Altersversorgung der Beamten nicht mit gesetzlicher Altersrente vergleichbar

 - 

Die Beamtenversorgung ist nicht direkt mit der gesetzlichen Rentenversicherung und der betrieblichen Altersversorgung in der Privatwirtschaft oder der Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst vergleichbar. Bei der Beamtenversorgung ist die amtsangemessene Versorgung nach dem Alimentationsprinzip grundlegend. Dagegen spielt bei der gesetzlichen Rente, der Betriebsrente in der Privatwirtschaft und der Zusatzrente im öffentlichen Dienst die Beitrags- und Einkommensorientierung nach dem Äquivalenzprinzip eine entscheidende Rolle.

Pensionen erfüllen eine doppelte Funktion. Pensionäre erhalten eine Vollversorgung, die Grundversorgung und Zusatzversorgung zugleich darstellt. Im Gegensatz dazu gewährleisten die Versorgung der Arbeitnehmer im Alter zwei getrennte Systeme: Grundversorgung durch die gesetzliche Rente und evtl. Zusatzversorgung durch die betriebliche oder öffentliche Zusatzrente. Pensionen und Renten sind deshalb überhaupt nur vergleichbar, wenn man die Beamtenpension mit der Gesamtrente, also der Summe aus gesetzlicher Rente und evtl. Betriebsrente oder Zusatzrente, vergleicht.

Unterschiedliche Besteuerung

Das Ruhegehalt der ehemaligen Beamten zählt steuerlich zu den Einkünften aus nicht selbstständiger Arbeit und ist daher grundsätzlich wie jeder Lohn oder jedes Gehalt steuerpflichtig. Es ist quasi eine Gehaltsfortzahlung im Altersfall. Daher auch der Name Ruhegehalt statt Rente.

Der steuerliche Versorgungsfreibetrag von ehemals 3.900 € im Jahr 2005 und rund 2.500 € im Jahr 2014 sinkt für Neupensionäre Jahr für Jahr. Er liegt bis zum Jahr 2027 noch über dem steuerfreien Arbeitnehmerpauschbetrag von aktuell 1.000 €.

Die gesetzliche Rente zählt ebenso wie die Zusatzrente im öffentlichen Dienst zu den sonstigen Einkünften. Sie wird für Neurentner des Jahres 2014 zu 68 % versteuert. Erst ab dem Jahr 2040 werden Pensionen und Renten voll besteuert und damit gleich behandelt.

Unterschiedliches Versorgungsniveau

Die Reformen in der gesetzlichen Rentenversicherung (z.B. Absenkung des Rentenniveaus und stufenweise Heraufsetzung der Regelaltersgrenze bis auf 67 Jahre für die Jahrgänge ab 1964) sollen wirkungsgleich und systemgerecht auf die Beamtenversorgung übertragen werden, so unterschiedlich hoch Beamtenpension und gesetzliche Renten auch ausfallen mögen.

Das Bruttorentenniveau als gesetzliche Rente für 45 Beitragsjahre (sog. Eck- bzw. Standardrente) in Prozent des jeweiligen (Brutto-)Durchschnittsverdienstes ist von 48 % im Jahr 2002 auf rund 45 % im Jahr 2012 gesunken. Dementsprechend wurde das Versorgungs- bzw. Pensionsniveau von 75 % im Jahr 2002 stufenweise bis auf 71,75 % im Jahr 2012 herabgesetzt. Im Bund und in fast allen Bundesländern wurde mittlerweile auch die stufenweise Erhöhung der Regelaltersgrenze bis auf 67 Jahre für Pensionäre ab Jahrgang 1964 nachvollzogen.

Unterschiedliche Anhebungsgrundsätze

Eine gleichmäßige jährliche Erhöhung von Beamtenpensionen und der gesetzlichen Renten ist aber wegen der völlig unterschiedlichen Berechnungsweisen reine Illusion.

Die Pensionsanpassungen (offiziell Anpassung der Versorgungsbezüge genannt) erfolgen in den Bundesländern mittlerweile nach Kassenlage. Während finanzstarke Länder wie Bayern die Beamtenpensionen beispielsweise 2013 und 2014 um insgesamt 5,6 % erhöhen, müssen die Pensionäre im höheren Dienst (ab Besoldungsstufe A 13) in Nordrhein-Westfalen und Bremen zwei Nullrunden in dieser Zeit hinnehmen.

