Vorzeitige Rente: Rentenabschlag oder niedrigere Steuerlast

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Lohnt es sich, so früh wie möglich in Rente zu gehen und einen Rentenabschlag in Kauf zu nehmen? Schließlich steigt der Besteuerungsanteil der Rente jedes Jahr um zwei Prozentpunkte.

Zahlreiche Arbeitnehmer stehen vor der Frage, ob sie die Möglichkeit einer vorgezogenen Altersrente ergreifen sollten, obwohl für jeden Monat des vorzeitigen Rentenbeginns 0,3 % von der Rente abgezogen werden.

Der Vorteil wäre, dass man einen geringeren Anteil der Rente versteuern müsste. Wer in diesem Jahr in Rente geht, muss 68 % seiner Rente der Besteuerung unterwerfen. Im nächsten Jahr sind es schon 70 %. Der Besteuerungsanteil der Rente steigt bis zum Jahr 2020 um jeweils zwei Prozentpunkte, danach bis 2040 um jeweils einen.

Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und folgenden Beispielfall durchgerechnet: Lediger Angestellter, geboren am 30.7.1951, 40 Pflichtbeitragsjahre bis 1.1.2015 oder 42 Jahre bis zur Regelaltersgrenze von 65 Jahren und 5 Monaten am 1.1.2017.

Alternative A: Frührente mit Abschlag ab 1.1.2015

Monatliche Bruttorente 1.500 € nach 40 Pflichtbeitragsjahren, Rentenabschlag 7,2 % von 1.500 € (also 108 €), Beitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung 10,5 % von 1.392 € Rente (1.500 € minus 104 € Rentenabschlag), Rentensteuer 229 € pro Jahr.

Rentensumme nach Abschlag, Kranken- und Pflegeversicherung sowie Steuern bei einer Rentenbezugsdauer von 22 Jahren (ohne Berücksichtigung der Steigerung von Renten sowie Beitrags- und Steuersätzen): 323.864 € (= 1.226,76 € x 12 Monate x 22 Jahre).

Alternative B: Regelaltersrente ohne Abschlag ab 1.1.2017

Monatliche Bruttorente 1.575 € nach 42 Pflichtbeitragsjahren, kein Rentenabschlag, Beitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung 10,5 % von 1.575 € Rente, Rentensteuer 621 € pro Jahr.

Rentensumme nach Kranken- und Pflegeversicherung sowie Steuern bei einer Rentenbezugsdauer von 20 Jahren (ohne Berücksichtigung der Steigerung von Renten sowie Beitrags- und Steuersätzen): 325.890 € (= 1.357,88 € x 12 Monate x 20 Jahre).

Zwischenfazit

Der lebenslange Rentenabschlag von monatlich 108 € wiegt bei der vorzeitigen Rente deutlich stärker als die sinkende Steuerlast von monatlich rund 33 € (= 1/12 der Differenz von 621 € und 229 €).

Wer nur den Rentenabschlag von beispielsweise 7,2 % bei einer um zwei Jahre vorzeitigen Rente mit der sinkenden Steuerlast von 4 % x Grenzsteuersatz von maximal 44,31 % (also 1,77 %) vergleicht, muss zu dem Schluss kommen: Der Rentenabschlag wiegt stärker als der ersparte Steuernachteil. Also wäre es nicht sinnvoller, nur wegen der Steuer mit Abschlägen früher in Rente zu gehen.

Vorzeitiger Rentenbeginn rechnet sich für Männer fast immer

Das Bild hellt sich zugunsten der abschlagspflichtigen Frührente nur dann etwas auf, wenn man die längere Rentenbezugsdauer (hier: zwei Jahre) berücksichtigt.

Diesen Vorsprung beim Rentenbezug gleicht der später beginnende Rentner erst nach seinem 84. Lebensjahr aus. Nach 20 Jahren Rentenbezug hat der 63er Rentner bereits 294.422,40 € Rente bezogen (dann ist er 83), während der 65er Rentner im gleichen Lebensalter (also nach 18 Jahren Rentenbezug) lediglich auf 293.302,08 € Rente kommt.

Die vorzeitige Rente mit Abschlag rechnet sich vor allem auch dann, wenn der Frührentner gar nicht mehr als Arbeitnehmer beschäftigt ist und keine Arbeit mehr finden würde. In diesem Fall fällt die um 75 € höhere Rente nach zwei weiteren Beitragsjahren natürlich weg und die Rentensumme ist bei dem 63er noch weit höher als beim 65er.

Fazit

Nur wenn Sie sicher sind, dass Sie älter als 83 Jahre werden, sollten Sie von einem vorzeitigen Rentenbezug absehen.

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