Welche Bundesbürger armutsgefährdet sind

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(verpd) Die Armutsgefährdungsquote in Deutschland ist im Jahr 2010 weiter gestiegen. Gegenüber dem Vorjahr nahm sie um 0,2 Prozentpunkte auf 15,8 Prozent zu, wie aus jüngsten statistischen Daten hervorgeht. Im Jahr 2008 hatte die Quote noch bei 15,5 Prozent gelegen. Dabei gelten diejenigen Personen als armutsgefährdet, die weniger als 60 Prozent des Einkommensmedians zur Verfügung haben.

Die Zahl der armutsgefährdeten Bundesbürger hat 2010 zum zweiten Mal in Folge zugenommen, wie aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) zeigen. Als armutsgefährdet gelten Einwohner mit einem Einkommen geringer als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung eines Landes. Wie Destatis weiter mitteilte, galt im Jahr 2010 eine Person in Deutschland als armutsgefährdet, wenn sie nach Einbeziehung staatlicher Transferleistungen im Jahr weniger als 11.426 € beziehungsweise 952 € im Monat zur Verfügung hatte.

Im Jahr zuvor hatten diese Grenzwerte bei 11.278 € im Jahr (940 € im Monat) gelegen. In Deutschland wurden 13.512 Haushalte und 24.220 Personen ab 16 Jahren zu ihren Einkommen und Lebensbedingungen befragt. Diese Erhebungen werden jährlich für alle 27 Staaten der Europäischen Union durchgeführt. Die Ergebnisse für die EU-27 liegen laut Destatis allerdings noch nicht vor.

Armutsbrennpunkt Haushalte mit Alleinerziehenden

Insgesamt sind 15,8 Prozent der Bundesbürger armutsgefährdet. Wobei Frauen mit 16,8 Prozent eher von Armut bedroht sind als Männer (14,9 Prozent). Betrachtet man die Armutsgefahren nach Haushaltstypen, dann bestehen die größten Gefahren in Haushalten von Alleinerziehenden mit 37,1 Prozent. Ihnen folgt die Gruppe der Alleinlebenden im Alter von unter 65 Jahren mit 36,1 Prozent.

Kaum von Armut bedroht sind Haushalte, in denen zwei Erwachsene und zwei Kinder leben. Sie haben eine Gefährdungsrate von 8,7 Prozent. Und auch Haushalte mit zwei Personen ohne Kinder und beide unter 65 Jahre alt können mit einer Quote von 11,3 Prozent noch als relativ gering gefährdet eingestuft werden.

Ein höheres Armutsrisiko als die letztgenannten Haushaltstypen haben jedoch Rentner ab 65 Jahren (14,2 Prozent). Bei Senioren beträgt die Quote 12,0 Prozent, bei Seniorinnen 16,2 Prozent. Alleinlebende Menschen ab 65 Jahren oder älter haben mit 24,1 Prozent bei den Senioren das höchste Risiko der finanziellen Armut.

Alleinlebende sind besonders armutsgefährdet

Besonders Alleinlebende sind armutsgefährdet, daher ist es wichtig, rechtzeitig für mögliche Notfälle vorzusorgen. Mehr als zwei Drittel, konkret 68 Prozent, der Alleinlebenden im Alter von 35 bis 64 Jahren finanzierten sich 2011 überwiegend aus eigener Erwerbstätigkeit. Das bedeutet, reduziert sich aus irgendeinem Grund das Einkommen oder fällt es komplett weg, kann es in einem Singlehaushalt schnell zu finanziellen Schwierigkeiten kommen. Daher sollten Alleinlebende an eine umfassende Einkommenssicherung denken.

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zahlt gesetzlich versicherten Arbeitnehmern bei einer Arbeitsunfähigkeit, die nicht unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung fällt, für maximal 78 Wochen 70 Prozent des Bruttolohns, aber höchstens 90 Prozent des Nettoeinkommens. Für die Höhe des Krankengeldes wird zudem maximal das Einkommen bis zur Beitragsbemessungs-Grenze (monatlich 3.825 € in 2012) berücksichtigt. Das Gehalt oberhalb dieser Grenze wird nicht mit einbezogen.

Insbesondere gut verdienende Angestellte, aber vor allem auch Selbstständige, die keine gesetzliche Absicherung haben, müssen bei einer längeren Arbeitsunfähigkeit mit hohen finanziellen Einbußen im Vergleich zum Gehalt oder Einkommen rechnen.

Einkommensabsicherung

Kann man aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalles seinen Beruf nicht mehr ausüben, hat jeder, der nach dem 1.1.1961 geboren ist, keinen Anspruch mehr auf eine gesetzliche Berufsunfähigkeits-Rente. Sollte ein gesetzlich Rentenversicherter keiner beruflichen Tätigkeit irgendeiner Art mehr nachgehen können, hat er zwar unter Umständen Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente, doch auch diese ersetzt bei Weitem nicht sein bisheriges Einkommen.

So betrug im Jahr 2010 beispielsweise die Höhe der Durchschnittsrente wegen voller Erwerbsminderung, also wenn der Betroffene weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann, 746 € bei den Männern und 680 € bei den Frauen. Wer bisher ein höheres Nettogehalt hatte, für den ergäbe sich hier eine deutliche Finanzlücke.

Wer Einkommenseinbußen im Falle einer längeren Krankheit oder eines Unfalls sowie einer Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit vermeiden möchte, sollte über eine private Krankentagegeld-, eine Berufs- und/oder eine Erwerbsunfähigkeits-Versicherung nachdenken. Auch eine Pflegezusatz- und Unfallabsicherung schützt unter Umständen im Falle des Falles vor finanziellen Problemen.

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