Wer spät in Rente geht, lebt länger

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Eine Untersuchung der Lebenserwartung von Frührentnern kommt zu dem Ergebnis, dass man nicht unbedingt länger lebt, je früher man in Rente geht.

Die Zeitschrift "Demografische Forschung" (eine gemeinsame Publikation des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung, des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels, des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, des Vienna Institute of Demography/Austrian Academy of Sciences und des Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital) berichtet in ihrer dritten Ausgabe des Jahres 2014 unter der Überschrift "Späte Rente, längeres Leben", dass Männer, die bereits mit 60 Jahren aufhören zu arbeiten, eine deutlich verringerte Lebenserwartung hätten.

In Deutschland gehen laut dieses Beitrags in der Zeitschrift "Demografische Forschung" (DF) Männer und Frauen heute im Schnitt mit knapp 61 Jahren in Rente. Ein deutsches Forscherduo habe nun erstmals untersucht, inwieweit dieser Trend zur frühen Verrentung die Rentenkassen belasten könnte. Ihr überraschendes Fazit laute: weniger stark als gedacht.

Wie Stephan Kühntopf vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden und Thusnelda Tivig vom Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels in der Fachzeitschrift European Journal of Epidemiology berichten, wurde von der Möglichkeit einer frühen Altersrente in der Vergangenheit oft Gebrauch gemacht.

Die Wissenschaftler haben laut DF die Daten von sämtlichen deutschen Rentnern der Jahre 2003 bis 2005 analysiert. Demnach hörten 21,1 Prozent der Männer und 38,1 Prozent der Frauen bereits mit 60 Jahren auf zu arbeiten. Nur 25 Prozent der männlichen und 31,2 Prozent der weiblichen Rentner hielten bis zum Schluss durch und kehrten dem Berufsleben erst mit 65 Jahren den Rücken zu. Das mittlere Renteneintrittsalter der Männer und Frauen lag bei 61,6 Jahren.

Geht man von einer durchschnittlichen Lebenserwartung aus, belastet ein früher Renteneintritt die Rentenkassen stärker als ein später Rentenbeginn. Aber leben die Menschen, die - vielfach aus gesundheitlichen Gründen - bereits mit 60 Jahren in Rente gehen, wirklich ebenso lang wie jene, die bis 65 arbeiten?

Die Ergebnisse von Kühntopf und Tivig zeigen laut DF: Die Lebenserwartung deutscher Männer hängt stark vom Renteneintrittsalter ab. Bei Frauen ist dieser Zusammenhang, insbesondere wenn diese erst mit 60 Jahren oder später in Rente gehen, sehr viel geringer ausgeprägt.

Ein deutscher Mann, der mit 55 Jahren erstmals eine Erwerbsminderungsrente bezogen hatte, konnte zum Zeitpunkt der Analyse im Alter von 65 Jahren im Schnitt noch mit einer weiteren Lebenszeit von 13 Jahren rechnen. Männer, die bis zum Alter von 65 Jahren gearbeitet hatten, durften dann hingegen noch auf weitere 17,3 Jahre hoffen.

Den Untersuchungen zufolge steige die Lebenserwartung zweimal sprunghaft an: bei einem Renteneintrittsalter von 60 und einem von 63 Jahren. "Das liegt vermutlich daran, dass Männer, die vor ihrem 60. Geburtstag in Rente gingen, vielfach gesundheitliche Probleme hatten", sagt Tivig. "Mit 60 Jahren stellten hingegen auch viele Langzeitarbeitslose und mit 63 Jahren die besonders langjährig Versicherten den Rentenantrag."

Dass die Lebenserwartung nach einem Renteneintrittsalter von 64 Jahren noch einmal leicht sinke, könne daran liegen, dass viele Menschen, selbst wenn sie gesundheitliche Probleme hätten, aus finanziellen Gründen gezwungen seien, bis 65 zu arbeiten, spekuliere die Forscherin laut DF: Vorher hätten sie womöglich gar keinen Anspruch auf eine Rente.

Tivig und ihr Kollege untersuchten auch, inwiefern sämtliche vom Rentenversicherer anerkannte Krankheitsphasen die Sterblichkeit der Rentner beeinflussen. Dabei stellten sich vor allem zwei Dinge heraus.

  • Erstens ist die Sterblichkeit bei jedem Renteneintrittsalter abhängig von der Dauer vorangegangener Krankheitsphasen.

  • Legt man zweitens eine bestimmte Krankheitsdauer zugrunde, sinkt die Sterblichkeit mit der Höhe des Renteneintrittsalters.

Die Wahrscheinlichkeit, schon vor dem 72. Geburtstag zu sterben, ist den Berechnungen zufolge unter den Empfängern einer Altersrente am höchsten bei Männern, die bereits mit 60 Jahren in Rente gingen und davor mindestens vier Monate lang krank waren, und am niedrigsten bei Männern, die mit 64 Jahren aufhörten zu arbeiten und davor niemals ernsthafte gesundheitliche Probleme hatten.

Zwar zeigten ihre Daten, dass Männer und insbesondere Frauen in Deutschland dazu tendierten, so früh wie gesetzlich möglich in Rente zu gehen, schreiben die Forscher. Dennoch hätten die erhöhte Sterblichkeit der Frührentner und die daraus resultierende kürzere Rentenbezugszeit zur Folge, dass die Lasten für das deutsche Rentensystem insgesamt geringer sein könnten als allgemeinhin angenommen.

Für die aktuellen und zukünftigen Neurentner seien die Ergebnisse aufgrund der vielen rentenrechtlichen Veränderungen, insbesondere beim Thema Frühverrentung, allerdings nur bedingt aussagekräftig, gebe Stephan Kühntopf laut DF zu bedenken.

Quelle: Zeitschrift "Demografische Forschung" Nr. 3/2014

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