Wer länger arbeitet, wird belohnt

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Der Übergang in den Ruhestand wird flexibler durch bessere Hinzuverdienstmöglichkeiten. Bundesarbeits- und -sozialministerin Andrea Nahles (SPD) legt ein Gesetz zur Flexi-Rente vor, das zum 1.1.2017 in Kraft treten soll.

Mehr und mehr ältere Menschen in Deutschland können und wollen länger arbeiten. Die Rahmenbedingungen für die Beschäftigung von älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern werden kontinuierlich weiter verbessert. Mittlerweile sind mehr als die Hälfte der 60- bis 64-Jährigen erwerbstätig. Im Jahr 2000 waren es noch rund 20 Prozent.

Gleichzeitig gibt es auch weiterhin viele Menschen, welche es nicht schaffen bis zur Regelaltersgrenze weiterzuarbeiten, selbst wenn sie wollten. Dadurch ergeben sich für diese Menschen Nachteile im Rentenübergang.

Ältere Beschäftigte sind unverzichtbar in der Arbeitswelt. Mit ihrer Erfahrung und ihrem Potenzial leisten sie einen wertvollen Beitrag gegen den Fachkräftemangel. Um sie möglichst lange im Erwerbsleben zu halten, sollen sie noch bessere Möglichkeiten erhalten, ihren Übergang in den Ruhestand flexibel, selbstbestimmt und gemäß ihren individuellen Lebensentwürfen zu gestalten.

Das betrifft beispielsweise die Kombinierbarkeit von Einkommen aus Teilzeitarbeit und vorgezogener Altersrente oder die frühzeitige Möglichkeit zum Ausgleich von Rentenabschlägen, die sich bei einem früheren Renteneintritt ergeben können.

Erwerbstätige sollen zudem besser dabei unterstützt werden, individuelle Gesundheitsrisiken, die ihre Erwerbsfähigkeit langfristig gefährden, früh zu erkennen und zu vermeiden. Die Gesundheit und damit zugleich die Erwerbsfähigkeit der Versicherten sollen durch ve-besserte Leistungen der Prävention, Rehabilitation und Nachsorge geschützt und gesichert werden, damit sie im Erwerbsleben gesünder älter werden.

Mit dem Gesetz über Leistungsverbesserungen in der gesetzlichen Rentenversicherung (RV-Leistungsverbesserungsgesetz) vom 23.6.2014 wurden die Bedingungen für einen flexibleren Verbleib im Erwerbsleben verbessert. Seither kann die Beendigung von zunächst auf die Regelaltersgrenze befristeten Arbeitsverträgen gegebenenfalls auch mehrfach hinausgeschoben werden.

Im Zuge dieses Gesetzgebungsverfahrens haben die Fraktionen von CDU/CSU und SPD einen Entschließungsantrag auf den Weg gebracht, der weitere Verbesserungen des rechtlichen Rahmens für flexiblere Übergänge vom Erwerbsleben in den Ruhestand skizziert.

Eine Arbeitsgruppe der Regierungsfraktionen hat Vorschläge für entsprechende Maßnahmen entwickelt und diese im November 2015 vorgestellt. Daran knüpft das vorliegende Gesetz an. Es verfolgt einerseits das Ziel, das flexible Arbeiten bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze bei besserer Gesundheit zu erleichtern und zu fördern und andererseits das Weiterarbeiten über die Regelaltersgrenze hinaus attraktiver zu machen.

Maßnahmen

Flexibles Arbeiten bis zur Regelaltersgrenze und darüber hinaus bei besserer Gesundheit wird durch eine Reihe von Änderungen im Sechsten Buch Sozialgesetzbuch (SGB VI) und Dritten Buch Sozialgesetzbuch (SGB III) gefördert:

1. Die Möglichkeit, vor Erreichen der Regelaltersgrenze eine Teilzeitarbeit durch eine Teilrente zu ergänzen, wird verbessert. Teilrente und Hinzuverdienst werden flexibel und individuell miteinander kombinierbar. Hinzuverdienst wird im Rahmen einer Jahresbetrachtung stufenlos bei der Rente berücksichtigt. Das gilt auch für Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit.

2. Wer eine vorgezogene Vollrente wegen Alters bezieht und weiterarbeitet, erhöht dadurch künftig regelmäßig den Rentenanspruch. Auch Vollrentnerinnen und Vollrentner sind fortan in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig, bis sie die Regelaltersgrenze erreichen.

3. Um einen Anreiz für eine Beschäftigung auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze zu setzen, wird die Möglichkeit geschaffen, auf die dann bestehende Versicherungsfreiheit zu verzichten. Die Beschäftigten können so weitere Entgeltpunkte in der gesetzlichen Rentenversicherung erwerben und ihren Rentenanspruch noch erhöhen.

