Haftpflichtversicherung) insgesamt 12.320 Euro zu versteuern. Dieser Betrag liegt unter dem Grundfreibetrag für Verheiratete in Höhe von 15.328 Euro. Damit fallen keine Steuern an.

Angenommen, Herr S. verstirbt im Jahr 2011. Dann stellt sich die Einkommenssituation für Frau S. wie folgt dar:
  • eigene Altersrente: 7.620 Euro (zu versteuern 50 Prozent = 3.810 Euro),
  • Betriebsrente: 480 Euro (zu versteuern 100 Prozent = 480 Euro),
  • Witwenrente in Höhe von 10.080 Euro (zu versteuern 50 Prozent = 5.040 Euro),
  • Kapitalerträge: 6.300 Euro (zu versteuern rund 3.600 Euro).
Insgesamt betragen die steuerpflichtigen Einnahmen rund 12.930 Euro. Davon gehen noch die Sonderausgaben ab. Damit bleibt Frau S. aber über dem Grundfreibetrag für Ledige in Höhe von 7.664 Euro und muss eine Steuererklärung abgeben. Ein Schock für die alte Frau, die seit fast 20 Jahren nichts mehr mit dem Finanzamt zu tun hatte!

Das geschilderte Problem taucht fast bei jedem Todesfall auf. Das Ehepaar aus unserem Beispiel ist nicht arm, aber auch nicht übermäßig üppig versorgt. Selbst wenn die Kapitalerträge nicht vorhanden wären, würde für die Witwe eine Steuerpflicht eintreten, da alleine ihre Renten mit einem Anteil von 10.540 Euro steuerpflichtig sind.

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