Größte Zusatzversorgungskasse senkt Garantiezins auf 0,25 % pro Jahr

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Der Garantiezins bleibt nach dem Beschluss des Bundesfinanzministeriums vom 17.12.2015 nun doch bei 1,25 % im Jahr 2016. Kurioserweise teilte die Versorgungsanstalt de Bundes und der Länder (VBL) nur einen Tag vorher mit, dass sie den Garantiezins für Neuabschlüsse in der freiwilligen Versicherung ab 1.4.2016 senken will (Quelle: VBL).

Die Botschaft ist klar und wird wohl ab 1.4.2016 Wirklichkeit, wenn die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die neuen Tarife genehmigt. Damit ist zu rechnen, da der Garantiezins immer nur den Höchstrechnungszins angibt. Jeder Versicherer kann also auch unter dem offiziellen Garantiezins von 1,25 % p.a. bleiben. Das praktiziert nun die mit rund 1,85 Millionen Pflichtversicherten weitaus größte Zusatzversorgungskasse für Angestellte im öffentlichen Dienst. Sie wird also den Garantiezins für zusätzliche freiwillige Versicherungen ab 1.4.2016 von aktuell 1,75 % p.a. auf nur noch 0,25 % p.a. senken. Um einen verfrühten Aprilscherz handelt es sich mit Sicherheit nicht.

Garantiezinsen im freien Fall bei VBLextra

Bereits für Neuabschlüsse ab 1.1.2012 hatte die VBL den Garantiezins für die freiwillige Versicherung von ehemals 2,75 % p.a. auf 1,75 % p.a. gesenkt und gleichzeitig neue Sterbetafeln (sog. VBL-Generationentafel 2010) eingeführt, um die Garantierenten auf eine deutlich längere Rentendauer zu verteilen.

Gegenüber Vertragsabschlüssen bis Ende 2011 sanken die Garantierenten bei der VBLextra je nach Beitragsdauer dadurch um 28 bis 38 %. Ab 1.4.2016 soll dieser Schrumpfungsprozess nun weiter gehen. Um den Auswirkungen einer anhaltenden Niedrigzinsphase zu begegnen, will die VBL nun auf nur noch 0,25 % p.a. runter.

Das künftige Niveau soll nur noch geringfügig über der Beitragszusage mit Mindestleistung liegen. Mit anderen Worten. Wer ab April 2016 noch eine freiwillige Versicherung über VBLextra abschließt, muss mit einem Garantiekapital zu Beginn der Rentenphase rechnen, das nur unwesentlich über der Beitragssumme liegt. Das ähnelt sehr stark der sogenannten Beitragsgarantie bei der Riester-Rente.

Geringe Verbreitung der freiwilligen Versicherung über die VBL

Ende 2013 hatten sich von insgesamt 1,85 Mio. Pflichtversicherten in der Zusatzversorgung zusätzlich 372.000 freiwillig bei VBLextra bzw. VBLdynamik über eine Entgeltumwandlung oder eine betriebliche Riester-Rente versichert. Das waren insgesamt zwar 7 % mehr im Vergleich zum Vorjahr. Doch nur jeder fünfte über die VBL pflichtversicherte Angestellte im öffentlichen Dienst entschied sich zusätzlich für die freiwillige Versicherung. Angesichts von insgesamt 1,85 Mio. Pflichtversicherten in der VBLklassik liegt die Anzahl der 235.400 freiwillig Versicherten mit noch aktiven Verträgen in VBLextra und VBLdynamik auf einem recht bescheidenen Niveau. Nur 13 % der VBL-Pflichtversicherten hatten bisher eine zusätzliche freiwillige Versicherung bei der VBL abgeschlossen, in die im Jahr 2013 Beiträge eingezahlt wurden.