4. Versicherte können früher (ab 50 Jahren) und flexibler (Einmalbeitrag oder halbjährliche oder jährliche Beiträge) als bisher zusätzlich Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen, um Rentenabschläge auszugleichen, die mit einer geplanten vorzeitigen Inanspruchnahme einer Altersrente einhergehen würden.

5. Versicherte werden gezielt über ihre Gestaltungsmöglichkeiten des Übergangs vom Erwerbsleben in den Ruhestand informiert. Die Rentenauskunft, die Versicherte ab dem Alter von 55 Jahren erhalten, wird insbesondere um Informationen darüber ergänzt, wie sich das Vorziehen oder Hinausschieben des Rentenbeginns auf die Rente auswirkt.

6. Neue Regelungen im Bereich der Prävention und der Rehabilitation stärken die Leistungen der Rentenversicherung zur Teilhabe. Diese sind daher noch besser geeignet, die Gesundheit und insbesondere die Erwerbsfähigkeit der Versicherten und ihrer Kinder und damit auch ihren Verbleib im Erwerbsleben oder ihren Eintritt in das Erwerbsleben zu sichern.

7. Die Beschäftigung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird für Arbeitgeber attraktiver. Der bisher anfallende gesonderte Arbeitgeberbeitrag zur Arbeitslosenversicherung für Beschäftigte, die die Regelaltersgrenze erreicht haben und somit versicherungsfrei sind, entfällt für fünf Jahre.

Rentenabschlag abkaufen

Musterberechnung für einen Arbeitnehmer, der 50 Jahre alt wird in 2017 und zu den Durchschnittsverdienern zählt. Wenn er weiter bis zum 63. Lebensjahr so verdient wie bisher und dann auf insgesamt 38 Beitragsjahre kommt, läge seine künftige gesetzliche Rente nach heutigem Stand bei 1.157 . Davon ginge dann ein Rentenabschlag in Höhe von 167 (= 14,4 % von 1.157 ) ab, so dass er bei einer Bruttorente von nur 990 (ohne Ansatz von Rentensteigerungen) landen würde. Um den Rentenabschlag von 167 abzukaufen, müsste er einen Einmalbeitrag von 44.768 zahlen. Der dann wegfallende Rentenabschlag von 167 monatlich macht im Jahr 2.000 aus, der jährliche garantierte Rentensatz läge also bei 4,5 % (= 2.000 in % von 44.768 ). Wenn man allerdings eine durchschnittliche Rentensteigerung von 2,24 % pro Jahr wie im Rentenversicherungsbericht 2015 der Bundesregierung annimmt, steigt die mögliche gesetzliche Rente auf 223 monatlich bzw. 2.676 jährlich. Dann läge der mögliche jährliche Rentensatz immerhin bei 6 %.

Zum Vergleich die Zahlung eines Einmalbeitrages von 44.768 mit aufgeschobener Rente (inkl. Hinterbliebenenrente zu 60 % bei einem gleichaltrigen Ehegatten) in die klassische Rürup-Rente bei der Hannoverschen Leben: Die garantierte Rürup-Rente liegt bei 143 (also 24 bzw. rund 15 % weniger im Vergleich zur garantierten gesetzlichen Rente). Die flexible Rürup-Rente von 220 bei einer laufenden Verzinsung von 2,75 % liegt zwar in etwa so hoch wie die mögliche gesetzliche Rente. Allerdings ist die flexible Rürup-Rente nicht dynamisch und steigt daher im Gegensatz zur dynamischen gesetzlichen Rente nicht. Zudem ist die laufende Verzinsung von 2,75 % bei der klassischen Rürup-Rente der Hannoverschen Leben aus heutiger Sicht recht optimistisch.

Wichtig: Dieser Vergleich von gesetzlicher und Rürup-Rente bezieht sich ausschließlich auf die Bruttorenten. Hinsichtlich der Steuern (steuerliche Abzugsfähigkeit des Einmalbeitrages und Besteuerung der späteren Rente) gibt es keine Unterschiede zwischen gesetzlicher Rente und Rürup-Rente. Bei der Kranken- und Pflegeversicherung muss man allerdings unterscheiden. Der privat krankenversicherte Rentner erhält von der DRV noch einen Zuschuss in Höhe von 7,3 % der Bruttorente, während bei dem gesetzlich krankenversicherten Rentner noch rund 11 % für den Beitrag zur GKV/GPV abzuziehen sind. Sowohl der privat als auch der in der KVdR gesetzlich krankenversicherte Rentner erhält die Rürup-Rente ohne Zuschuss bzw. ohne Kürzung. Beim freiwillig in der GKV krankenversicherten Rürup-Rentner müssen aber noch rund 18 % von der Bruttorente für den GKV/GPV-Beitrag abgezogen werden.

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