Vorgezogene Altersrente: Was tun, wenn ein neues Jobangebot kommt?

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Was geschieht mit Ihrer Frührente, wenn Sie einen neuen Job annehmen? Welches Zusatzeinkommen ist erlaubt, ohne dass es der Rente schadet?

Wer die reguläre Altersrente erreicht hat, darf neben der Rente so viel verdienen, wie er will – zumindest aus Sicht der Rentenversicherung. Einfluss auf die Rentenhöhe hat dies nicht. Bei vorgezogenen Altersrenten gelten dagegen andere Regeln: Wer zu lange zu viel neben der Rente bezieht, erhält diese nur noch als Zwei-Drittel-, Halb- oder Ein-Drittel-Rente und ggf. auch gar nicht mehr, solange der Nebenverdienst eine bestimmte Grenze übersteigt.

Das reguläre gesetzliche Rentenalter (Regelaltersgrenze) liegt derzeit bei 65 Jahren und drei Monaten und steigt weiter an, bis Ende des kommenden Jahrzehnts die 67-Jahres-Grenze erreicht ist. Wer das reguläre Rentenalter erreicht hat und Altersrente bezieht, muss die Rentenversicherung nicht über seinen Hinzuverdienst informieren. Altersrentner können damit also aus Sicht der Rentenversicherung jedes beliebige Arbeitsangebot annehmen, dies interessiert die Rentenversicherung gar nicht. Die Betroffenen können dann Rente plus Gehalt beziehen.

Ganz anders ist dies für Bezieher eines vorgezogenen Altersruhegeldes – übrigens auch für diejenigen, die ab Juli 2014 ab 63 Jahren die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte beziehen können. Verdienen die Betroffenen zu viel, so wird ihre Rente für den Zeitraum, in dem der Verdienst erzielt wird, gekürzt oder ganz gestrichen. Diese Regelung ist politisch höchst umstritten; immer wieder gibt es Vorschläge, den Hinzuverdienst (weitgehend) freizustellen. Bis auf Weiteres gilt die Regelung aber, wie sie ist.

Neben der Rente ist für Frührentner höchstens ein regelmäßiges Arbeitseinkommen von 450,00 € pro Monat unschädlich. Lediglich zwei Monate pro Jahr ist ein Verdienst von maximal 900,00 € erlaubt. Solange diese Grenzen eingehalten werden, wird weiterhin die volle Altersrente gezahlt.

Verdient jemand mehr, so wird die Rente gekürzt – und zwar um mindestens ein Drittel. Die Altersrente wird dann zunächst als Zwei-Drittel-Rente gezahlt. Statt einer monatlichen Altersrente von z.B. 1.200,00 € erhält man dann nur 800,00 €

Diese sogenannte Teil-Rente gibt es in drei Stufen: als Zwei-Drittel-, Halb- und Ein-Drittel-Rente. Für eine jeweils kleinere Rente ist jeweils ein höherer Hinzuverdienst erlaubt.

Die genauen Hinzuverdienstgrenzen werden jeweils individuell ermittelt und hängen vor allem vom rentenversicherungspflichtigen Einkommen in den letzten drei Jahren ab. Wie viel man als Frührentner hinzuverdienen darf, sollte man sich von einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung ausrechnen lassen.

Außer individuellen Hinzuverdienstgrenzen gibt es noch Mindesthinzuverdienstgrenzen.

Mindesthinzuverdienstgrenzen (seit dem 1.1.2014)

West

Ost

Vollrente

450,00 €

450,00 €

2/3-Teilrente

539,18 €

493,19 €

1/2-Teilrente

788,03 €

710,82 €

1/3-Teilrente

1.038,88 €

948,44 €

Beispiel:

Wer eine 2/3-Teilrente bezieht und in den alten Bundesländern lebt, darf regelmäßig mindestens monatliche Bruttoeinkünfte in Höhe von 539,18 € erzielen. Dieser Betrag gilt auch für diejenigen, die nur eine Mini-Altersrente erhalten. Für Durchschnittsverdiener und für Versicherte mit hohem Einkommen gelten weit höhere Werte. Für einen Durchschnittsverdiener in den alten Bundesländern wird beispielsweise eine 2/3-Teilrente auch dann noch gezahlt, wenn das Bruttoeinkommen aus abhängiger Beschäftigung maximal 1.078,35 € beträgt. Die genannten Werte sollen nur der ungefähren Orientierung dienen. Klar ist: Wer als Frührentner eine Beschäftigung aufnimmt, sollte sich erkundigen, welche Werte für ihn persönlich gelten.

