Wegen Krankheit vorzeitig in Rente

 - 

Fast jeder Fünfte muss vorzeitig in Rente. Deshalb warnt der VdK vor hohen Armutsquoten und fordert die Abschaffung der Abschläge bei Erwerbsminderung.

Krankheit ist ein hohes Armutsrisiko. Wer aus gesundheitlichen Gründen Erwerbsminderungsrente bezieht, erhält oft eine Rente unter dem Grundsicherungsniveau. Der Sozialverband VdK fordert deshalb, die Situation der Frührentner nachhaltig zu verbessern. Wegen hoher Belastungen im Beruf schaffen es viele nicht mehr, bis zur Regelaltersgrenze zu arbeiten.

"Eine schwere Erkrankung, die zum Verlust der Arbeitsfähigkeit führt, ist ein tiefer Einschnitt im Leben. Dafür auch noch mit einer Rente unter der Armutsgrenze bestraft zu werden, ist nicht hinnehmbar", erklärt VdK-Präsidentin Ulrike Mascher.

18,4 Prozent aller Neurentnerinnen und Neurentner sind nach Angaben der Bundesregierung im Jahr 2014 aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in Rente gegangen. Im Schnitt lagen die Erwerbsminderungsrenten bei 628 €: 386 € erhalten Menschen mit teilweiser Erwerbsminderung, die noch bis zu sechs Stunden täglich arbeiten können. 664 € beträgt die monatliche Auszahlung bei voller Erwerbsminderung.

Berechnungsgrundlage für eine Erwerbsminderungsrente ist der Durchschnitt der bisher geleisteten Beiträge zur Rentenversicherung. Dieser wird bis zum 62. Lebensjahr fortgerechnet. Allerdings kommen viele der aktuell 1,8 Millionen Erwerbsminderungsrentner aus schlecht bezahlten Berufen, etwa im Baugewerbe oder in der Pflege, viele haben im Niedriglohnsektor oder in prekären Jobs gearbeitet.

Ein wesentlicher Grund für diese niedrigen Renten sind die hohen Abschläge. Für jeden Monat, den diese Menschen vor der für sie geltenden Altersgrenze in Rente gehen, betragen sie 0,3 Prozent, insgesamt maximal 10,8 Prozent. Tatsächlich muss auch ein Arbeitnehmer, der freiwillig vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheidet, Rentenabschläge in Kauf nehmen.

Der Kardinalfehler ist nach Ansicht von VdK-Präsidentin Mascher aber, dass diese Regelung auch für denjenigen gilt, der durch Krankheit gezwungen ist, vorzeitig in Rente zu gehen. "Krankheit darf nicht arm machen. Deswegen müssen diese Abschläge weg", fordert sie.

Die Entwicklung sei alarmierend: Jeder dritte alleinstehende Erwerbsminderungsrentner müsse Grundsicherung beantragen, lebt also an der Armutsgrenze. Das Fatale: Aus eigener Kraft kann man der Armut bis ans Lebensende nicht mehr entkommen, denn die Gesundheit lässt es nicht zu, einen Job anzunehmen, um das schmale Einkommen aufzubessern.

Mascher warnt: "Ein armer Frührentner wird ein armer Altersrentner. Das Problem der Altersarmut verschärft sich noch mehr." Nach Berechnungen des Sozialverbands VdK würde die Rücknahme der Rentenabschläge für Erwerbsminderungsrentner zu etwa zwei Milliarden Euro jährlichen Mehrausgaben in der Rentenversicherung führen. "Das ist machbar, dieser Spielraum wäre da", ist Mascher überzeugt. Sie wies darauf hin, dass beispielsweise die Ausgaben für die Mütterrente, die nach Ansicht des VdK systemwidrig aus der Rentenkasse bezahlt werden, künftig aus Steuereinnahmen finanziert werden könnten.

Ebenfalls prekär ist die Situation für die Gruppe derjenigen, deren Erwerbsminderungsrente abgelehnt wird, was bei fast der Hälfte der Anträge der Fall ist. Diese Menschen finden oft keinen Job mehr und geraten in die Abwärtsspirale: Erst werden die Ersparnisse aufgebraucht, dann schlagen sie sich mit Arbeitslosengeld II bis zur Altersgrenze durch und müssen schließlich Grundsicherung beantragen.

Grundsätzlich dürfe die Politik nicht länger hinnehmen, dass Arbeit krank macht, erklärt Mascher. Im Durchschnitt sind Erwerbsminderungsrentner beim Erstbezug erst 50 Jahre alt. Sie haben eine oft mehrjährige Krankengeschichte hinter sich, immer mehr scheiden aus psychischen Gründen aus. "Gesundheitliche Prävention muss zur Pflichtaufgabe jedes Unternehmens werden", fordert Mascher deshalb.

Weitere News zum Thema

  • Immer häufiger führt eine Erwerbsminderung zur Armut

    [] (verpd) Nach den aktuellen Daten der Gesundheits-Berichterstattung des Bundes waren noch nie so viele Bürger aufgrund einer Erwerbsminderung auf eine Grundsicherung angewiesen. Auch benötigen immer mehr Personen, die zwar aufgrund ihrer Erwerbsminderung eine gesetzliche Rente bekommen, eine Grundsicherung, damit sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können. mehr

  • Was es mit dem Sterbevierteljahr auf sich hat

    [] (verpd) Stirbt ein Ehepartner, hat das für den Hinterbliebenen oft auch finanzielle Auswirkungen. Mit dem sogenannten Sterbevierteljahr will die gesetzliche Rentenversicherung dem hinterbliebenen Ehepartner den Übergang zu den geänderten finanziellen Verhältnissen erleichtern. Die Witwe oder der Witwer erhält dazu drei Monate lang eine höhere Hinterbliebenenrente ausbezahlt, als die gesetzliche Witwen- oder Witwerrente tatsächlich ist. Dazu müssen jedoch bestimmte Kriterien erfüllt sein. mehr

  • Damit die Rente kein Ratespiel wird

    [] (verpd) Nur wenige Bundesbürger im erwerbsfähigen Alter haben eine klare Vorstellung davon, welche gesetzliche Altersrente ihnen später zur Verfügung stehen wird. Dagegen sind sich viele nicht sicher, ob ihr Alterseinkommen auch tatsächlich ausreicht, um ihren Lebensstandard zu halten, so die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage. mehr

  • Wann für die Altersrente Einkommensteuer zu zahlen ist

    [] (verpd) Grundsätzlich müssen auch Rentner eine Einkommensteuer entrichten, wenn ihre Renteneinkünfte zusammen mit möglichen sonstige Einkommen, zum Beispiel aus Vermietungen oder Kapitaleinkünften, über einem bestimmten Betrag liegen. Eine kostenlose Broschüre der Deutschen Rentenversicherung erklärt die Details zur Steuerpflicht für Rentner. mehr

  • Gesetzliche Rentenversicherung für freiwillige Beiträge geöffnet

    [] Die zum Jahresbeginn neu eingeführte Flexi-Rente enthält noch mehr Möglichkeiten, als zunächst von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. So können nun die Bezieher einer vorgezogenen Altersrente erstmals freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse zahlen und so ihre Rentenhöhe steigern. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.