Die gesetzlichen Renten steigen nach einer komplizierten Rentenformel, aber nicht nach der jeweiligen Kassenlage in den Bundesländern. Im Westen stiegen sie 2013 beispielsweise nur um 0,25 %, während sie im Osten um 3,29 % zulegten. Ein bloßer Vergleich der Rentensteigerungen West mit der Pensionssteigerung beispielsweise in Bayern oder Nordrhein-Westfalen verbietet sich deshalb von selbst.

Stellen Sie alle ruhegehaltfähigen Dienstzeit zusammen

Unter der ruhegehaltfähigen Dienstzeit sind alle Dienstjahre zu verstehen, die in der Pensionsberechnung berücksichtigt werden. Wer mindestens 40 Dienstjahre nachweisen kann, erhält auf jeden Fall den höchstmöglichen Ruhegehaltssatz von 71,75 % seiner ruhegehaltfähigen Dienstbezüge. Insofern spielt der Faktor Zeit bzw. die Anzahl der Dienstjahre eine ganz entscheidende Rolle. Zu den ruhegehaltfähigen Dienstzeiten zählen insbesondere:

  • die reine Beamtendienstzeit (Beamter auf Widerruf, auf Probe und auf Lebenszeit),

  • evtl. Angestelltenzeiten im öffentlichen Dienst vor Berufung in das Beamtenverhältnis und

  • evtl. die Zeit eines Hochschulstudiums.

Versorgungsrechtlich wird zwischen Muss-, Soll- und Kann-Zeiten unterschieden:

Ruhegehaltfähige Dienstzeiten als Muss-, Soll- und Kann-Zeiten

Muss-Zeiten

Soll-Zeiten

Kann-Zeiten

reine Beamtendienstzeit
ab erster Berufung in das
Beamtenverhältnis

Angestelltenzeit im öffentlichen Dienst vor Berufung in das Beamtenverhältnis

sonstige förderliche Vordienstzeiten (z.B. im Dienst von Kirchen)

Wehr-, Zivil- und Polizeivollzugsdienst

Ausbildungszeiten (z.B. Hochschulstudium)

Zurechnungszeit

Stellen Sie Ihre Laufbahndaten ab Vollendung des 17. Lebensjahrs und bis zum geplanten Pensionseintritt lückenlos zusammen. Bei einem Hochschulstudium weisen Sie zusätzlich die genaue Dauer der Studien- und Prüfungszeit nach. Die Mühe der lückenlosen Erfassung aller Muss-, Soll- und Kann-Zeiten können Sie sich nur ersparen, wenn bereits die reine Beamtendienstzeit mindestens 40 Jahre ausmacht. In diesem Fall erreichen Sie den höchstmöglichen Ruhegehaltssatz auch schon ohne Berücksichtigung von anderen Zeiten. Wenn Ihre reine Beamtendienstzeit aber unter 40 Jahren liegt, ist jeder zusätzliche Monat bei der Ermittlung der gesamten ruhegehaltfähigen Dienstzeit bares Geld wert.

Auszüge aus: GeldBerater, Dezember 2013

Weitere News zum Thema "Beamtenpensionen":

Steinbrück trifft Kritik wegen Plänen zu Beamtenpensionen,

Beamte: Kindererziehung für Rente anerkennen lassen.

Weitere News zum Thema

  • Beamtenpensionen zu hoch?

    [] Hohe Pensionen sorgen wieder einmal für Aufregung. Innerhalb weniger Stunden wurde ein Artikel auf ZEIT-online mehr als 250.000 mal aufgerufen und fast 1.000 mal kommentiert. Nadine Oberhuber macht sich darin die recht oberflächliche Kritik von Diplom-Kaufmann Torsten Ermel, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und AfD-Mitglied, an den Beamten und Pensionären zu eigen. Diese seien die »neuen Adeligen der Nation«. Unser Autor Werner Siepe, selbst Pensionär, stellt klar. mehr

  • Neuordnung der Zusatzversorgung weiterhin verfassungswidrig

    [] Zusatzversorgung der Angestellten und Arbeiter im öffentlichen Dienst: Bundesgerichtshof erklärt auch die geänderte Startgutschriftenregelung der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) für rentenferne Versicherte für unwirksam. mehr

  • Größte Zusatzversorgungskasse senkt Garantiezins auf 0,25 % pro Jahr

    [] Der Garantiezins bleibt nach dem Beschluss des Bundesfinanzministeriums vom 17.12.2015 nun doch bei 1,25 % im Jahr 2016. Kurioserweise teilte die Versorgungsanstalt de Bundes und der Länder (VBL) nur einen Tag vorher mit, dass sie den Garantiezins für Neuabschlüsse in der freiwilligen Versicherung ab 1.4.2016 senken will (Quelle: VBL ). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.