Wie zukunftsfest die europäischen Sozialstaaten sind

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(verpd) Gut jeder sechste Bürger in Europa (EU-27) ist mindestens 65 Jahre alt, in Deutschland sogar mehr als jeder fünfte. Deutschland wird auch 2060 zu den ältesten europäischen Staaten gehören, hinsichtlich der Sozialausgaben für die Älteren im EU-Vergleich aber nur im Mittelfeld liegen. Dies zeigt eine Studie des Hamburgischen Weltwirtschafts-Instituts im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge.

Alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) stehen vor wachsenden demografischen Herausforderungen. Dabei wirken nach Einschätzung des Hamburgischen Weltwirtschafts-Instituts (HWWI) vor allem drei Faktoren: Die Lebenserwartung steigt jedes Jahr etwas an und die Geburtenrate reicht zur Stabilisierung der Bevölkerungszahl nicht aus. Und zu einem allerdings zeitlich überschaubaren Zeitraum drängen die Baby-Boomer der 1960er-Jahre ins Rentenalter.

Der Faktor des anschließenden Pillenknicks falle in den 27 Mitgliedstaaten allerdings unterschiedlich stark ins Gewicht, betonte Christina Benita Wilke vom HWWI. Insgesamt lebten heute bereits rund 88 Millionen Menschen im Alter von über 65 Jahren in den Mitgliedstaaten, so die Studie „Zur Zukunftsfestigkeit der europäischen Sozialstaaten“. Die Untersuchung hat das HWWI im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (Dia) erstellt.

Jeder Sechste in der EU-27 ist mindestens 65 Jahre

Der Anteil der ab 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung beträgt in der EU-27 demnach bereits 18,2 Prozent. In Deutschland ist nach Italien (21,2 Prozent) die Alterung mit am weitesten fortgeschritten. Die Generation der ab 65-Jährigen kommt hierzulande auf einen Anteil von 20,7 Prozent. Eine vergleichsweise junge Bevölkerung weist Irland auf, wo der Altenanteil bei lediglich 12,2 Prozent liegt.

Für die Stabilität der Sozialsysteme spielt der sogenannte Altenquotient eine wesentliche Rolle. Er beschreibt das Verhältnis der älteren Generation zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15 bis 64 Jahre), die den Wohlstand erwirtschaftet und den Großteil der Steuern aufbringt. Auch hier weisen Italien (32,7) und Deutschland (31,3) die höchsten Werte auf.

Hochgerechnet auf das Jahr 2060 ergeben sich aber gravierende Entwicklungs-Unterschiede. Vor allem in den zur EU zählenden osteuropäischen Staaten verschlechtert sich der Altenquotient deutlich.

2060 wird mehr als jeder Zweite über 65 Jahre alt sein

Kamen in 2013 in der EU-27 rund 27,5 ältere Menschen ab 65 Jahren auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter, werden es im Jahr 2060 bereits 52,6 Prozent sein.

Dabei steigen die Werte für die Slowakei, Polen, Rumänien, Litauen und Bulgarien zum Teil deutlich über 60 Prozent. Deutschland bleibt mit 59,9 Prozent knapp unter dieser Marke, während Österreich mit 50,7 Prozent deutlich besser wegkommt.

Die HWWI-Studie stützt sich in der Analyse auf Berechnungen des Europäischen Statistikamtes Eurostat. Danach dürfte die Bevölkerung der EU-27 aufgrund von Wanderungsgewinnen mit Drittstaaten bis zum Jahr 2050 um vier Prozent wachsen. Bliebe dies aus, würde die Bevölkerung um 50 Millionen auf 450 Millionen schrumpfen.

Späteres Renteneintrittsalter

Betrachtet man, wie sich die Altersstrukturen in den einzelnen EU-Ländern auf die Sozialausgaben für ältere Menschen auswirken, dann schneidet Irland mit sechs Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) am besten ab. Italien steht hier mit 16,5 Prozent an der Spitze. Deutschland rangiert mit Ausgaben von 11,4 Prozent des BIP im oberen Mittelfeld. Dabei spielt das Renteneintrittsalter eine wesentliche Rolle. In den meisten Ländern gilt für Männer zwar ein Renteneintrittsalter von 65 Jahren.

Die Wirklichkeit sieht aber anders aus. Den höchsten Wert erreicht noch Irland mit einem Rentenbezug ab 64,1 Jahre. Die Rente wird in der Masse vorzeitig in Anspruch genommen. In der Studie sieht man in einem späteren Renteneintrittsalter eine wesentliche Stellschraube, um die jüngere Generation nicht übermäßig zu belasten. Wer seinen bisherigen Lebensstandard im Alter weiter halten möchte und dazu nicht unbedingt auch noch im Rentenalter erwerbstätig sein will, sollte frühzeitig eine sinnvolle Altersvorsorge aufbauen.

Bereits heute hat die gesetzliche Altersrente bei Weitem nicht die Höhe des bisherigen Einkommens. Diese Rentenlücke lässt sich jedoch mithilfe einer betrieblichen sowie staatlich geförderten und/oder privaten Anlageform schließen.

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