Was es mit dem Sterbevierteljahr auf sich hat

 - 

(verpd) Stirbt ein Ehepartner, hat das für den Hinterbliebenen oft auch finanzielle Auswirkungen. Mit dem sogenannten Sterbevierteljahr will die gesetzliche Rentenversicherung dem hinterbliebenen Ehepartner den Übergang zu den geänderten finanziellen Verhältnissen erleichtern. Die Witwe oder der Witwer erhält dazu drei Monate lang eine höhere Hinterbliebenenrente ausbezahlt, als die gesetzliche Witwen- oder Witwerrente tatsächlich ist. Dazu müssen jedoch bestimmte Kriterien erfüllt sein.

Hat ein hinterbliebener Ehepartner Anspruch auf eine gesetzliche Witwen- beziehungsweise Witwerrente, erhält er bis zum Ende des dritten Kalendermonats nach dem Monat, in dem der Ehepartner verstorben ist, eine Rente in Höhe der vollen Versichertenrente des Verstorbenen. Hat der Verstorbene noch keine gesetzliche Rente erhalten, ist die Versichertenrente die Rente, die der Verstorbene bei einer vollen Erwerbsminderung erhalten hätte.

War der Verstorbene bereits Rentenbezieher, bekommt der Ehepartner drei Monate die volle Altersrente des Verstorbenen – in dem Fall können die drei vollen Altersrenten auch als Vorschuss ausgezahlt werden, wenn dies rechtzeitig beantragt wird. Mit diesem sogenannten Sterbevierteljahr soll nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung (DRV) dem Hinterbliebenen der finanzielle Übergang auf die veränderten Verhältnisse erleichtert werden. Während des Sterbevierteljahres erfolgt keine Anrechnung des Einkommens der Witwe oder des Witwers auf die Hinterbliebenenrente.

Aktuelle Tipps zum flexiblen Renteneintritt geben Experten in unserem Ratgeber Die Flexi-Rente: Neue Chancen für Rentenversicherte und Rentner.

Voraussetzungen für eine Witwen- oder Witwerente

Anspruch auf eine gesetzliche Witwen- beziehungsweise Witwerrente und damit auch auf das Sterbevierteljahr hat ein Ehepartner nur, wenn der Verstorbene zum Zeitpunkt des Todes die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren in der gesetzlichen Rentenversicherung erfüllt hat. Also wenn der Verstorbene beispielsweise mindestens fünf Jahre als Arbeitnehmer gesetzlich rentenversichert war oder dies wegen eines Arbeitsunfalles als vorzeitig erfüllt gilt. Zudem muss die Ehe am Todestag mindestens ein Jahr bestanden haben, außer der Ehepartner kam bei einem Unfall ums Leben.

Ein entsprechender Rentenantrag auf eine Witwen- oder Witwerrente und damit auch auf das Sterbevierteljahr ist beim Rentenversicherungs-Träger, an den der Verstorbene zuletzt Beiträge entrichtet oder von dem er eine Versichertenrente erhalten hat, zu stellen. Der Rentenantrag kann aber auch im Versicherungsamt der Gemeinde-, Stadt- oder Bezirksverwaltung gestellt werden.

Wichtig ist, dass der Rentenantrag innerhalb von zwölf Monaten nach dem Monat, in welchem der Ehepartner verstorben ist, gestellt wird, denn alle Hinterbliebenenrenten werden vom Antragsmonat gerechnet maximal für bis zu zwölf Kalendermonate rückwirkend gezahlt.

Wertvolle Expertentipps zur staatlich geförderten Altersvorsorge erhalten Sie in unserem Ratgeber So schließen Sie Ihre Rentenlücke.

Gewünschter Vorschuss muss separat beantragt werden

Eine Besonderheit gilt allerdings, wenn der Verstorbene bereits in Rente war und der hinterbliebene Ehepartner einen Vorschuss im Rahmen des Sterbevierteljahres beantragen möchte, denn dazu ist ein separater Antrag notwendig. Der entsprechende Antrag auf eine Vorschusszahlung der Hinterbliebenenrente im Rahmen des Sterbevierteljahres ist nur innerhalb von 30 Tagen nach dem Tod des Ehepartners bei dem zuständigen Rentenservice der Deutschen Post AG – und nicht beim Rentenversicherungs-Träger – möglich.