Hinzuverdienst durch Arbeitszeitkonto vorteilhaft gestalten

Gerade wenn Rentner zeitweise wieder von ihrem früheren Betrieb beschäftigt werden, dürfte es vielfach möglich und sinnvoll sein, mit dem Unternehmen bzw. mit der Personalabteilung praktikable und vorteilhafte Gestaltungen des Lohnzuflusses zu vereinbaren. Interessant ist dabei vor allem die Möglichkeit, Arbeitsentgelt aufgrund flexibler Arbeitszeitregelungen für Freistellungen bzw. für Arbeitszeitverkürzungen als sog. Wertguthaben anzusparen.

Beispiel:

Ein 62-jähriger Frührentner erzielt in seinem früheren Betrieb ein Jahr lang Einkünfte in Höhe von 2.400,00 €. Von der Rentenversicherung hat sich der Betroffene errechnen lassen, dass er bei laufenden monatlichen Einkünften von brutto 1.200,00 € noch eine Zwei-Drittel-Rente erhält. In diesem Fall kann folgende Regelung getroffen werden: Von den 2.400,00 €, die der Betroffene monatlich an Einkünften erzielt, kommen nur 1.200,00 € zur Auszahlung. Der Rest fließt in ein betriebliches Langzeit-Arbeitszeitkonto und wird im folgenden Jahr entspart. Der Betroffene erhält dann im zweiten Jahr weiterhin monatlich brutto 1.200,00 €. Erst dann fallen auch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge auf diesen Verdienstanteil an. Durch dieses Modell wird zum einen im Beispielfall die kontinuierliche Zahlung einer Zwei-Drittel-Rente gesichert. Zum anderen ist diese Variante in der Regel auch steuerlich deutlich günstiger, da die zu zahlende Steuer durch die Streckung der Einkünfte insgesamt sinkt.

Ein solches Modell wird von der Deutschen Rentenversicherung ausdrücklich anerkannt. Besonders interessant ist dies auch dadurch, dass selbst bei geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen (mit monatlichen Einkünften von maximal 450,00 €) die Einrichtung eines Arbeitszeitkontos nach den Geringfügigkeitsrichtlinien ausdrücklich erlaubt ist. Durch ein Arbeitszeitkonto kann ggf. gewährleistet werden, dass auch bei saisonal unterschiedlichen Arbeitszeiten aufs Jahr gesehen die 450-Euro-Grenze eingehalten und damit der Bezug einer Vollrente nicht gefährdet wird.

Achtung: Das Arbeitszeitkonto muss bis zum Erreichen des regulären Rentenalters wieder entspart werden. Diese Position vertritt zumindest das Bundesarbeitsministerium. Rechtsprechung ist zu dieser Frage nicht bekannt. Die Möglichkeit, Einkünfte per Arbeitszeitkonto ins reguläre Rentenalter zu transportieren (wo sie rentenunschädlich wären), scheint damit nicht zu bestehen.

Für Arbeitnehmer in Kleinbetrieben dürften die skizzierten Möglichkeiten aber kaum in Betracht kommen, da die Betriebe mit entsprechenden Beschäftigungsvarianten meist keine Erfahrung haben. In größeren und mittleren Betrieben sind den Personalabteilungen solche Varianten dagegen meist bekannt und geläufig. Wichtig zu wissen: Kosten verursacht die Einrichtung von Arbeitszeitkonten den Betrieben nicht; der bürokratische Aufwand hält sich in Grenzen. Einzelheiten kann man nachlesen in der Niederschrift über die Besprechung der Spitzenverbände der gesetzlichen Sozialversicherung vom 30./31.3.2009, im Internet zu finden unter www.aok-business.de/fachthemen/besprechungsergebnisse/jahr-2009/.

Bei vorgezogenem Altersruhegeld: Hinzuverdienst ist sozialversicherungspflichtig und bringt neue Rentenansprüche

Altersrentner, die noch nicht das reguläre Rentenalter erreicht haben, sind bei Aufnahme einer Beschäftigung, deren Einkünfte zu einer Kürzung der ausgezahlten Rente bzw. zu einem zeitweisen Ruhen der Rente führen, sozialversicherungspflichtig. Mit ihren Beiträgen erwerben sie deshalb auch weitere Rentenansprüche. Fällt die Rente zunächst fort, so wird sie – wenn sie später wieder einsetzt – neu berechnet.

Die Rente erhöht sich dann in zweierlei Hinsicht: Zum einen fallen die Rentenabschläge aufgrund des späteren Renteneintritts niedriger aus. Zum anderen bringen die weiterhin gezahlten Rentenbeiträge eine Rentenerhöhung. Wird die Rente wegen zu hohen Hinzuverdienstes als Teilrente geleistet, so werden bei einer späteren Vollrente Zuschläge für den beitragspflichtigen Hinzuverdienst während des Teilrentenbezugs zu der bereits festgestellten Rente hinzugerechnet. Dann verringern sich auch die Abschläge für den wegen des zu hohen Hinzuverdienstes nicht in Anspruch genommenen Teil der Rente.

Quelle: "Der GeldBerater", Juni 2014

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