Im Jahr 2013 erhielten rund 11.600 Personen eine Betriebsrente, die bei VBLextra im Durchschnitt monatlich rund 44 € ausmachte und bei VBLdynamik rund 46 €. Die geringe Höhe dieser freiwilligen Betriebsrente ist darauf zurückzuführen, dass die freiwillige Versicherung erst im Jahr 2002 eingeführt wurde und die Beitragsdauer bis zur Rente in 2013 nur maximal 11 Jahre betrug. Die betriebliche Riester-Rente, für die sich fast 140.000 freiwillig Versicherte bei der VBL entschieden hatten (siehe Hinweis auf Seite 137 des Alterssicherungsberichts der Bundesregierung 2012, wonach 7,5 % der aktiv Pflichtversicherten in der Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes die Riester-Förderung in Anspruch nehmen), schneidet im Vergleich zur privaten Riester-Rente schlechter ab, weil ab Rentenbeginn der volle Beitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung in Höhe von zurzeit bis zu 18,2 % der Brutto-Betriebsrente fällig ist.

Die private Riester-Rente bleibt indes beitragsfrei, sofern der Bezieher nicht ausnahmsweise freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist. Neuabschlüsse für die Fondslösung über VBLdynamik gibt es ab April 2016 nicht mehr. Im Jahr 2013 entfielen beispielsweise von 198 Mio. € an Beitragseinnahmen in der freiwilligen Versicherung nur rund 9 Mio. € auf die fondsgebundene Versicherung über VBLdynamik. Wie hoch die Beitragseinnahmen im Jahr 2014 ausfielen, ist nicht bekannt, da der VBL-Geschäftsbericht für das Jahr 2014 noch nicht vorliegt. Wie in den letzten Jahren wird er erst Ende des Jahres 2016 veröffentlicht.

Last-Minute-Abschluss vor April 2016 nur in wenigen Fällen sinnvoll

Wer sich den Garantiezins von 1,75 % p.a. bei der Versicherungslösung über VBLextra noch sichern will, sollte sich sputen. Jeder bei der VBL pflichtversicherte Angestellte im öffentlichen Dienst, der noch vor April 2016 abschließt, kann davon profitieren. Wegen des vollen Beitrags zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung ist es jedoch nicht sinnvoll, die betriebliche Riester-Rente über VBLextra zu wählen. Im Gegensatz zur privaten Riester-Rente, die beitragsfrei in der Rentenphase ist, kommt es hierbei zur Doppelverbeitragung sowohl in der Beitrags- als auch in der Rentenphase.

Bei der Entgeltumwandlung werden Spitzenverdiener mit Gehältern oberhalb der künftigen Beitragsbemessungsgrenze von 6.200 € in der gesetzlichen Rentenversicherung praktisch genau so behandelt. Obwohl sie in ihrer aktiven Phase bereits den Höchstbeitrag in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zahlen, werden sie in der Rentenphase zusätzlich mit bis zu 18,2 % der Betriebsrente zur Kasse gebeten. Selbst für Höherverdiener mit einem Gehalt über der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung von 4.237,50 € monatlich ab 2016 lohnt sich die Entgeltumwandlung wegen der Doppelverbeitragung kaum. Sie sparen zwar den Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung, müssen aber in der Rentenphase eine anteilige Kürzung ihrer gesetzlichen Rente in Kauf nehmen. Somit kann die Entgeltumwandlung eigentlich nur für Durchschnitts- und Höherverdiener mit weniger als 4.237,50 € monatlich interessant sein.

Sie sparen bei der Entgeltumwandlung komplett steuer- und sozialabgabenfrei bis zu monatlich 248 € brutto. Meist geht ihre Hoffnung, dass die dreifache Belastung in der Rentenphase (volle Besteuerung, voller Beitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung und Kürzung der gesetzlichen Rente) relativ geringer ausfällt als die doppelte Steuer- und Sozialabgabenersparnis auch auf. Zu bedenken ist aber, dass es sich bei der freiwilligen Versicherung über die VBL um eine rein arbeitnehmerfinanzierte Betriebsrente handelt. Bei der Entgeltumwandlung, die in der Beitragsphase sozialabgaben- und steuerfrei ist, gibt der öffentliche Arbeitgeber seine Ersparnis beim Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung also zurzeit nicht an die Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst weiter. Dies ist in der Privatwirtschaft meist anders. Unser Geldtipp: Wer über die VBL pflichtversichert ist, weniger als 4.237,50 € brutto im Monat verdient und eine zusätzliche Altersvorsorge beabsichtigt, sollte die Angebote zur Entgeltumwandlung mit noch 1,75 % p.a. Garantiezins prüfen und eventuell noch vor dem 1.4.2016 zu den alten Bedingungen einsteigen.

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