Für den Vorschussantrag ist auch die Vorlage einer Sterbeurkunde und eines Identitätsnachweises des Hinterbliebenen, also beispielsweise der Personalausweis, notwendig. In der Regel erhält der hinterbliebene Ehepartner nach Abgabe des ausgefüllten Antrags innerhalb kurzer Zeit die drei Renten des Sterbevierteljahres als Vorschuss ausbezahlt. Der Antrag auf den Vorschuss gilt im Übrigen nicht gleichzeitig als Antrag auf eine Witwen- oder Witwerrente, die Hinterbliebenerente muss daher separat beantragt werden.

Umfassende Informationen zum Rentenvorschuss im Rahmen des Sterbevierteljahres enthält das kostenlos herunterladbare Merkblatt der Deutschen Rentenversicherung (DRV). Details zum Thema Witwen- und Witwerrente enthält die Broschüre Hinterbliebenenrente, die kostenlos beim DRV online heruntergeladen werden kann. Zudem steht für Fragen zum Thema gesetzliche Hinterbliebenenrente ein kostenloses Servicetelefon (Telefonnummer 0800 100048070) des DRV oder eine persönliche Beratung in einer der ortsnahen DRV-Beratungs- und Auskunftsstellen zur Verfügung.

Die wichtigsten Fragen zum Thema "Pflege" beantworten Experten in unserem Ratgeber Der Pflegefall droht: Entscheidungen treffen, Vermögen schützen und Ansprüche durchsetzen.

Weitere News zum Thema

  • Keine 800 Euro Erwerbsminderungsrente

    [] Nicht jeder bleibt so gesund, dass er tatsächlich bis zur Altersrente Vollzeit arbeiten kann. Ist das der Fall, hat ein gesetzlich Rentenversicherter, sofern die gesetzlich geregelten Voraussetzungen erfüllt sind, Anspruch auf eine sogenannte Erwerbsminderungsrente. Über 1,8 Millionen Menschen haben letztes Jahr eine solche Rente bezogen. Allerdings lag die durchschnittliche Rentenhöhe selbst bei jemandem, der aufgrund eines Gesundheitsleidens überhaupt nicht mehr erwerbstätig sein kann, deutlich unter 800 Euro. mehr

  • Weniger als 570 Euro Hinterbliebenenrente im Durchschnitt

    [] Ende 2016 erhielten rund 5,7 Millionen Bürger eine gesetzliche Hinterbliebenenrente. Im Durchschnitt betrug die Rentenhöhe je Bezieher 565 Euro monatlich. Verwitwete Männer, verwaiste Kinder und junge Witwen erhielten sogar deutlich weniger. Das geht aus einer veröffentlichten Statistik der Deutschen Rentenversicherung hervor. mehr

  • Viele sehen sich von Altersarmut bedroht

    [] Fast jeder Zweite hält es laut einer Umfrage eines Versicherers für wahrscheinlich, dass er selbst im Rentenalter von Altersarmut betroffen sein wird. Doch nur wenige wissen, was sie finanziell im Alter zu erwarten haben, wie eine weitere Studie belegt. mehr

  • Sorge um die Zukunft

    [] Zwar ist die Mehrheit der Bürger mittleren Alters aktuell mit ihrer Lebenssituation zufrieden, dennoch sorgt sich jeder Zweite um seine finanzielle Einkommenssituation im Rentenalter. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). mehr

  • Provisionen können Elterngeld erhöhen

    [] Provisionen, die der Arbeitgeber im Bemessungszeitraum vor der Geburt des Kindes zahlt, können das Elterngeld erhöhen, wenn sie als laufender Arbeitslohn gezahlt werden. Werden Provisionen hingegen als sonstige Bezüge gezahlt, erhöhen sie das Elterngeld nicht. Das hat der 10. Senat des Bundessozialgerichts am 14. Dezember 2017 in mehreren Verfahren entschieden (B 10 EG 7/17 R u. a.). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Geldtipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.